Rotwangenschmuck-Schildkröte bedroht heimische Arten

22.01.2016 |  Von  |  Tierwelt
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Rotwangenschmuck-Schildkröte bedroht heimische Arten
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Die Rotwangenschmuck-Schildkröte sieht schön aus und macht sich gut in Aquarien. In freier Wildbahn wird sie aktuell zur Bedrohung für heimische Schildkrötenarten, weil sie sich auch ausserhalb des Mittelmeerraumes vermehrt.

Zu diesem Fazit gelangen Wissenschaftler des Senckenberg-Forschungsinstitutes. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Schildkröte stellt somit eine massive Bedrohung für die heimische Schildkrötenfauna dar und sollte laut den Autoren der kürzlich im Fachjournal „Conservation Genetics“ veröffentlichten Studie in Europa abgefangen werden.

Bedrohung für einheimische Tiere

„Man findet die Schildkröten praktisch in allen europäischen Ländern in der freien Natur“, erklärt Melita Vamberger von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden. „Die Reptilien wurden durch den Tierhandel so weit verbreitet.“ Die Art gilt daher als Gefahr für einheimische Schildkröten, weil sie mit diesen in direkter Konkurrenz bezüglich Nahrung, Nist- und Sonnenplätze stehen.

Zudem sind die eingeschleppten Reptilien potenzielle Überträger von Parasiten und anderen Krankheitserregern. Seit den 1990er-Jahren ist der Import der beliebten Haustiere mit den kräftig orangenen bis roten Schläfenstreifen nach Europa verboten. „In einigen Ländern, besonders in den Balkanstaaten und im südlichen Europa, blüht der illegale Handel aber weiterhin“, ergänzt Vamberger, die das slowenisch-deutsche Wissenschaftlerteam anführt.


Rotwangenschmuck-Schildkröte bedroht heimische Arten. (Bild: Mike Laptev – Shutterstock.com)

Rotwangenschmuck-Schildkröte bedroht heimische Arten. (Bild: Mike Laptev – Shutterstock.com)


Einstufung als „invasiv“

Über Gentests konnten die Experten zeigen, dass sich die Schildkröten auch in Slowenien vermehren. Die Biologen haben Proben von 77 Tieren an drei Standorten genommen und zeigen damit, dass sich die Reptilien in allen untersuchten slowenischen Gebieten fortpflanzten. „Wir haben die Standorte nach ihren klimatischen Unterschieden ausgesucht“, erklärt Senckenberg-Direktor Uwe Fritz. „Leider können sich die Rotwangenschmuck-Schildkröten auch nahe Ljubljana verbreiten – in einem gemässigten, kontinentalen Klima.“

Zum ersten Mal wurde genetisch nachgewiesen, dass sich die Tiere auch ausserhalb des Mittelmeergebiets mit seinem mediterranen Klima vermehren. Rund um Ljubljana wurden zwar weniger miteinander verwandte Exemplare gefunden als in den wärmeren Regionen, was darauf hindeutet, dass die Schildkröten sich hier seltener fortpflanzen. „Wahrscheinlich werden in Stadtnähe aber auch mehr Tiere mit neuem Genmaterial ausgesetzt. Dies führt dann zwangsläufig zu weniger verwandten Tieren“, gibt Vamberger zu bedenken.

Aufgrund des grossen Ausbreitungspotenzials über den Mittelmeerraum hinaus und der potenziellen Bedrohung heimischer Arten sollten die Schildkröten laut den Dresdner Biologen als invasiv eingestuft werden. „Wir empfehlen zudem die Rotwangenschmuck-Schildkröte mindestens in Lebensräumen mit heimischen Arten abzufangen und so eine Verbreitung der invasiven Art und einer Verdrängung der ursprünglichen Arten zu vermeiden“, unterstreicht Fritz.

 

Artikel von: pressetext.redaktion
Artikelbild: © Sergii Votit – Shutterstock.com

Über Sorin Barbuta

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