Wildvögel: Mit der richtigen Fütterung kommen sie gut durch den Winter

10.01.2015 |  Von  |  Natur
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Wildvögel: Mit der richtigen Fütterung kommen sie gut durch den Winter
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Zugegeben, gefährdete Vogelarten lassen sich mit Futterstellen nicht unbedingt anlocken. Hauptsächlich nehmen solche Vögel das Angebot an, die bei uns in ausreichender Zahl vorkommen. Diesen Tieren aber kann man mit der richtigen Winterfütterung gut helfen.

Die Meinungen zu diesem Thema gehen weit auseinander – es gibt ebenso vehemente Gegner wie Befürworter. Gegen die Fütterung spricht, dass seltene Arten davon wenig profitieren, einzelne Tiere bei mangelnder Hygiene an Krankheiten sterben können und die Gewöhnung an eine Futterstelle das natürliche Verhalten beeinflusst.

Auf der anderen Seite finden Vögel in den Städten einfach nicht mehr genügend Nahrung, sie gehen auch in unseren aufgeräumten Gärten oft leer aus. Ich persönlich bin ausserdem davon überzeugt, dass eine „gewöhnliche“ Amsel ebenso sehr unter dem Hunger leidet wie eine seltene Nachtigall. Davon abgesehen macht es einfach Spass, den Tieren dabei zuzusehen, wie sie es sich schmecken lassen. Und wenn Sie einige Tipps beachten, schadet ihnen die Fütterung auf keinen Fall.

Nur im Winter füttern?

Ich halte eine ganzjährige Fütterung für angemessen, besonders wenn sich in der Umgebung keine naturbelassenen Wälder oder Wiesen befinden. Bei der Jungenaufzucht im Sommerhalbjahr verbrauchen die Vögel viel Energie dabei, genug Futter für den Nachwuchs heranzuschaffen. Zudem profitieren von einem zusätzlichen Futterangebot die aus dem Winterquartier heimkehrenden Zugvögel wie Rotschwänze, Laubsänger und Grasmücken.

Die Heinz-Sielmann-Stiftung weist darauf hin, dass sich an ganzjährig betriebenen Futterstellen bis zu 50 Vogelarten einfinden. Eine verantwortungsvolle Fütterung während des gesamten Jahres leiste einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und dem Vogelschutz. Aber: Die richtige Auswahl des Sommerfutters ist immens wichtig, damit keine Jungvögel gefährdet werden. Auf diesen Punkt gehe ich im Abschnitt mit den Futtersorten gesondert ein.

Die richtige Futterstelle

Mit mehreren Futterstellen steigen die Chancen, viele verschiedene Vogelarten anzulocken. Zudem verringert sich das Risiko der Keimübertragung.

Bei allen Futterstellen spielt der Standort eine wichtige Rolle. Im Umkreis von drei Metern sollten keine Bäume oder Sträucher stehen, anderenfalls können sich Katzen unbemerkt anschleichen. Es wird empfohlen, den Futterplatz mindestens 1,50 Meter hoch anzubringen. Bitte achten Sie darauf, dass die Vögel rundum freie Sicht haben.

Die überall erhältlichen Fettknödel und Nussstangen können Sie einfach in die Bäume oder an geeigneter Stelle aufhängen. Allerdings besteht die Gefahr, dass kleine Vögel sich in den Netzen verfangen und sterben. Am besten verwenden Sie spezielle Halter aus Metall, hier kann nichts passieren.

Nicht so gut geeignet sind geräumige Futterhäuser aus Holz: Diese sehen zwar schön aus, aber die Vögel setzen darin ihren Kot ab und verunreinigen das Futter. Als Folge können sich Krankheitskeime verbreiten und andere Vögel anstecken. Ausserdem droht altes Futter zu schimmeln, wenn es lange liegenbleibt. Sofern Sie ein Futterhaus verwenden möchten, nehmen Sie eines mit innenliegendem Futtersilo, aus dem immer nur so viel Futter nachrutscht, wie die Tiere wegfressen. Denken Sie auch daran, altes Futter regelmässig zu entfernen sowie bei Bedarf verschmutzte Stellen zu reinigen. Das Dach sollte wasserdicht sein und ausreichend Überstand haben, damit es nicht hineinregnen kann.

Bei Säulen aus Kunststoff kann kein Kot in das Futter gelangen, diese lassen sich zudem gut reinigen. Die Vögel sitzen auf aussen angebrachten Stangen und holen sich die Körner aus den Öffnungen. Nachteile: Die Behälter haben keinen Wetterschutz und können nicht mit Fettfutter befüllt werden. Die Weichfresser haben hier meist das Nachsehen.

Gute Erfahrungen bestehen auch mit überdachten Futterhäuschen zum Aufhängen. Das Haus selbst besteht aus einem Silo, rundum verläuft eine schmale Krippe, aus der die Tiere das Futter picken. Bei dieser Variante befinden sich die Sitzstangen ebenfalls aussen.

Für Vögel, die am liebsten vom Boden Futter aufnehmen, gibt es ebenfalls geeignete Futterspender.

Auch bei grösster Sorgfalt kann es in seltenen Fällen zu Krankheitsübertragungen kommen. Ein deutlicher Hinweis darauf sind tote Vögel um die Futterstelle. Stellen Sie in diesem Fall die Fütterung sofort ein. Haus oder Silo müssen gründlich gesäubert und desinfiziert werden, vergessen Sie auch nicht den Boden der Futterstelle zu reinigen. Wichtig: Mit Handschuhen arbeiten, um sich nicht selbst anzustecken! Bitte warten Sie mindestens drei Wochen, bis Sie erneut füttern und wählen Sie einen neuen Standort.

Wildvögel kommen besser über den Winter, wenn sie zusätzlich gefüttert werden. (Bild: g215 / Shutterstock.com)

Wildvögel kommen besser über den Winter, wenn sie zusätzlich gefüttert werden. (Bild: g215 / Shutterstock.com)

Die Auswahl der Futtersorten

Die Ansprüche der einzelnen Vogelarten weichen stark voneinander ab. Die Vielfalt an Nahrung, die die Natur zur Verfügung stellt, können wir nicht imitieren. Deshalb werden niemals alle Vögel ein zufriedenstellendes Angebot an einer Futterstelle finden. Aber wir sollten darauf achten, ein möglichst vielfältiges Futter zusammenstellen, sodass für die meisten Tiere das Richtige dabei ist.

Generell besteht bei Vogelfutter das Risiko, die gesundheitsgefährdenden Samen der Ambrosiapflanze einzuschleppen. Deren Pollen haben eine stark allergene Wirkung und lösen bei manchen Menschen schwere Asthmaanfälle aus. In der Schweiz ist zwar ausschliesslich ambrosiafreies Futter erhältlich; dennoch sind noch Altbestände im Umlauf, die nicht getestet wurden. Am besten sprechen Sie den Händler gezielt darauf an, sofern das Futter nicht eindeutig als ambrosiafrei deklariert ist.

Das Angebot an hochwertigen, fertigen Futtermischungen ist gross, für Weichfresser wie Körnerfresser. Einige Arten fressen auch beides. Grundsätzlich sollte nicht viel Getreide enthalten sein, dafür viele Sonnenblumenkerne und ölhaltige Saaten. Sie können einige Sorten mischen oder verschiedene Nahrungsmittel an mehreren Stellen anbieten. Oder Sie stellen selbst eine Mischung zusammen.

Überblick über wichtige Futtermittel für die Winterfütterung

Bitte niemals füttern:

  • Speisereste
  • Brot
  • Reis
  • Salz oder Nahrungsmittel, die Salz enthalten

Fast alle Vögel nehmen gerne:

  • Geschälte Sonnenblumenkerne
  • Gehärtetes Pflanzenfett, Rinderfett, Erdnussbutter (ohne Salz!)
  • Fettknödel
  • Zerkleinerte Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse, Erdnüsse)

Für Körnerfresser wie Finken, Ammern, Sperlinge, Meisten, Kleiber und Spechte:

  • Sonnenblumenkerne mit Schale (schwarze, weisse, gestreifte), auch geschälte
  • Hanfsaat
  • Negersaat
  • Mohn
  • Sesam
  • Kürbiskerne
  • Maiskörner
  • Getreide wie Hafer und Weizen nur wenig

Für Weich- und Insektenfresser wie Amseln, Zaunkönige, Rotkehlchen, Stare:

  • Kleie (in flüssigem Pflanzenfett erhitzt und ausgehärtet)
  • Haferflocken
  • Weizenflocken
  • Geriebene Nüsse
  • Getrocknete Insekten, getrocknete Mehlwürmer
  • Getrocknete Beeren und Früchte, Rosinen
  • Frisches Obst wie Äpfel oder Birnen nur an frostfreien Tagen

Hinweis für die Ganzjahresfütterung

Samen, Körner und Nüsse können den Jungvögeln schaden oder sie sogar töten, beispielsweise Erdnussbruch. Die Nestlinge vertragen dieses Futter nicht, sie brauchen vor allem Insekten. Am besten greifen Sie auf fertige Mischungen zurück, die getrocknete Insekten enthalten und für eine ganzjährige Fütterung geeignet sind. Die Hersteller kennzeichnen dies in der Regel deutlich auf der Verpackung. Zwar haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass die Altvögel das Futter für den Nachwuchs separat besorgen und sich nur selbst von dem Angebot bedienen. Aber man muss ja kein Risiko eingehen.

Trinkwasser

Bei Schnee stillen die meisten Vögel damit ihren Durst. Ansonsten sind sie für eine Wasserstelle dankbar. Als Gefäss eignet sich eine flache Tonschale, die Sie auf einem flachen Stein platzieren. Es ist wichtig, die Schale regelmässig zu reinigen und das Wasser täglich zu wechseln, damit sich keine Keime ausbreiten. Wenn Sie es besonders gut mit Ihren gefiederten Gästen meinen, können Sie bei starkem Frost mit einer kleinen Aquarienheizung das Wasser eisfrei halten.

 

Oberstes Bild: © Andre Valadao – Shutterstock.com



Über Andrea Durst

Ich bin selbstständige Texterin und liebe an meinem Beruf die Abwechslung bei der Umsetzung unterschiedlicher Kundenwünsche. Auch die persönliche Freiheit spielt eine grosse Rolle: Arbeiten zu jeder beliebigen Zeit und an jedem Ort, natürlich immer im Rahmen der Abgabetermine. Für die Belmedia-Portale schreibe ich sehr gern, da die Autoren Themen wählen können, die sie persönlich am meisten interessieren. In meinem Fall sind das Tiere und Tierschutz, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ernährung, Pflanzen und Naturkosmetik.

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