Chirurgen-Duo rettet Fötus

28.04.2016 |  Von  |  Gesundheit, News
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Zwei routinierte Chirurgen aus der Frauenklinik Inselspital (Bern) und der Frauenheilkunde CHUV (Lausanne) erschliessen einen neuen Bereich der Operationen im Mutterleib. Erstmals veröden die Ärzte in einer Not-OP einen Lungentumor und retten so den Fötus. Der Junge kommt gesund zur Welt.

Inselspital, 22. Februar 2016, 11.15 Uhr: Zwei Spezialisten für fetomaternale Medizin schauen ein letztes Mal auf das Ultraschallbild am Monitor. Dann startet der gewagte Eingriff am Ungeborenen:

Ein gutartiger Lungentumor belastet das Herz des Kindes lebensgefährlich. Ohne Eingriff wird der kleine Junge nicht überleben. Eine Entbindung oder ein Abwarten kommen in der prekären Situation nicht in Frage. Unter den ausserordentlichen Umständen beraten sich der behandelnde Arzt und die Familie ausführlich. Dann der Entschluss: Gemeinsam mit seinem langjährigen Lausanner Kollegen operieren sie das Kind im Mutterleib zu zweit.


So funktionierte die Operation: Durch die Bauchwand der Mutter und den Brustkorb des Kindes wird eine Nadel eingeführt. Durch diese können die Chirurgen einen Laser direkt an die Blutzufuhr des Tumors platzieren. Sie orientieren sich mit einem Ultraschallbild. (Bild: © CHUV / Foto: Inselspital)

So funktionierte die Operation: Durch die Bauchwand der Mutter und den Brustkorb des Kindes wird eine Nadel eingeführt. Durch diese können die Chirurgen einen Laser direkt an die Blutzufuhr des Tumors platzieren. Sie orientieren sich mit einem Ultraschallbild. (Bild: © CHUV / Foto: Inselspital)


Bewährte Technik für neues Einsatzgebiet

Das Besondere: Bisher hatten Luigi Raio (Inselspital) und David Baud (Centre Hospitalier Universitaire Vaudois) v.a. eineiige Zwillinge im Uterus operiert, die durch den Mutterkuchen unausgewogen untereinander Blut austauschen. Dieses sogenannte „Zwillingstransfusions-Syndrom“ führt ohne Eingriff in den meisten Fällen zum Tod eines oder beider Kinder.


Luigi Raio und David Baud operieren gemeinsam das Kind im Mutterleib (Bild: © Inselspital)

Luigi Raio und David Baud operieren gemeinsam das Kind im Mutterleib (Bild: © Inselspital)


Gelingt es jedoch, bestimmte Blutgefässe in der Plazenta mit einem Laser zu veröden, gleicht sich die Blutzufuhrt der Babies wieder aus. Die Kinder haben wieder eine gute Chance zu gedeihen und gesund zur Welt zu kommen. Die Berner Frauenklinik ist Vorreiterin in dieser Art fetoskopischer Lasereinigriff und bietet ihn seit den späten Neunziger Jahren an.

Mit einer ähnlichen Technik operieren die beiden Chirurgen nun den Lungentumor. Diesmal aber findet die Operation mitten im Körper des Kindes statt, in unmittelbarer Nähe zum Herzen und der Hauptschlagader. Es muss daher noch präziser und mit ständigem Blick auf den Ultraschall gearbeitet werden. Doch der Eingriff gelingt: Der Lungentumor wird von der Blutzufuhr abgeschnitten. In den Wochen die folgen wird das absterbende Gewebe kleiner, das Herz des Kindes erholt sich wieder.


Nach der erfolgreichen Operation hat das Herz des Kindes wieder Platz. (Bild: © CHUV / Foto: Inselspital)

Nach der erfolgreichen Operation hat das Herz des Kindes wieder Platz. (Bild: © CHUV / Foto: Inselspital)


Am 13. April kommt der Junge gesund zur Welt. Es ist die erste Operation dieser Art in der Schweiz. Weltweit wurden lediglich 17 Fälle beschrieben mit unterschiedlich guten Resultaten.

Ein routiniertes Team

Luigi Raio und David Baud operieren seit drei Jahren Schulter an Schulter Babies in der Gebärmutter. Perfekte Koordination erlaubt ihnen die delikaten Eingriffe an winzigen Strukturen: Der eine wird zum Auge, der andere zur Hand der Operation – und umgekehrt. Über die Zeit hat sich das Team ein breites Knowhow erarbeitet, kann nun sogar in Gebiete vorstossen, die noch vor wenigen Jahren Utopie waren. Ihre Zusammenarbeit über den „Röstigraben“ zeigt, wie universitäre Ressourcen unmittelbar zu medizinischer Wissensförderung und zum Wohl der kleinen Patienten eingesetzt werden können.

 

Artikel von: Inselspital, Universitätsspital Bern
Artikelbild: Der kleine Junge am achten Tag nach der Geburt. © Pia Neuenschwander



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