Schweizer Berufsfischer kämpfen um ihre Existenz

23.04.2016 |  Von  |  Tierwelt
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Schweizer Berufsfischer kämpfen um ihre Existenz
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Wer heutzutage an den Ufern vom Bodensee, Vierwaldstättersee oder Brienzersee entlang spaziert, ahnt wohl nichts davon, dass hungergeplagte Fische unter der glitzernden Wasseroberfläche schwimmen. Seit Ende der 1970er-Jahre wird den ehemals mit Phosphaten überdüngten Seen ein striktes Reinhalteprogramm aufgezwungen.

Der lebenswichtige Nährstoff Phosphor, der natürlicherweise in jedem Gewässer vorhanden ist, fehlt heute in vielen Schweizer Seen beinahe gänzlich. Das hat schwerwiegende Folgen für die Fischbestände.

Die Faktenlage ist eindeutig: Sinkt der Phosphatgehalt eines Sees unter 10 mg/m3 Seewasser, dann brechen die Fangerträge sehr rasch ein. Weder der Gewässerschutz noch die Trinkwasserversorgung oder die Badegäste benötigen einen tieferen Phosphatgehalt als diese 10 mg/m3.

Die in ihrer Existenz bedrohten Berufsfischer fordern eine offene Grundsatzdiskussion über die zukünftige Nutzung der Ressource Fisch in unseren Seen. Ändert sich nichts an der heutigen Gewässerschutzpraxis, werden innert weniger Jahre die meisten Alpenrandseen in einen ultranährstoffarmen Zustand versetzt.


Felchen Vierwaldstättersee; oben: Grossfelchen (Balchen), Mitte: Felchen (Edelfisch), unten: Kleinfelchen (Albeli) (Bild: Rudolf Müller, Limnos)

Felchen Vierwaldstättersee; oben: Grossfelchen (Balchen), Mitte: Felchen (Edelfisch), unten: Kleinfelchen (Albeli) (Bild: Rudolf Müller, Limnos)


Historische Belege künden von einem Fischreichtum in Schweizer Seen, den es heute so nicht mehr gibt. Denn der frühere, zwar kleine, aber stetige Phosphornachschub aus ausgedehnten Flachufern, kilometerbreiten Deltalandschaften und periodisch überschwemmten Riedwiesen existiert nicht mehr. Welch skurriles Szenario wäre das, wenn im Wasserschloss Schweiz keine Fische aus einheimischem Wildfang mehr auf den Teller kämen.

Zur Überwindung der Nährstoffarmut in Schweizer Seen legt der Schweizerische Berufsfischerverband ein fachlich fundiert aufgearbeitetes Strategiepapier vor.

Mit dem Dossier „Sauberes Wasser – genug Nahrung für die Fische – Erhaltung der Berufsfischerei“ und einem „Zehn-Punkte-Plan“ wird ein konkreter Lösungsweg angeboten.

Die wichtigste Forderung lautet: Zur Wiederherstellung des natürlichen, stetigen Phosphornachschubs während des Sommerhalbjahres wird ein rasches Umdenken verlangt. Für Abwasserreinigungsanlagen, die ihr gereinigtes Abwasser in die Seen einleiten, soll gelten:

  • Eine Phosphor-Elimination von 80% ist ausreichend für den Gewässerschutz. Die heutige Praxis der (subventionierten) Erhöhung der Reinigungsleistung gegen nahezu 100% ist schlecht für die Futterorganismen der Fische. Eine Reduktion der Reinigungsleistung spart zudem Phosphat-Fällmittel ein, die stark mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet sind.
  • Einleitung des gereinigten Abwassers in die oberflächennahe Gewässerschicht, in welcher der Phosphor als natürlicher Nährstoff benötigt wird.
  • Sofortiger Start einer Pilotphase für zwei bis drei Seen (Bodensee und Vierwaldstättersee, evtl. Brienzersee).

Auch das Bundesparlament unterstützt das Anliegen der Berufsfischer. Der Nationalrat hat im September 2015 (gegen den Antrag des Bundesrates) mit grossem Mehr beschlossen, dass der Bund eine „ökologische und sozioökonomische Bestandsaufnahme“ durchführen muss. Damit wird ermöglicht, dass die von den Berufsfischern seit langem geforderte Diskussion zum Zielzustand unserer Seen ins Rollen kommt. Dieser Zielzustand muss sich an ökologischen Kriterien orientieren und nicht an den technischen Möglichkeiten der Abwasserreinigungsanlagen.

 

Artikel von: Schweizerischer Berufsfischerverband / LID Landwirtschaftlicher Informationsdienst
Artikelbild: Der Fang ist zu klein – oft sind die Netze leer. Sabina Hofer, Berufsfischerin auf dem Vierwaldstättersee. (© Margherita Delussu)

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