3R-Pinzipien bei Tierversuchen – in der Schweiz umgesetzt

16.08.2016 |  Von  |  Tierwelt
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3R-Pinzipien bei Tierversuchen – in der Schweiz umgesetzt
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Tierversuche sind nach wie vor hoch umstritten. Trotzdem kann nicht ganz darauf verzichtet werden. Dass den Forschern, die mit Tierversuchen befasst sind, das Wohl der Versuchstiere nicht gleichgültig ist, macht der Verein „Forschung für Leben“ deutlich. Er weist darauf hin, dass in den Schweizer Tierversuchslabors die 3R-Prinzipien (replace, reduce, refine) eine hohe Akzeptanz geniessen. In der Grundlagenforschung sei der Ersatz von Tierversuchen allerdings nur sehr beschränkt möglich.

Seit Jahren werde von Tierversuchsgegnern die mangelnde Umsetzung der 3R-Prinzipien in der biomedizinischen Forschung angeprangert. Die Umfrage, die „Forschung für Leben“ zu Beginn dieses Jahres durchgeführt habe und bei der 526 Fragebogen ausgewertet worden seien, zeige jedoch ein anderes Bild.

Schonender Umgang weitgehend realisiert

Die 3R-Prinzipien, die einen möglichst schonenden Umgang mit den Tieren in den Forschungslabors vorschreiben, würden trotz gegenteiliger Behauptungen im Forschungsalltag weitgehend umgesetzt. Viele Forscher gingen sogar über die vom Gesetz vorgeschriebenen Standards hinaus. Die Anstrengungen, welche Schweizer Hochschulen bezüglich der 3R-Prinzipien unternähmen, beispielsweise in der Aus- und Weiterbildung, seien höchst erfolgreich.

Darum geht es bei den 3R-Prinzipien:

  • Replace (ersetzen): Es wird angestrebt so viele Tierversuche wie möglich durch sogenannte Alternativmethoden zu ersetzen. Eine Möglichkeit besteht darin, Versuche „in vitro“, also in Zellkulturen, durchzuführen, eine andere, über Computermodelle Versuche zu simulieren.
  • Reduce (vermindern): Es werden Techniken angewendet, die es erlauben, die Zahl der in Tierversuchen benötigten Tiere zu reduzieren, indem man zum Beispiel die statistischen Methoden, mit deren Hilfe sich die minimale Zahl der benötigten Tiere ermitteln lässt, verfeinert.
  • Refine (verbessern): Die Tiere werden unter Anwendung möglichst schonender Methoden und Einrichtungen gezüchtet, gehalten und den Tests unterzogen. Beispielsweise werden möglichst wenige überzählige Tiere gezüchtet, die Tiere werden möglichst artgerecht gehalten, und in den Versuchen selbst wird das Leiden – zum Beispiele über die Verabreichung geeigneter Schmerzmittel – minimiert.

Die Ergebnisse im Überblick

„Bei den 3R-Prinzipien handelt es sich nicht um ein statisches Regelwerk. Vielmehr werden laufend neue, verbesserte Methoden erprobt. Angesichts von zigtausenden Forschungslabors in der Welt ist es nicht erstaunlich, dass diese nicht so schnell, wie eigentlich erwünscht, den Weg in die Forschungslabors finden“, so „Forschung für Leben“ und erklärt zu den Ergebnissen der Umfrage:

„Die Umfrage belegt, dass die Forschenden die Methoden des Refinement sehr erfolgreich anwenden. Gerade deshalb besteht in diesem Bereich ein grosses Potenzial für weitere, zukünftige Verbesserungen besteht. Besonders erfolgreich sind Anstrengungen bei der Tierhaltung. Von den 338 Forschenden, die auf die entsprechende Frage konkret antworteten, gaben 83% an, dass sie die Haltungsbedingungen für ihre Tiere über das gesetzliche Minimum hinaus gestalten, oder dies gerne tun würden, wenn es die logistischen Rahmenbedingungen zuliessen.

Wenig erfolgversprechend sind die Anstrengungen, in der Grundlagenforschung Tierversuche durch Versuche in vitro oder in siliko zu ersetzen. Es wird wahrscheinlich nie möglich sein, komplexe Funktionsweisen eines dreidimensionalen Organismus mit seinen vielen verschiedenen Zelltypen und Substanzen aller Art in zweidimensionalen, kurzlebigen Zellkulturen zu erforschen.

Und Computersimulationen können nur zum Einsatz kommen, wenn ein biologischer Vorgang bereits bekannt ist. Um einen bestimmten Vorgang jedoch effektiv zu simulieren, muss der Computer mit Daten gefüttert werden, die aus dem Studium lebender Organismen gewonnen wurden. Dagegen sind vor oder in Kombination mit Tierversuchen Alternativmethoden vielfach angezeigt und hilfreich. Trotz der bislang bescheidenen Ergebnisse, ist es wichtig, dass weiter in dieser Richtung geforscht wird.



Durch Einsatz verschiedenster Instrumentarien und Methoden lässt sich die Zahl der in Versuchen benötigten Tiere vermindern. Die Effekte sind aber sehr unterschiedlich zu bewerten.“

„Forschung für Leben“ bedauert, dass nur wenige Forschende über ihre Anstrengungen zu den 3R-Prinzipien informieren. Nur so sei zu erklären, dass über vermeintlich schlimme Zustände in den Forschungslabors der Schweiz berichtet werde.

 

Artikel von: Verein „Forschung für Leben“
Artikelbild: © Janet Stephens, Wikimedia, public domain

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