Skurriler Streit um Frauenrechte

13.07.2014 |  Von  |  Allgemein
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Skurriler Streit um Frauenrechte
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Gleichberechtigung, Frauenrechte, Frauenquote – wo immer im gesellschaftlichen Leben das Maskulin die Nase vorn hat, drängen Frauen auf ein Plus an Rechten und mehr öffentliche Wahrnehmung. Dabei scheint es oft völlig egal, ob das Sinn macht oder nicht. Wenn aus dem Mann eine Männin wird, wenn eine Schriftstellerin tief aus ihrer Phantasie und fussend auf vermeintlich glaubhafter Geschichte eine Päpstin hervorzaubert und wenn Frauen quasi per Dekret in Führungspositionen gehoben werden, ist die Schwelle zur Absurdität knapp erreicht.

Grenzwertig wird es, wenn Sprachexperten Bemühungen zeigen, alle Substantive geschlechterneutral umzuschreiben und wahrhaft skurril erscheint das Bemühen um die Geschlechtergleichheit dann, wenn Zeit und Energie dafür aufgebracht wird, aus dem Ampelmännchen ein Ampelfrauchen zu machen. Der Geschlechterkampf scheint einen Höhepunkt erreicht zu haben, an dem es nicht mehr um die Sache selbst, sondern um Durchsetzungskraft auf Teufel, sorry auf Teufelin komm raus geführt wird. Noch wird vor den christlichen, muslimischen und buddhistischen sowie anderen religiösen Leitfiguren Abstand gehalten, aber auch hier scheint der Schritt zur Absurdität nur ein paar Motions weit entfernt zu sein.

Ein Wort für die Frauen

Ja, Frauen sind ein durchweg wertvoller Teil unserer Gesellschaft. Sie nehmen mit ihrer Arbeit, egal ob im Arbeitsverhältnis oder zu Hause, entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Gemeinschaft, oftmals prägen sie sogar die frühkindliche Entwicklung bis hin zu einem Übermass an weiblicher Kompetenz in den Kindertagesstätten und Schulen.

Ja, unsere Frauen sind selbstständig, selbstbewusst und souverän und das sollen sie auch sein. In der Wirtschaft, in der Politik und im gesellschaftlichen und familiären Leben sind sie durch nichts zu ersetzen. Unsere Frauen sind leistungsfähig, gut gebildet und ohne Frage in der Lage, Leitungsverantwortung zu übernehmen, wenn sie das wollen.

Ja, unsere Frauen sind in einigen Bereichen noch viel zu wenig vertreten, wollen und dürfen aber den Schritt in diese Bereiche auch selbst wagen. Frauen wollen nicht bevormundet und quotiert werden, sie wollen sich ihren wichtigen Stand in der Gesellschaft selbst erkämpfen. Dabei müssen sie der Männerkaste so einiges mühevoll abringen, brauchen dazu aber keinerlei politische oder vereinsbeduselte Bevormundung.




Frauen schaffen ohne Frage den Schritt in eine Anerkennung, die ihrer Position im Gleichklang zwischen den Geschlechtern gerecht werden kann. . (Bild: Szekeres Szabolcs / Shutterstock.com)

Frauen schaffen ohne Frage den Schritt in eine Anerkennung, die ihrer Position im Gleichklang zwischen den Geschlechtern gerecht werden kann. . (Bild: Szekeres Szabolcs / Shutterstock.com)

Ja, unsere Frauen schaffen ohne Frage den Schritt in eine Anerkennung, die ihrer Position im Gleichklang zwischen den Geschlechtern gerecht werden kann. Gleichberechtigung ist da manchmal vielleicht nicht der glückliche Begriff. Erst recht nicht dann, wenn solche Bestrebungen absurde Züge annehmen.

Aus dem Ampelmännchen soll ein Ampelfrauchen werden

Geht es nach dem Willen des Schweizerischen Verbandes für Frauenrechte, dann soll aus dem Ampelmännchen ein Ampelfrauchen werden – zumindest an der Hälfte der Fussgänger- und Fussgängerinnen-Ampeln in der Schweiz. Andere Länder haben das bereits vorgemacht. So leuchten in einigen deutschen Städten mittlerweile Männlein und Weiblein in Rot oder Grün, auch in England oder Belgien sind die femininen Signale an den Ampeln zu sehen.

Ob und welchen Sinn das machen soll, bleibt hingegen fraglich. Besonders dann, wenn sich der Verband für Frauenrechte auf der einen Seite für weibliche Ampelfiguren einsetzt, auf der anderen Seite aber Rock und Zöpfchen nicht unbedingt sehen will. Ampelfrauen sollen zeitgemäss stilisiert sein. Also eher mit Hose als mit Rock, gern auch mit Kurzhaarschnitt als mit langer Mähne. Stellt man sich ein solches Ampelfrauchen vor, sieht es dann in der stilisierten Form wohl doch wieder eher wie ein Männchen aus. Es sei denn, die Grafiker zaubern hier irgendwie eine durchschnittlich grosse Brust mit in die Silhouette, ohne aber sexistisch zu werden.

Allein dieser Gedankengang zeigt schon wie schwierig es sein dürfte, eine Gleichstellung von Mann und Frau auf Biegen und Brechen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens herstellen zu wollen. Dann nämlich dürfte auch so manches Verkehrsschild hinfällig sein, auf dem etwa weibliche Personen mit Kind an der Hand als Kennzeichnung von Fussgängerwegen benutzt werden. Soll dann hier ein Mann drauf oder vielleicht doch eine komplette Familie? Bleibt zu hoffen, dass sich im letzteren Fall Singlefrauen oder Singlemänner nicht diskriminiert fühlen.

Was sagen die Schweizer?

Fragt man den Schweizer selbst, so scheint ihm Ampelmann oder Ampelfrau ziemlich egal zu sein. In erster Linie kommt es darauf an, dass solche Symbole eindeutig zu erkennen und in ihrer Funktion einwandfrei zuzuordnen sind. Ist die Ampel grün, dann gilt das eben für Männer und Frauen gleichermassen. Vielleicht lässt sich hier am einfachsten ein Burgfriede schaffen, in dem man das amerikanische Modell bevorzugt. „Gehen“ oder „Stopp“ wären dann die völlig geschlechterneutralen Aussagen auf der Ampel, die keinerlei Grund zur geschlechterspezifischen Auseinandersetzung bieten dürften. „Gehen“ könnte dann grün vertikal geschrieben werden, „Stopp“ rot und horizontal. Und im französischen Teil der Schweiz dann natürlich auf Französisch.

An der Umfrage zum Thema Ampelmännchen oder Ampelfrauchen auf „20 Minuten“ nahm im Übrigen eine einzige Person teil. Ob diese männlichen oder weiblichen Geschlechts ist, bleibt unbekannt. Auch hier die klare Meinung: „Mir doch egal!“

Vielleicht wäre es sinnvoller, Energie und Zeit einer solchen Auseinandersetzung lieber in Bereiche zu investieren, in denen Frauenrechte bis heute wirklich erstrebenswert sind. Und davon gibt es wohl ausreichende Bereiche, beispielsweise bei der Lohngleichheit. Aber das ist ein heisseres Eisen, bei dem man sich auch mit der Wirtschaft anlegen müsste. Dann lieber doch das Ampelfrauchen ohne Rock und Zöpfchen oder andere weibliche Klischees.

 

Oberstes Bild: © Africa Studio – Shutterstock.com



Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.

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