Zügle – Befreiung und Bereicherung

29.06.2015 |  Von  |  Publi-Artikel
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Man findet im Internet oder auf Papier vielerlei Ratgeber und Checklisten, was vor, während oder nach einem Umzug zu beachten und zu tun ist. Da werden ganz praktische Fragen beantwortet, was zu planen und zu organisieren ist. Zwei besondere Aspekte in punkto Zügle finden aber selten Erwähnung: Befreiung und Bereicherung.

Jeder Mensch, der wohnt, wohnt zwangsläufig auch zwischen Ballast. Zeit seines Lebens ist er Jäger und Sammler. Erst wenn es ans Packen geht, merkt er, was er alles gehortet hat. Jetzt kann es unnötig zur Last werden.

Vor dem Umräumen das grosse Aufräumen

Wer umzieht, zieht erst einmal aus. Er macht eine Wohnung oder ein Haus leer, um eine andere Wohnung oder ein anderes Haus wieder voll zu machen. Er muss jedes Ding, das er besitzt, einmal in die Hand nehmen. Er muss es einpacken, muss sich merken, wo es am neuen Platz hingehört, muss die Kisten beschriften, damit es auch am rechten Platz landet – und so weiter. Mag sein, dass Sie dabei das eine oder andere längst vergessene Schätzchen erfreut wiederentdecken.

In aller Regel aber ist jetzt der Zeitpunkt da, sich ernsthafte Gedanken zu machen:

  • Habe ich diese Sache jemals vermisst?
  • Habe ich gewusst, wo sie ist?
  • Hätte es mir Nutzen gebracht, wenn ich das gewusst hätte?
  • Wird sie mir irgendwann noch einmal Nutzen bringen?

Jetzt ist auch der Zeitpunkt für ehrliche Antworten. Absolut verboten ist die Antwort: Das könnte ich ja vielleicht einmal wieder brauchen. Was Sie länger als ein Jahr nicht in der Hand gehabt haben, werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach nie wieder benötigen! Sie werden es am neuen Ort wieder irgendwo verstauen, wo Sie es bestimmt einmal wiederzufinden glauben. Sie werden es erneut vergessen. Und Sie werden wieder einmal unnötigen Ballast von A nach B schleppen.

Da gibt es nur einen Rat: Weg damit! Was noch gut und vielleicht für Andere nützlich ist, spenden Sie. Dankbare Abnehmer gibt es genug – die Altkleidersammlung, den Zweithandladen, die örtlichen Wohltätigkeitsorganisationen. Vom ganzen Rest befreien Sie sich rigoros. Die Erleichterung wird folgen!


Der beste Freund beim Umzug ist der mit einem grossen Laderaum. (Bild: © XiXinXing - shutterstock.com)

Der beste Freund beim Umzug ist der mit einem grossen Laderaum. (Bild: © XiXinXing – shutterstock.com)


Der beste Freund ist der mit dem Transporter

Gemeint ist jetzt nicht der Freund, der einem hilft, die eigenen Besitztümer zum neuen Wohnsitz zu schaffen. Sondern der, der einen grossen Laderaum frei hat, um den ganzen Schund zum nächsten Recyclinghof zu schaffen. Der Autor selbst musste vor einiger Zeit umziehen und hat sich streng an die eigenen Regeln gehalten: Was definitiv nicht mehr gebraucht wurde, kam weg, ohne Gnade. Den Freund mit dem Transporter gab es, zum Glück. Es wurden zwei Fahrten zum Recyclinghof, mit dem grossen Kastenwagen. Säckeweise unnötiges Zeug, fast kubikmeterweise sperrigere Sachen.

Die Befreiung setzt sich fort am neuen Ort

Bei aller Aufmerksamkeit geht man vielleicht doch noch in die Falle. Das Tischli da ist doch noch gut, das stelle ich dann – ja, wohin? Ja, ja, man hatte einen Grundriss der neuen Wohnstatt gemacht oder vom Hausbesitzer angefordert. Man hat sich einen Plan angefertigt, wo welche Möbel ihren Platz finden sollen, ihren sinnvollen Platz wohlgemerkt. Das Tischli hat man beim Planen irgendwie vergessen. Das Kommödli irgendwie auch. Und dann ist da noch dieser Garderobenständer, der beim besten Willen nicht in die vorgesehene Nische passen will.

Das Zauberwort heißt: Sperrmüll. Es zahlt sich definitiv aus, frühzeitig das entsprechende Amt am neuen Ort ausfindig zu machen. Hinaus vors Haus mit dem Tischli und dem Kommödli oder dem Garderobenständer! (Wahrscheinlich werden sich alsbald gewisse Sammler des einen oder anderen Teils bemächtigen.) Der Rest wird sozusagen von Amts wegen abtransportiert. Befreiungsakt Nummer zwei. Sie werden die Teile nie vermissen!

Jetzt aber zum Erfreulichen am Zügle – zu einer ganz speziellen Bereicherung

Wer umzieht, wechselt die Adresse, vielleicht auch die Telefonnummer. Für ehemalige oder aktuelle Bekannte, die es nicht wissen, kann man damit unsichtbar, unauffindbar, leider vergessen werden.

Jetzt bekommt das Prinzip „Nutzen oder weg“ einen neuen Sinn. Jetzt geht es um Menschen. Jetzt ist der Zeitpunkt da, Ihre Adressbücher oder Kontaktverzeichnisse durchzuarbeiten. Sie werden auf Namen stossen, die vielleicht in ferner Vergangenheit einmal eine Rolle in Ihrem Leben spielten, beruflich oder privat, aber heute keinerlei Bedeutung mehr für Sie haben. Auch das ist Ballast. Löschen oder streichen Sie beherzt alle „abgelaufenen“ Kontakte.



Aber – und das ist viel wichtiger – Sie werden wieder an Menschen erinnert werden, die Ihnen etwas bedeuten, die Sie aber in der Routine des Alltags fast schon aus den Augen verloren haben. Gibt es einen besseren Anlass, solche Kontakte wieder aufzufrischen oder zu erneuern, als der Wechsel des Wohnsitzes? Nehmen Sie sich die Zeit, diesen Freunden und Bekannten Nachricht zu geben. Rufen Sie sie an, wenn es möglich ist. Denn durchs Reden kommen die Leute (wieder) zusammen. Schicken Sie zumindest eine eMail oder eine SMS, vielleicht gar eine Postkarte.

Solcherart Beziehungspflege kann eine ungeahnte neue Bereicherung Ihres Lebens sein.
Sie werden es selbst erleben: Auch jedem Zügle wohnt ein Zauber inne.

 

Oberstes Bild: © auremar – shutterstock.com



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