Unnötige Operationen in Schweizer Spitälern

16.08.2014 |  Von  |  Gesundheit
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Unnötige Operationen in Schweizer Spitälern
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Beinahe 20 % der Schweizer Spital-Ärzte berichten von unnötigen Operationen in ihren Spitälern. So lautet das Ergebnis einer Umfrage, die vom Internet-Vergleichsdienst Comparis in Auftrag gegeben wurde. Passend zu diesen Aussagen verzeichnet das Bundesamt für Statistik (BfS) einen starken Anstieg bei teureren Eingriffen wie beispielsweise Hüftprothesen-Operationen, deren Zahl zwischen 2003 und 2012 um über 30 % zugenommen hat. Aus medizinischer Sicht wären solche Operationen streng genommen überhaupt nicht notwendig, da es sich bei Arthrose im Grunde um keine lebensbedrohliche Krankheit handelt.

Auch wenn Hüft- oder Knieprothesen keine lebensverlängernden Massnahmen darstellen, so führen sie doch zu einer massiven Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Dies führt nach Aussage vieler Ärzte wiederum dazu, dass die Betroffenen auch insgesamt gesünder bleiben.

Experten sehen den Grund für die Zunahme teurer orthopädischer Operationen vor allem in der Überalterung der Gesellschaft und in der Tatsache, dass die Menschen im Alter heutzutage deutlich aktiver sind als früher. Dadurch würden sich die Abnutzungserscheinungen am Bewegungsapparat stärker manifestieren und zu grösseren Einschränkungen der Lebensqualität führen.

Medikamente verlieren an Beliebtheit

Früher griffen viele Patienten lieber zu Schmerzmitteln, als sich freiwillig einer Operation zu unterziehen. Inzwischen werden medikamentöse Behandlungen allerdings deutlich kritischer gesehen und die Risiken stärker gegeneinander abgewägt. Zudem scheint das heutige Lebensgefühl bei der Wahl der Behandlung eine grosse Rolle zu spielen, denn auch viele jüngere Patienten entscheiden sich immer früher für eine Operation.

Auch die Qualität der Operationen konnte in den vergangenen Jahren deutlich verbessert werden. Dadurch verlieren immer mehr Patienten die Angst vor einem solchen Eingriff, da sie oft bereits Fälle aus ihrem Umfeld kennen, bei denen eine Prothesen-Operation positiv verlaufen ist.

Zweifel an der Aussagekraft der Comparis-Umfrage

Der Vorwurf, dass vermehrt unnötige Operationen durchgeführt würden, stammt vom Internet-Vergleichsdienst Comparis. Dieser beruft sich dabei auf eine Umfrage vom Juni dieses Jahres, die auf seinen Auftrag hin durchgeführt wurde. Von den 350 befragten Mitarbeitern aus dem OP-Bereich gaben 24 % der Pfleger und 18 % der Ärzte an, dass manche Operationen durchgeführt würden, die aus medizinischer Sicht nicht notwendig seien. Zudem würden viele Operationen aus wirtschaftlichem Interesse und nicht aus medizinischer Notwendigkeit heraus durchgeführt.

Die Aussagekraft der Comparis-Umfrage wird von vielen Ärzten allerdings stark angezweifelt, da nach ihrer Aussage ein Anästhesist oder Pfleger kaum in der Lage sei, die Notwendigkeit einer OP zu beurteilen. Trotzdem räumen die meisten aber auch ein, dass unnötige OPs durchgeführt würden. Hier würden neben wirtschaftlichem Druck vor allem Unwissenheit und die grosse Anzahl an Orthopäden in der Schweiz eine Rolle spielen. Laut Aussage des Verbands der Orthopäden soll diesen Problemen in Zukunft allerdings durch Beschränkungen der Ausbildungsplätze sowie Selbsttests der Ärzte entgegengewirkt werden.

 

Oberstes Bild: © ChaNaWiT – Shutterstock.com



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