Nägelkauen: Lösungen für ein verbreitetes Phänomen

19.08.2015 |  Von  |  Gesundheit
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Ästhetische Fingernägel zählen in der modernen Gesellschaft bei Männer und Frauen zu den Merkmalen einer gepflegten Erscheinung. Nicht jedermann kann jedoch mit schönen Nägeln überzeugen: Das Nägelkauen ist auch in der Schweiz keine Seltenheit. Häufig eine Folge von Stress oder psychischen Erkrankungen, gibt es verschiedene Ansatzmöglichkeiten zur Bekämpfung dieses Symptoms.

Dabei geht es nicht nur um den Erhalt der natürlichen Schönheit jedes Nagels. Meist stehen die innere Ausgeglichenheit und ein besserer Umgang mit Stress im Vordergrund.

Nägelkauen – ein Anzeichen von Stress und mehr

Das Abkauen der Fingernägel bis hinunter zum Nagelbett ist bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen verbreitet und hat häufig ein krankhaftes Ausmass. Grundsätzlich ist nichts gegen das Ablösen eines eingerissenen Fingernagels mit den Zähnen einzuwenden. Betroffene nagen jedoch konsequent sämtliche Nägel ab und verhindern die Ausbildung eines natürlich aussehenden Nagels im Ansatz.


Abgekaute Nägel sind häufig Ausdruck von psychischen Problemen. (Bild: © Donald Sawvel - shutterstock.com)

Abgekaute Nägel sind häufig Ausdruck von psychischen Problemen. (Bild: © Donald Sawvel – shutterstock.com)


Tausende Schweizer sind von der Symptomatik betroffen, wobei dies ausschliesslich für diagnostizierte Fälle mit einem eindeutigen Zusammenhang zu einer psychischen Erkrankung gilt. Daneben sind gelegentliche Nägelkauer zu nennen, die nur in akuten Stress- und Druckphasen ein Ventil suchen und hierbei auf das Nägelkauen zurückgreifen. In letzterem Fall dient das Nägelkauen der Beruhigung und ist in seiner harmlosesten Form mit dem Rauchen einer Zigarette oder dem Kaugummikauen zu vergleichen.

Problematisch wird es, wenn angesichts eines dauerhaft hohen Stresslevels das Abkauen oder Nägel chronisch wird. Häufig geht das Verhalten mit psychischen Problemen einher, die von einer einfachen Unausgeglichenheit bis hin zu häufigen Angstzuständen reichen.

In schlimmen Fällen ist das Nägelkauen eines von vielen Symptomen eines selbstzerstörerischen Verhaltens, das die Behandlung durch einen Psychologen dringend erforderlich macht.

Auch Kinder immer häufiger vom Nägelkauen betroffen

Stress gibt es nicht nur in der Erwachsenenwelt. Auch Kindern aller Altersgruppen sind Stress und Druck nicht fremd. Wenn gute Schulnoten ausbleiben oder jeden Tag zwischen Sportverein und Musikschule gependelt wird, fühlen sich Jungen und Mädchen schnell überfordert. Das Kauen der Nägel ist ein häufiges Anzeichen für den immensen Stress, den bereits die Jüngsten am eigenen Leib erfahren müssen. Eine Bestrafung des Kindes für dieses Verhalten ist ein Schritt in die falsche Richtung, da durch diese Androhung nur noch mehr Angst entsteht. Ein fürsorglicher Umgang und kritischer Blick auf den stressigen Alltag des Kindes ist empfehlenswerter.

Über das letzte Jahrzehnt wird das Symptom Nägelkauen immer stärker mit ADHS verbunden. Die Störung wird bei Kindern in der westlichen Zivilisation immer häufiger diagnostiziert und umfasst ständige Unruhe und Hyperaktivität als wichtigste Symptome. Das Kauen der Nägel dient dazu, den Druck des erkrankten Kindes zu kanalisieren. Auch hier ist das Nägelkauen nicht das wesentliche Problem, sondern lediglich eines von vielen Symptomen, weshalb zur Behandlung an der Wurzel der Erkrankung oder Störung anzusetzen ist.



Gesundheitliche und ästhetische Aspekte des Nägelkauens

Abgesehen vom permanenten Stress oder psychischen Symptomen kann das Nägelkauen die Gesundheit des Betroffenen zusätzlich belasten. Werden die Nägel sehr weit heruntergekaut und liegen hierdurch Teile des Nagelbetts frei, kommt es häufig zu chronischen Entzündungen dieses empfindlichen Hautbereichs. Der Körper nimmt die fortwährende Entzündung wahr und ist permanent in Alarmbereitschaft, was zu einer Schwächung des Immunsystems beiträgt und das Eintreten anderer körperlicher Erkrankungen begünstigt.

Da die abgekauten Nägel von der Umwelt als unschön wahrgenommen werden, baut sich bei den Betroffenen zusätzlicher psychischer Druck auf. Sie müssen fürchten, als Nägelkauer sofort erkannt zu werden und auf andere unattraktiv zu wirken. Dies führt dann zu Angst und Scham und somit zu weiteren psychischen Problemen.

Spätestens hier sollte es Betroffenen bewusst sein, dass eine Hilfe von aussen der richtige Schritt ist. Diese befreit im Idealfall nicht nur vom Kauen der Nägel, sondern verhilft generell zu einer höheren Lebensqualität.


Mit professioneller lässt sich das Nägelkauen abstellen. (Bild: © Tania Zbrodko - shutterstock.com)

Mit professioneller lässt sich das Nägelkauen abstellen. (Bild: © Tania Zbrodko – shutterstock.com)


Den Ausweg aus dem Nägelkauen finden

Ab einem gewissen Grad der Erkrankung wird eine professionelle Therapie zur einzigen Hilfe für Nägelkauer. Eine Psychotherapie hilft sehr vielen Betroffenen dabei, die Ursachen für das zwanghafte Verhalten zu entschlüsseln und den unbemerkten Stress und sonstige Störfaktoren des Alltags bewusst zu machen. Explizit ist dieser Schritt auch für Kinder und Jugendliche zu empfehlen, die bisweilen unbemerkt von ihren Eltern unter einem immensen psychischen Druck leiden.

Wer hingegen seine Fingernägel nur selten als Ventil zur Stressbefreiung nutzt, wird von dieser Gewohnheit schnell mit diversen bitteren Substanzen loskommen, die sich unsichtbar auf die Nägel auftragen lassen und im Fachhandel erhältlich sind. Dies ist auch in der Anfangsphase einer Psychotherapie zu empfehlen, um den ersten Schritt zur dauerhaften Befreiung von dieser Zwangshandlung einzuleiten.

 

Oberstes Bild: © file404 – shutterstock.com

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