Mumia Abu-Jamal bleibt Hinrichtung erspart

08.12.2011 |  Von  |  Kriminalität
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Grosser Sieg für Mumia Abu-Jamal (58): Der wegen Mordes verurteilte schwarze US-Politaktivist entgeht nach 30 Jahren Haft seiner Hinrichtung. Das gab die Staatsanwaltschaft in Philadelphia am Mittwoch bekannt.

Seit drei Jahrzehnten steht Abu-Jamal als Symbol für den Kampf gegen die Todesstrafe. Eine weltweite Solidaritätsbewegung, darunter Menschenrechtsaktivisten, Bürgerrechtler und Prominente, setzt sich für den ehemaligen Black Panther ein.

Die Todesstrafe solle nun endgültig in eine lebenslange Haft umgewandelt werden, erklärte Staatsanwalt Seth Williams. Zwar habe er keinen Zweifel, dass Abu-Jamal den Mord an einem Polizisten begangen habe. Dennoch sei es nach drei Jahrzehnten des juristischen Tauziehens an der Zeit, die Hinrichtung Abu-Jamals – in Einverständnis mit der Witwe des Getöteten – aufzugeben. Abu-Jamal selbst hatte die Tat stets abgestritten.

Am 3. Juli 1982 war Abu-Jamal von einer Jury aus zehn Weissen und zwei Afroamerikanern einstimmig des Mordes am Polizisten Daniel Faulkner für schuldig und zum Tode verurteilt worden. Seither beschäftigte der Fall die US-Justiz quer durch die Instanzen immer wieder. Zuletzt hatte es der Oberste Gerichtshof der USA in Washington im Oktober 2011 abgelehnt, sich mit dem Fall zu befassen. Dadurch war die Staatsanwaltschaft genötigt, erneut die Todesstrafe oder eine lebenslange Haft zu beantragen.

Kritiker werfen der US-Justiz im Verfahren um Abu-Jamal erhebliche Mängel und ausserdem rassistisch motivierte Vorbehalte vor. Die internationale „Free Mumia „-Bewegung kann jetzt einen wichtigen Erfolg verbuchen, sieht sich sich aber noch nicht am Ziel: Die Aktivisten wollen weiter für die Freilassung des Inhaftierten kämpfen. Für den morgigen Freitag sind aus Anlass des 30. Haftjahrestages internationale Proteste und Veranstaltungen angekündigt, unter anderem in den USA, Frankreich, Grossbritannien, Schweiz, Deutschland und Österreich.

Kommentar: Ob Abu-Jamal die ihm vorgeworfene Tat tatsächlich begangen hat, wird wohl nie restlos geklärt werden können. Neben einigem, was ihn zu entlasten scheint, gibt es ebenso Belastendes, das nicht einfach vom Tisch gewischt werden kann (Details siehe hier). Zum Helden oder Sympathieträger taugt Abu-Jamal kaum, bedenkt man, dass er möglicherweise einen Polizisten brutal ermordet hat. Trotzdem ist es gut, dass er weiterleben darf. Denn die Todesstrafe ist und bleibt barbarisch, zumal die Hinrichtung eines Mörders nur einen weiteren Mord im Auftrag des Staates hinzufügt. Dass Abu-Jamal nun endgültig nicht hingerichtet wird, ist daher ein hoffnungsvolles Zeichen.

 

Titelbild: Peter Reinäcker / pixelio.de



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