Gesundheitliche Folgen der Digitalisierung im Beruf

28.09.2016 |  Von  |  News
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Laut einer Studie der Universität St. Gallen belasten die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und die ständige Erreichbarkeit im Beruf das Familienleben und wirken sich negativ auf die Gesundheit aus.

Unter dem Titel „Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten“ hat die Universität St. Gallen die Studie durchgeführt. Dazu wurden mehr als 8.000 deutsche Arbeitnehmer im Juli und August 2016 befragt. Die Untersuchung entstand im Auftrag der BARMER GEK in Kooperation mit BILD am SONNTAG. Die Deutsche Telekom ist als Projektpartner dabei.

Anlässlich der Präsentation der Studie sagte Andrea Nahles (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales: „Der digitale Wandel stellt uns vor neue Herausforderungen. Wenn wir zu guten, langfristig tragfähigen Lösungen kommen wollen, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer diese gemeinsam gestalten. Mit Optimismus und Zuversicht kommen wir da weiter, als wenn wir in Angststarre verfallen: Es gilt, neue Flexibilitätskompromisse zu verhandeln, die sowohl den Anforderungen der digitalen Arbeitswelt wie auch den familiären und gesundheitlichen Bedürfnissen der Beschäftigten Rechnung tragen. Dieses wichtige Thema treibe ich im Dialogprozess Arbeiten 4.0 weiter voran.

„Die Digitalisierung ist voll in der Erwerbsbevölkerung angekommen“, sagte Studienleiter Prof. Dr. Stephan Böhm bei der Präsentation am 27. September 2016 im Axel-Springer-Haus. Die Unterschiede zwischen einzelnen Berufen und Branchen fielen dabei eher gering aus. Spitzenreiter beim sogenannten Digitalisierungs-Score sind laut Studie IT- und naturwissenschaftliche Berufe mit 62 Prozent. Schlusslicht sind Reinigungsberufe mit immerhin noch 37 Prozent.

Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, fordert Unternehmen auf, gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung rechtzeitig entgegenzuwirken: „Digitalisierung des Arbeitslebens bietet nicht nur Chancen, falsch betrieben führt sie zu gesundheitlichen Risiken. Dem sollten Unternehmen in ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement früh entgegensteuern.“

Nach Angaben von Studienleiter Prof. Böhm geht die Digitalisierung der Arbeitswelt mit einer Reihe von Herausforderungen einher, darunter Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen sowie emotionaler Erschöpfung: „Ausserdem hängen 18 Prozent aller Konflikte zwischen Arbeit und Familie mit der Digitalisierung zusammen.“ Insgesamt 23 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich durch ihre Arbeit ausgebrannt fühlten.

Dennoch steht die Mehrheit der Befragten der Digitalisierung optimistisch gegenüber. Zwischen 51 Prozent in der Gruppe der über 60-Jährigen und 65 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen äusserten sich positiv über den digitalen Wandel. Marion Horn, Chefredakteurin BILD am SONNTAG: „Die Studie widerlegt, dass die Digitalisierung ausschliesslich bei jüngeren Erwerbstätigen ein Thema ist. Der digitale Wandel ist in allen Altersschichten und Berufsgruppen angekommen. Erfreulich ist aber, dass so viele der Befragten die Entwicklung mit Zuversicht sehen.“

Anhand des gesammelten und ausgewerteten Datenmaterials konnten die Wissenschaftler Verhaltensweisen und Rahmenbedingungen ausfindig machen, die diesen unerwünschten Begleiterscheinungen entgegenwirken: „Flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte, Sport, Verzicht auf Diensthandy und Dienstcomputer in der Freizeit und eine gute Beziehung zur Führungskraft gehen einher mit verringerten Arbeits- und Familienkonflikten sowie weniger emotionaler Erschöpfung“, so Böhm.

Vor allem Führungskräfte und jüngere Berufstätige verspüren laut Studie einen überdurchschnittlichen Digitalisierungsdruck. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Technik nimmt mit zunehmendem Alter ab: Während in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen 27 Prozent der Befragten diese Sorge umtreibt, sind es bei den über 60-Jährigen noch 12 Prozent.

Dr. Christian P. Illek, Vorstand Personal Deutsche Telekom AG: „Dieses Ergebnis bestätigt mich in meiner Auffassung, dass die Digitalisierung vor allem eine Frage der Haltung ist: Die Menschen wissen, dass wir die zunehmende Digitalisierung nicht aufhalten können. Wir werden diesen Prozess in unserem Sinne aktiv und umsichtig gestalten. Und dort, wo es Ängste und Sorgen gibt, müssen wir die Menschen begleiten und die Chancen der Digitalisierung überzeugend darstellen.“

 

Artikel von: Universität St. Gallen
Artikelbild: © PeopleImages – istockphoto.com



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