Herzschrittmacher: Kapsel unterstützt Herz von innen

12.07.2016 |  Von  |  News
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Die Kardiologen des Kantonsspitals Aarau nutzen eine neue Generation von Herzschrittmachern. Sie sind nicht grösser als eine Medikamenten-Kapsel und kommen ohne Sonde oder Draht aus. Es sind die kleinsten derzeit am Markt erhältlichen Geräte. Die Mini-Herzschrittmacher eignen sich besonders für Patienten mit Vorhofflimmern und langsamem Puls. Das Gerät sendet Impulse nur bei Bedarf.

Seit Anfang Juni werden die Herzschrittmacher (Micra® Kardiokapseln der Firma „Medtronic“) eingesetzt. „Die neue Generation bringt den Patienten entscheidende Vorteile“, erklärt Dr. med. Martin Steiner, Leitender Kardiologie.

„Der Patient spürt nichts, kann sich ungestört bewegen und darf mit weniger Entzündungen als bisher rechnen“. Herkömmliche Schrittmacher werden in einer Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeines eingebettet und messen die Herztätigkeit mittels Elektrode, die über einen Draht zum Herzen führt. An beiden Stellen können sich Bakterien ansammeln und Entzündungen auftreten.

Nur seltenste Komplikationen

Die neuen Mini-Geräte kommen ohne Gehäuse und Sonden aus, werden vom Kardiologen über eine Vene beim Oberschenkel eingeführt und direkt in der rechten Herzkammer verankert. Dazu haben sie am Kopf vier dünne Haken (siehe Bild), die sich im Gewebe festsetzen. „Ist der Herzschrittmacher einmal platziert, nimmt er seinen Dienst im Herzen auf. Dazu misst er selbständig die Herztätigkeit und sendet elektrische Impulse, wenn diese unter einen für den Patienten schädigenden Rhythmus fallen“, führt der Kardiologe aus.

Komplikationen treten gemäss Anwendungsstudien nur sehr selten auf und stehen mit der Verankerung im Herzen im Zusammenhang. Dabei kann in seltenen Fällen eine Perforation, eine Verletzung am Herzbeutel, auftreten, informiert der Leitende Arzt. Die erste Nachsorge findet nach 4 bis 6 Wochen, die zweite nach 6 bis 12 Monaten statt. Dabei wird die Kapsel von aussen mit einem Gerät kontrolliert.

Trend zur Miniaturisierung

Insgesamt haben die Schrittmacher eine Lebensdauer von durchschnittlich 10 Jahren. Die Mini-Geräte gibt es bislang nur als Einkammer-Modell. Rund ein Fünftel aller Schrittmacherpatienten brauchen ein solches und können von diesem Fortschritt profitieren. Benötigt ein Patienten einen Mehrkammer-Schrittmacher, so muss auf herkömmliche Modelle zurückgegriffen werden.

„Wir rechnen damit, dass schon bald weitere Geräte auf den Markt kommen. Die Miniaturisierung ist ein Trend, von dem die Patienten enorm profitieren“, ist Martin Steiner überzeugt.

Erläuterung zum Bild:

Drei Generationen von Herzschrittmachern (v.l.n.r.)

  • Herzschrittmacher aus den 80er-Jahren (170 g)
  • herkömmlicher Herzschrittmacher mit Gehäuse und Sonde (24 g)
  • Herzschrittmacher der neusten Generation mit vier Haken zur Verankerung (1.4 g), zum Grössenvergleich neben einer Arzneikapsel

 

Artikel von: Kantonsspital Aarau AG
Artikelbild: © Kantonsspital Aarau AG



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