Sommerzeit – Zeckenzeit: Wie gefährdet sind wir wirklich?

07.07.2015 |  Von  |  Gesundheit
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Jeden Sommer ist von Erkrankungen durch Zecken zu lesen. Im Vergleich zu anderen Ländern besitzt die Schweiz zwar wenige Waldflächen als typische Aufenthaltsorte von Zecken, dennoch ist das Risiko auch hierzulande ernstzunehmen.

Spätestens wer im Sommer unsere Nachbarländer bereist und Wanderungen sowie den Aufenthalt in der freien Natur geniesst, sollte das Risiko eines Zeckenbisses richtig einschätzen können. Die folgenden Tipps helfen dabei, Zecken als Gefahr im Sommer realistisch zu bewerten und geeignete Massnahmen bei einem Zeckenbiss zu treffen.


Besonders im Sommer ist das Risiko eines Zeckenbisses ziemlich gross. (Bild: Helmut Spoonwood – shutterstock.com)

Besonders im Sommer ist das Risiko eines Zeckenbisses ziemlich gross. (Bild: Helmut Spoonwood – shutterstock.com)


Wie gross ist die Gefahr eines Zeckenbisses in der Schweiz?

Durch die überschaubare Grösse der Schweiz und die Zusammensetzung ihrer natürlichen Lebensräume sind Meldungen über Zeckenbisse aus Nationen wie Deutschland und Frankreich häufiger. Doch auch in der Schweiz ist das Risiko ernstzunehmen.

Grundsätzlich sind Zecken überall bis zu einer Höhe von 1’000 bis 1’200 Metern anzutreffen. Bei einem Sommeraufenthalt in den Höhen der Schweizer Alpen ist die Gefahr somit gering. Die kleinen Spinnentiere lieben feuchte Böden und halten sich gerne in Sträuchern und kleinen Bäumen auf, die sie mühelos erklimmen können. Die bewaldeten Regionen der Schweiz sind der bevorzugte Lebensraum, wobei das gemässigte Klima nördlich der Alpen ihrer Ausbreitung stärker dient.

Pro Jahr werden mehrere Tausend Zeckenbisse medizinisch in der Schweiz registriert, da sie zu Krankheiten bis hin zur Lebensgefahr führen. In den meisten Fällen handelt es sich um den Befall mit Lyme-Borreliose. Deutlich seltener und gefährlicher sind Fälle von Hirnhautentzündung, die sogenannte FSME. In den wenigsten Fällen enden diese Erkrankungen tödlich. Dies ist jedoch einer rechtzeitigen medizinischen Behandlung zu verdanken und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Überhaupt ist die geringe Sensibilisierung für das Thema Zecken der häufigste Grund, warum Schweizer nach einer Waldwanderung keine Überprüfung für einen Zeckenbefall am Körper vornehmen.


Pro Jahr werden mehrere Tausend Zeckenbisse medizinisch in der Schweiz registriert. (Bild: Henrik Larsson – shutterstock.com)

Pro Jahr werden mehrere Tausend Zeckenbisse medizinisch in der Schweiz registriert. (Bild: Henrik Larsson – shutterstock.com)


Mit einer gründlichen Kontrolle die Zecken-Gefahr vermeiden

Die gerne gewählte Bezeichnung Zeckenbiss ist sachlich falsch, da das Spinnentier eher sticht und sich mit seinem Stachel fest in der Haut des Wirtes verankert. Während das menschliche Blut zur Nahrungsquelle für die Tiere wird, übertragen diese teilweise sehr ansteckende Krankheiten, die direkt in Haut oder Blutbahn übergehen. Die Gefahr lässt sich bannen, indem direkt nach einer Wanderung oder einem Spaziergang die Überprüfung des Körpers auf Zeckenstiche ernstgenommen wird. Dies gilt für Menschen ebenso wie Hunde und andere Haustiere, die genauso Opfer von Zecken werden können und teilweise noch empfindlicher reagieren.

Besonders gefährdet sind Körperregionen, die im Sommer nicht durch Kleidung abgedeckt werden. Während ein Zeckenstich auf Armen und Beinen schnell auffällt und sich als kleiner, schwarzer Punkt auf heller Haut zeigt, werden Regionen wie die Kopfhaut oder Achselhöhle schnell vergessen. Gerade hier ist der Zeckenbiss bzw. -stich genauso möglich und wird durch die Grösse des anhaftenden Tieres von wenigen Millimetern schnell übersehen.

Der Einstich einer Zecke ist nicht schmerzhaft und auch ihr Anhängen am Körper ist nicht spürbar, so dass die Infektion des Körpers schleichend erfolgt. Grundsätzlich ist in den Sommermonaten zu empfehlen, dem Körper nach jedem Tag in der freien Natur eine solche Prüfung zu unterziehen.


Wenn die Zecke sticht, verankert sie sich mit ihrem Stachel fest in der Haut des Wirtes. (Bild: AlessandroZocc – shutterstock.com)

Wenn die Zecke sticht, verankert sie sich mit ihrem Stachel fest in der Haut des Wirtes. (Bild: AlessandroZocc – shutterstock.com)


Ein Zeckenstich wurde erkannt – und nun?

Wer die Gefahr einer Meningitis, also Hirnhautentzündung, ernstnimmt und sich und die Familie nicht gefährden möchte, kann über die Impfung gegen FSME nachdenken. In der Praxis kommt es in der Schweiz nur zu Impfungen von Personen mit einem hohen Gefährdungspotenzial, beispielsweise von Arbeitskräften in Forstbetrieben. Für andere Krankheitsbilder gibt es aktuell keine Impfungen, weshalb die Prävention durch leichte Kleidung und die regelmässige Körperprüfung unerlässliche Massnahmen sind. Ein Zeckenstich kann dennoch eintreten, der je nach persönlichem Geschick selbst oder mit Hilfe eines Arztes behandelt werden kann.

Die Zecke einfach mit einer Pinzette oder einem anderen Hilfsmittel aus der Haut zu ziehen, ist wenig effektiv. Meist bleiben der Stachel und andere Teile des Tierkörpers in der Haut hängen, so dass sich der Infektionsherd auf die Gesundheit von Mensch und Tier auswirken kann. Mit speziellen Zeckenzangen aus der Apotheke lässt sich die Zecke in Gänze aus der Haut heraushebeln, was auch im Fell von Hunden oder Katzen funktioniert. Misslingt dieser Eingriff oder fehlt das entsprechende Hilfsmittel für die Zeckenentfernung, sollte möglichst noch am gleichen Tag ein Arzt aufgesucht werden, um die Zecke professionell beseitigen zu lassen.



Mit Sprays und weiteren Hilfsmitteln vorbeugen

Um es gar nicht erst auf einen Zeckenstich ankommen zu lassen, hält der Fachhandel spezielle Sprays bereit. Diese wirken wie Mückensprays und sorgen dafür, dass eine Zecke selbst beim Aufspringen auf den Körper eines Wirtes kein Interesse am Einstich entwickelt. Ist der Stich erfolgt und soll ohne teure Arztkosten die Gefahr von Borreliose abgeschätzt werden, steht ein professioneller Zeckentest zum Einsenden für jeden Schweizer Bürger bereit. In der Sommersaison ist daher anzuraten, sich vor dem Durchstarten in die freie Natur mit diesen praktischen Hilfsmitteln auszustatten, um im Falle eines Zeckenbisses die Ruhe zu bewahren und korrekt zu handeln.

 

Oberstes Bild: Richard Bartz, Wikimedia, CC



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2 Kommentare


  1. Schweizer Wanderforum

    Leider stimmt es nicht, dass Zecken nur bis ca. 1200m anzutreffen sind. Die Viecher haben sich längst auch an höhere Lagen gewöhnt, und es gibt jedes Jahr Feriengäste, Wanderer und Älpler, die oberhalb der Baumgrenze mit Borreliose infiziert werden. Ansonsten ein informativer, sehr guter Artikel!

  2. Zecken sind eine wirkliche Plage und seitdem ich Hunde habe, machen mir die Viecher noch mehr Sorgen. Etliche Zecken haben die beiden schon nach Hause gebracht und letztens haben wir wohl eine nicht entdeckt, die dann zerplatzt (?) auf unserem Wohnzimmerboden lag und Blut im 30cm (!) Umkreis gespritzt hat. Was genau passiert ist wissen wir nicht, wir kamen nur ins Wohnzimmer, da lag die Zecke da und die Blutspritzer drumherum. Einfach nur widerlich. Auf Zeckenmittel wollen wir verzichten da diese giftig sind. Bei unseren Hunden und uns selbst wenden wir Kokosöl an und fahren damit sehr gut. Bei Interesse gibt es einen Erfahrungsbericht auf unserem Blog http://produktfreiraum.de/warum-ich-fuer-meine-terrierdamen-kokosoel-verwende/

    Viele Grüße
    Tanja

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