Triumph für Abzocker-Initiative: Schweizer sagen gierigen Managern den Kampf an

04.03.2013 |  Von  |  Politik
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Triumph für Abzocker-Initiative: Schweizer sagen gierigen Managern den Kampf an
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Die Schweiz macht Schluss mit der Selbstbereicherung gieriger Manager: Bei der Volksabstimmung am 3. März sagten rund 68% der Stimmenden und sämtliche Kantone ein deutliches Ja zur Abzocker-Initiative. Irrsinnige Bonuszahlungen für Manager sollen künftig der Vergangenheit angehören – damit bekommt ausgerechnet die wirtschafsliberale Schweiz das schärfste Aktienrecht der Welt.

© Gina Sanders – Fotolia.com

Über die Höhe von Managervergütungen sollen in Zukunft die Aktionäre entscheiden, wodurch überrissenen Manager-Salären ein Riegel vorgeschoben werden soll. Nicht mehr erlaubt sind Begrüssungsgelder für Spitzenmanager und goldene Fallschirme zum Abschied in Millionenhöhe. Bei Verstössen gegen entsprechende gesetzliche Regelungen drohen bis zu drei Jahren Gefängnis und hohe Geldbussen.

Zuletzt sorgte der Verwaltungsratspräsident von Novartis, Daniel Vasella, für Empörung, der für sein Ausscheiden aus dem Pharmakonzern insgesamt 72 Millionen Franken kassieren wollte und erst nach einem Sturm der Entrüstung auf das horrende Salär verzichtete. Der Vasella-Skandal dürfte der Initiative noch einmal Schub gegeben haben.

Der lange Kampf des Thomas Minder 

Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von rund 68% erzielte die Abzocker-Initiative die dritthöchste Zustimmungsquote, die eine Volksabstimmung in der Schweiz je erreicht hat. Das überdeutliche Ja zur Initiative ist vor allem ein Triumph des parteilosen Schaffhauser Ständerats und Kleinunternehmers Thomas Minder (52). Seit vielen Jahren kämpft der Vater der Abzocker-Initiative unermüdlich gegen die Selbstbedienungsmentalität in den Chefetagen und ist damit längst zum Schreck der Schweizer Bosse geworden.

„Ich bin froh, dass der lange Kampf vorbei ist“, kommentierte Thomas Minder im Schweizer Fernsehen SRF. Minder zeigt sich überzeugt davon, dass die Initiative keinen Untergang für die Schweizer Wirtschaft bedeutet, sondern ganz im Gegenteil einen Standortvorteil ausmacht. „Das ist das beste politische Exportprodukt der Schweiz. Investoren werden in die Schweiz  kommen, weil hier klare Verhältnisse herrschen.“

Noch mindestens ein Jahr bis zum Gesetz gegen Gier

Im Vorfeld hatte der Wirtschaftsdachverband economiesuisse in einer millionenschweren Kampagne Horrorszenarien vom massenhaften Arbeitsplatzverlust durch die Abzocker-Initiative an die Wand gemalt. Inzwischen schlägt Direktor Pascal Gentinetta mildere Töne an: „Es ist selbstverständlich, dass der Volkswille zu respektieren ist. Jetzt gilt es, die Initiative textgetreu umzusetzen.“

Bis zur vollen Umsetzung der Initiative werden allerdings wohl noch mindestens ein bis eineinhalb Jahre vergehen. So lange wird es voraussichtlich dauern, bis Regierung und Parlament ein „Gesetz gegen die Gier“ auf Basis des Initiativtextes erarbeitet und verabschiedet haben. Zu befürchten ist, dass die bürgerliche Mehrheit der Initiative noch Ecken und Kanten abschleifen wird.

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