Ein Problem – Futtertiere für Reptilien

01.07.2016 |  Von  |  News, Tierwelt
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Es gibt nicht wenige Schweizer, die Reptilien als Heimtiere halten – klar, dass diese auch gefüttert werden müssen. Während die Reptilien-Haltung zu Hause häufiger im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, interessiert sich kaum jemand für das Schicksal der Futtertiere.

Dabei werden jährlich hunderttausende Ratten und Mäuse verfüttert, von den Insekten gar nicht zu reden. Die Umstände der Zucht, des Transports und der Verfütterung dieser Futtertiere sind wenig bekannt und werden gerne verdrängt. Dabei müssen sie oft ein erbärmliches Leben fristen.

Tiefgefroren aus dem Ausland

In früheren Jahren wurden auch hierzulande Kleinnager als Futtertiere gezüchtet. Mit den Vorschriften der seit 2008 geltenden Tierschutzverordnung, die immerhin ein gewisses Tierwohl garantiert, scheint sich die inländische Futtertierzucht nicht mehr zu lohnen.

Die nachfragenden Tierhalter sind vielfach nicht bereit, für eine bessere Tierhaltung einen Mehrpreis zu bezahlen. Anstatt auch den Futtertieren Wert und Würde zuzugestehen, weichen Anbieter und Reptilienhalter aus Profitgründen auf ausländische Herkunft – vor allem aus dem Osten – aus. Dort wird massenweise produziert und günstig verkauft und exportiert. Alleine der litauische Anbieter „Euro mice“, nach eigenen Angaben der grösste Lieferant von Nagern in Europa, liefert monatlich (!) 800’000 Mäuse und 150’000 Ratten – gefroren – an Wiederverkäufer und Direktabnehmer weltweit.



Besonders problematisch – Lebendverfütterung

Auch die Mehrzahl in der Schweiz lebend verkaufter Futtertier-Nager wird im Ausland gezüchtet. Die Lebendfütterung, bei der Futtertiere je nach Tötungsverhalten der Reptilien langandauernde Todesängste ausstehen, ist hierzulande bis auf wenige Ausnahmen verboten. Verbreitet dürfte die Lebendfütterung illegalerweise dennoch sein. Werden lebend erworbene Futtertiere kurz vor der Verfütterung durch Privatpersonen getötet, verlangt das Gesetz Fachkenntnisse über tierschutzkonformes Töten. Es fehlen allerdings behördliche Vorgaben über den Umfang der geforderten Kenntnisse und folglich auch deren konsequente Überprüfung.

Wirtschaftliche Betrachtung inakzeptabel

Der Schweizer Tierschutz STS spricht sich nicht gegen die Haltung von Reptilien als Heimtiere aus, fordert aber von Reptilienhaltern, Futtertierimporteuren und -anbietern wie von Behörden, Futtertiere – auch Insekten – nicht nur als Nahrungsquelle für Reptilien zu sehen, sondern diese als eigenständiges Leben zu achten. Eigene Zuchten oder zumindest Schweizer Herkunft sind zu bevorzugen. Eine artgemässe Tierhaltung ist sowohl beim Züchter als auch in der Verkaufsfiliale und beim Endverbraucher unerlässlich. Wirtschaftliche Argumente bezüglich der angeblich zu teuren Schweizer Futtertiere sind nicht akzeptabel.

 

Artikel von: Schweizer Tierschutz STS
Artikelbild: © Schweizer Tierschutz STS

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