Keine Angst vor kleinen Gesprächen: Alexander von Schönburg schreibt ein Buch über den Smalltalk

21.04.2015 |  Von  |  Literatur
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Keine Angst vor kleinen Gesprächen: Alexander von Schönburg schreibt ein Buch über den Smalltalk
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„Smalltalk: Die Kunst des stilvollen Mitredens“: So heisst das Buch, in dem sich der Journalist und Schriftsteller Alexander von Schönburg ausgiebig mit einer Art des Gesprächs beschäftigt, die bei vielen eher unbeliebt ist. 

Es gibt immer wieder Situationen, in denen sich Smalltalk nicht vermeiden lässt. Folglich besteht die Kunst nicht darin, ihn zu vermeiden oder nach einem ausgeklügelten Masterplan abzuleisten, sondern das Gute daran zu erkennen – und einfach mitzumachen.

Smalltalk ist für viele ein notwendiges Übel

Viele Menschen verdrehen schon die Augen, wenn sie das Wort „Smalltalk“ nur hören. Für sie bedeuten solche „kleinen Gespräche“, so die freie Übersetzung, vor allem Anstrengung und platte Konversation, mit denen sie sich in entsprechenden Situationen eher widerwillig abfinden. Häufige Argumente, die gegen Smalltalk ins Feld geführt werden, sind:

  • Alle wirklich interessanten Themen sind bei Smalltalk ohnehin verboten.
  • Ich bin eher ein Einzelgänger und nicht geschaffen für Rampenlicht und Gruppendynamik.
  • Bei Smalltalk geht es doch vor allem darum, Interesse für fremde Menschen zu heucheln.
  • Es fällt mir sehr schwer, auf Parties, betrieblichen Veranstaltungen oder Empfängen aus mir herauszugehen und lockere Konversation zu machen.
  • Ich trete bei Smalltalk unweigerlich in Fettnäpfchen und gerate immer wieder in peinliche Situationen.
  • Mein Allgemeinwissen reicht für Smalltalk einfach nicht aus, und mein Fachwissen ist nicht gefragt.

Doch gerade weil Smalltalk zu den anerkannten gesellschaftlichen und sozialen Riten gehört, ist es von Zeit zu Zeit auch notwendig, diese besondere Gesprächskunst auszuüben. Und selbst wer es darin nie zu wahrer Meisterschaft bringt, kann zumindest einige Fertigkeiten entwickeln, die ihm helfen, sich weniger unsicher zu fühlen und für sich das Beste aus Smalltalksituationen herauszuholen.

Smalltalk geht tiefer, als viele ahnen

Mit Smalltalk lernen sich Menschen besser kennen. Das betrifft nicht nur die sprichwörtliche „Fassade“, sondern geht viel weiter. Denn die Themen sind dabei nur ein Aspekt. Viel bedeutsamer ist das Verhalten im Gespräch, also der Kommunikationsstil – und der wird massgeblich bestimmt von Fähigkeiten und Eigenschaften, die sehr viel über den Charakter und die Persönlichkeit eines Menschen aussagen. Dazu gehören zum Beispiel Neugierde, Extraversion, Empathie, geistige Beweglichkeit, Humor, Spieltrieb und die sehr lohnenswerte Fähigkeit, sich und andere kritisch, aber liebevoll wahrzunehmen.

All das entscheidet darüber, wie Menschen zueinander in Kontakt treten und was sie miteinander anfangen. Zudem sind diese Eigenschaften meist schon bei einem kurzen Gespräch über das Wetter klar zu erkennen. Die oft als „Partygesicht“ oder „Sonntagsgesicht“ belächelte Fassade bietet in Wahrheit also gute Chancen auf einen umfassenden Einblick in die tieferen Schichten der Persönlichkeit.


Mit Smalltalk lernen sich Menschen besser kennen. (Bild: © racorn - shutterstock.com)

Mit Smalltalk lernen sich Menschen besser kennen. (Bild: © racorn – shutterstock.com)


Wäre das anders, hätten auch nicht so viele Menschen Angst vor Smalltalksituationen. Die Unsicherheit, die sich vieler bemächtigt, wenn sie mit Smalltalk oder der Anwesenheit vieler unbekannter Menschen konfrontiert werden, kommt aus sehr menschlichen, vertrauten und meist tief sitzenden Ängsten, zum Beispiel:

  • der Angst, keinen Anschluss zu finden und ausgegrenzt zu werden,
  • der Angst, unangenehm im Mittelpunkt zu stehen oder aufzufallen,
  • der Angst, sich nicht abgrenzen zu können und zu viel über sich zu verraten,
  • der Angst, andere zu langweilen, zu nerven oder zu überfordern oder
  • der Angst, mit anderen nicht mithalten zu können.

Viele ärgern sich bei Smalltalk immer wieder über ihr eigenes Verhalten, zu dessen Wiederholung sie scheinbar vom Schicksal verdammt sind: Dieses alberne Dauerlächeln! Nicht zu wissen, wohin man schauen gucken soll! Das krampfhafte Ausharren am Buffet, obwohl man längst keinen Hunger mehr hat!

Laut dem berühmten Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick ist aber es unmöglich, nicht zu kommunizieren. Der Mensch kommuniziert immer – auch und gerade durch eine sicht- und fühlbare Verweigerungshaltung, die eine sehr deutliche (und wenig vorteilhafte) Botschaft darstellt. Was also können Menschen tun, die Smalltalk nicht mögen, sich dabei unsicher fühlen, aber trotzdem aus diesem Spiel nicht aussteigen können oder wollen?

Die Empfängerseite trainieren

In seinem Buch „Smalltalk: Die Kunst des stilvollen Mitredens“ geht Autor Alexander von Schönburg auch auf die Tücken der Facebook- und Twitter-Generation ein: Alle haben zu allem etwas zu sagen, wollen über alles mitreden, alles kommentieren oder zumindest betonen, davon auch schon mal gehört zu haben. Die Senderseite ist im Internetzeitalter bei den meisten wesentlich stärker ausgeprägt als die Empfängerseite. Doch diese ist entscheidend, um beim Smalltalk erfolgreich zu sein – wobei der Erfolg darin besteht, sich gut zu fühlen, seinen Gesprächspartnern ebenfalls ein gutes Gefühl zu vermitteln und aus den kleinen Gesprächen so viel Interessantes, Spannendes und Nützliches mitzunehmen wie möglich.

Wer seine Empfängerseite trainiert, statt seine Senderseite überzustrapazieren, strahlt beim Smalltalk Sicherheit aus und macht sich zu einem begehrten Gesprächspartner. Denn gute Zuhörer und interessierte Frager sind rar – viel seltener als diejenigen, die alles kennen, alles wissen, zu allem bereits mindestens eine Meinung haben und sich bei jeder Frage zu einer weisen Antwort berufen fühlen. Wer immer versucht, der Klügste zu sein – und sei es auch nur aus Unsicherheit – macht sich damit beim Smalltalk ebenso wenig beliebt wie bei Dates oder Meetings, in der Familie oder am Stammtisch im Verein.

Welche Themen sind tabu, welche sind günstig?

Sex, Religion und Politik werden gern als Tabuthemen aufgeführt. Und tatsächlich sind diese Themen heikel – vor allem, wenn man sein Gegenüber noch gar nicht richtig kennt. Denn hier kann es auch bei spontaner Sympathie und einem guten ersten Eindruck zu Missverständnissen oder gar Streit kommen – ausserdem drohen bei diesen Themen, die sich nur sehr schwer allgemein halten lassen, besonders viele der gefürchteten Fettnäpfchen.

Stattdessen empfiehlt Autor von Schönburg, sich ruhig erst einmal übers Wetter zu unterhalten. Dieses Thema geht jeden an und ist trotzdem nie persönlich – es bietet also jede Menge Chancen, locker und risikofrei in die Kommunikation einzusteigen, sein Gegenüber einzuschätzen und die Stimmung sich entfalten zu lassen.

Darüber hinaus stellt der Autor 30 interessante, aber nicht verfängliche Themen vor, über die jeder ein wenig Bescheid wissen sollte, damit die Unterhaltung nicht ins Stocken gerät – von der amerikanischen Aussenpolitik bis hin zu Hunden oder Naturwissenschaft.

Von Schönburg rät ausserdem, das Gespräch mit den sogenannten Mauerblümchen zu suchen, da sich unter ihnen oft die interessantesten und ungewöhnlichsten Menschen verbergen.



Fazit: An Smalltalk führt manchmal kein Weg vorbei. In seinem Buch „Smalltalk: Die Kunst des stilvollen Mitredens“ erzählt Autor Alexander von Schönburg, wie sich Smalltalkfallen vermeiden lassen und jeder aus dem kleinen Gespräch das Beste herausholen kann.

 

Oberstes Bild: © Shots Studio – shutterstock.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.

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