Die Macht der Manipulation: Wie Medien Christen diffamieren

04.09.2013 |  Von  |  News
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Die Macht der Manipulation: Wie Medien Christen diffamieren
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Künstlerfreiheit ist eine schmale Gratwanderung. Für die einen ist ein Werk noch herausfordernd, für die anderen schon beleidigend – meist eine Frage des Geschmacks.

Was aber in den letzten Tagen in Schweizer Medien über evangelikale Christen veröffentlicht wurde, ist eindeutig tendenziös und verzerrend. Zwei Fälle, welche die Macht der Medien zeigen und zugleich gegen vorschnelle Urteile sensibilieren sollen.

Fall 1: Sind betende Menschen mit Vorsicht zu geniessen?

Im Schweizer Tatort „Geburtstagskind“, der auch im deutschen Fernsehen lief, geht es um einen Freikirchen-Pastor, der zum Mörder wird. Als aufopferungsvollen Christen stellt ihn der Streifen dar, der eine Frau mit ihren Kindern von der Strasse holt und heiratet. Dann aber wird die minderjährige Tochter der Frau ermordet – sie war im dritten Monat schwanger. Der Stiefvater macht im Laufe der Ermittlungen den Kommissaren ständig fromme Ansagen, wobei das „fanatische“ Flackern seiner Augen dem Zuschauer ein allzu offensichtliches Ende nahelegt: Er selbst hat das Mädchen ermordet, angeblich um ihre Seele zu retten.

Die Botschaft des Films: Vorsicht bei Menschen, die allzu hingegeben beten und sich mit Gott beschäftigen. Ihre Frömmigkeit ist wahrscheinlich nicht echt; ja, vielmehr haben sie einen „Knacks“ und könnten gemeingefährlich sein. Hat nicht schon Sigmund Freud Gottglauben als Neurose und Sinnsuche als Krankheit bezeichnet? So werden gänige Klischees bedient.

Jeder Christ ein potenzieller Mörder? Ja, es gibt schwarze Schafe, wie den Kinderschänder Daniel O. – doch aus den Ausnahmen eine Regel zu machen, ist unfair. Durch Christen, die von der Liebe Gottes überzeugt waren, wurde sehr, sehr viel Gutes in der Welt getan. Diese Menschen handelten, weil sie sich selbst von Gott geliebt und angenommen wussten. Das wird in den Medien allzu oft ausgeblendet. Der Evangelikalismus ist sicherlich die offensivste Form des Christentums, ein Hang zu Heuchelei und Psychopathentum aber nicht systemimmanent. Wer das ausblendet, müsste alle Rettungssanitäter zu Betrügern erklären, nur weil einige im Dienst Betäubungsmittel stehlen.


Fotografen können via Bildeinstellungen ganze Berichterstattungen manipulieren.

Fotografen können via Bildeinstellungen ganze Berichterstattungen manipulieren. (Bild: © bilderstoeckchen – Fotolia.com)


Fall 2: Die Macht der stummen Bilder

Der Schweizer Fotograf Christian Lutz hat einen Bildband namens „In Jesus‘ Namen“ herausgebracht, in dem er die Freikirche ICF (International Christian Fellowship) fotografisch beschreibt. Seine Bilder zeigen ICF-Mitglieder in verschiedensten Situationen, die er bei Teilnahmen an Gemeindeveranstaltungen dokumentiert hat. Dabei besass er stets die Erlaubnis der ICF-Leitung, die sich aber wohl der Ausrichtung von Lutz‘ Werk nicht ganz bewusst war.

Denn die Fotos sind nicht oder nicht ausreichend erklärt, so dass in vielen Fällen ein sehr zweifelhafter Eindruck der Dargestellten entsteht.  Ein junger Erwachsener sitzt einem offenbar traurigen Kind gegenüber und hat seine Hand auf dessen Oberschenkel gelegt. Pädophile Tendenzen? Oder was würden Sie über eine Minderjährige mit leicht gewölbtem Bauch denken, die im Schoss eines Erwachsenen sitzt, umgeben von anderen Männern, die scheinbar beschämt zu Boden gucken? In Wahrheit ist der Mann der Vater des Mädchens, und in der ICF wird Polygamie weder betrieben noch geduldet. Wieder andere Abbildungen zeigen vermeintliche Taufhandlungen in unangemessener Umgebung oder einen „Heimchenclub“ von beschürzten Frauen.

Nun hat Lutz ja nur Fakten festgehalten. Warum ist er trotzdem mit 21 individuellen Klagen aus dem Umfeld der ICF konfrontiert? Weil sich Einzelne in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sehen. Denn hier wird das Gesetz der Suggestion oder besser gesagt: dessen, was nicht gesagt wurde – deutlich. Keine Darstellung, ausser vielleicht eine technische Zeichnung, ist völlig sachlich und wertneutral. Fotos sind nur Momentaufnahmen, und der Fotograf entscheidet, wann er abdrückt, mit welcher Belichtung, und was genau er erfasst. Das ist ganz normal und auch nicht verwerflich, aber Lutz‘ Darstellung der ICF geht zu weit. Zu brisant sind die Klischees, welche die Fotos bedienen, zu weit weg vom tatsächlichen Geschehen. Hier haben auch Künstler eine ethische Verantwortung für ihr Tun.

Christian Lutz wollte nach eigenen Angaben die „Macht der Religion“ thematisieren – und hat uns ungewollt sehr viel über die (negative) Macht der Bilder gezeigt.

 
Oberstes Bild: © Trueffelpix – Fotolia



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