HSBC: Böse Bank und böse Promis

12.02.2015 |  Von  |  Allgemein, Politik
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Kommentar

Keine Frage, was Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR aufgedeckt haben, ist brisant. Immerhin wurde bekannt, dass nicht nur ganz offizielle Kriminelle, sondern auch Regierungsmitglieder zahlreicher Länder, vermeintlich seriöse Geschäftsleute und Angehörige verschiedener Königshäuser aus dem Nahen Osten schmutzige Geldgeschäfte über die Schweizer Bank HSBC abgewickelt haben.

Es geht um Geldwäsche, Schwarzgeld, Blutdiamanten, Terrorismus und Kriegsfinanzierungen. Und dann ist auch noch David Bowie Kunde eben jener Bank. Und Phil Collins, meine Güte, Phil Collins! Der singt doch so rührende Liebeslieder. Und dann das?

Und schon sprechen wir wieder über Nebenkriegsschauplätze.

Politiker aller Herren Länder sind empört, können gar nicht fassen, was da alles über die HSBC Bank gelaufen ist. Und dass es Promis gibt, die bei so einem Verein Konten haben (womöglich mit ganz ganz dunklem Geld darauf), das lässt uns doch auch am gerechten Lauf der Dinge zweifeln. Dabei sieht die Sache ganz anders aus. Die HSBC ist weder ein Einzelfall, der überraschte Empörung auslöst. Noch ist das, was die Journalisten aufgedeckt haben, im Kern neu. Auf den kritische deutschen NachDenkSeiten erschien gerade ein Video über Landgrabbing in Kambodscha (ein ausführlicher Artikel folgt), bei dem auch die Deutsche Bank eine unrühmliche Rolle spielt. Die Argumentation von HSBC und Deutscher Bank sind identisch. Als sie erfuhren, was da über ihre Institute läuft, haben sie brav ihre Praktiken geändert und sind seitdem moralisch vorbildliche Geldhäuser, die nur richtig gute Sachen machen.

Ach? Ja? Ist das so?

Natürlich nicht!

Banken – und zwar nahezu alle Banken, nicht nur jene, die in die Schlagzeilen geraten – machen Geschäfte, die zu grossen Teilen moralisch unterirdisch und meist eindeutig kriminell sind. Ob nun das Verarbeiten von Schwarzgeld, die Reinigung verschmutzter Scheine, die Finanzierung von Kriegen, Terrorismus und Landraub – wo sich Geld verdienen lässt, stehen die Banken (man könnte sagen) Gewehr bei Fuss. Und niemand hindert sie daran. Wenn aufmerksame Journalisten Machenschaften wie die aktuellen der HSBC aufdecken, ist das Geschrei gross. Es wird nach Gesetzen verlangt, oder aber zumindest danach, die geltenden Gesetze doch bitte auch anzuwenden. Der deutsche Vize-Kanzler Sigmar Gabriel beispielsweise, der gern populistisches Zeug von sich gibt, solange seine eigenen Interessen nicht betroffen sind, fordert nun lauthals Untersuchungen „mit aller Härte“.

Da fragt man sich doch, wie genau das aussehen soll und – viel wichtiger – wie lange der Aktionismus andauern soll? So lange, wie es nötig ist, um die Gemüter zu beruhigen. Aber keinen Tag länger. Wenn in den nächsten Tagen die HSBC-Meldungen abebben und nach und nach in der Versenkung verschwinden, lässt auch das politische Interesse an ernsthaften Veränderungen nach.

Die internationalen Banken wollen Profit machen. Mit welchen Mitteln, ist da zweitrangig. Kriege, Lebensmittelspekulationen, Blutdiamanten, Steuerhinterziehung, Terrorismus und Geldwäsche sind ein wesentlicher Bestandteil der Bankenpraxis. Moralische Grenzen gibt es nicht, höchstens justiziable, die konsequent umgesetzt werden. Doch die gab es vor dem HSBC-Skandal nicht. Und es wird sie auch jetzt nicht geben. Sprechen wir lieber über David Bowie und Phil Collins. Da kann man auch mal mitsingen.

 

Oberstes Bild: © Norman Chan – shutterstock.com

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