Hitlergruss-Foto eines SD-Jungpolitikers: Statt Parlament jetzt Knast?

10.10.2011 |  Von  |  Politik
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Skandal um Jonas Schneeberger von den Schweizer Demokraten (SD): Bei den Nationalratswahlen am 23. Oktober wollte der 28-jährige Jungpolitiker eigentlich auf dem SD-Listenplatz 12 für den Kanton Bern ins Schweizer Parlament einziehen.

Doch daraus wird nun nichts. Denn unter Druck gerät der Kabinenführer aus Niederried durch ein Foto, das von der „SonntagsZeitung“ veröffentlicht wurde und ihn in menschenverachtender Pose zeigt: Zu sehen ist darauf, wie Schneeberger in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald den Arm zum Hitlergruss erhebt – hinter ihm türmen sich Leichen der Opfer des NS-Regimes.

Screenshot der SonntagsZeitung.

Was an Perfidie nicht zu überbieten ist, verharmlost Schneeberger nun als „Jugendsünde“. Entstanden seien die Bilder „2003 und 2004“. Angeblich habe er sich inzwischen vom braunen Gedankengut distanziert, liess er verlautbaren. Doch wie die Zeitung schreibt, war Schneeberger noch 2006 und 2007 an gewalttätigen Übergriffen auf Ausländer in Grenchen beteiligt. In einem Kommentar im Blog „Grenchen.net“ aus dieser Zeit soll er geäussert haben: „Jetzt beginnt der Krieg erst recht… macht euch auf was gefasst… Nationalisten gegen Ausländergewalt!!!“ Schneeberger gibt jedoch das Unschuldslamm: Angeblich hätten „Linke“ den Kommentar in seinem Namen verfasst…

Schneeberger: Jetzt Knast statt Parlament?

Als Konsequenz kündigten die Schweizer Demokraten an, Jonas Schneeberger aus der Partei auszuschliessen. Daneben hat der Vorfall für den (Ex-)Jungpolitiker wahrscheinlich auch ein juristisches Nachspiel: In Deutschland drohen ihm bis zu drei Jahren Haft. Die deutschen Behörden werden entsprechende Schritte einleiten.

Die Partei ist indessen kurz vor den Wahlen bemüht, ein Saubermann-Image zu wahren. „Wir distanzieren uns von jeglichem rassistischen Gedankengut. Herr Schneeberger wird aus der Partei ausgeschlossen“, so SD-Parteipräsident Rudolf Keller. Weder von dem Foto noch von Verbindungen ihres Kandidaten zur rechtsextremen Szene wollen die Schweizer Demokraten etwas gewusst haben.

Dass Nationalratskandidaten der SD wegen mutmasslicher rechtsextremer Verbindungen Negativschlagzeilen machen, ist nicht neu. So musste 2007 der damalige SD-Vizepräsident Roland Wagner von seinem Posten zurücktreten, weil er mit deutschen Neonazis in der Schweiz eine Schiessübung durchgeführt hatte.

„Schweizer Demokraten“ zeigen ihre Gesinnung

Im selben Jahr (2007) lancierten die Schweizer Demokraten eine eidgenössische Volksinitiative «Für freie Meinungsäusserung – weg mit dem Maulkorb!», durch welche die Rassismus-Strafnorm ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden sollte. Am liebsten wäre es den Herrschaften der SD also, wenn Volksverhetzung und rassistische Meinungsmache ungestraft blieben. Abscheuliche Vorfälle wie der Fall Schneeberger zeigen, warum dies ein inniges Anliegen der Partei ist – anscheinend aus reinem Selbstschutz.

Die Partei, die schweizweit bei 0,5 Prozent Wähleranteil dahindümpelt und 2007 ihren letzten Sitz im Nationalrat verlor, hat der Öffentlichkeit wieder einmal einen Blick in den Abgrund erlaubt. Ihr Kandidat auf Listenplatz 12, der übrigens trotz Parteiausschluss aus rechtlichen Gründen weiterhin dort bleibt, dürfte den Wählern die Augen darüber öffnen, mit wem man es hier zu tun hat: Wohl kaum mit wahren „Patrioten“, denn Patriotismus hat mit rassistischer Hetze oder menschenverachtender Gesinnung nichts zu tun.

Patriotismus – ja bitte! Nazis ins Parlament? Nein danke!

 

Titelbild: Screenshot Sonntagszeitung



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2 Kommentare


  1. Das hat nun wirklich nichts mit Politik zu tun! Eine Schande!

  2. Different people all over the world get the home loans from various banks, just because that’s fast and easy.

Ihr Kommentar zu:

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