Tödliche Liebe in der Welt der Spinnen

29.09.2016 |  Von  |  Tierwelt
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Tödliche Liebe in der Welt der Spinnen
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Im Haus Australis im Baseler Zoo leben neben Kängurus noch viele andere Tiere. Darunter auch eine Gattung, die bei vielen Besuchern eine Mischung aus Schaudern und Faszination auslöst: die Rotrückenspinnen, die zur Familie der „Schwarzen Witwen“ zählen. Gefährliche Tiere – in vielerlei Hinsicht. Moment gibt es im Zolli Nachwuchs, die jungen Spinnen werden auch „Spiderlinge“ genannt.

Die männlichen Rotrückenspinnen im Zoo Basel spielen mit ihrem Leben. Wenn sie geschlechtsreife Weibchen aufsuchen, ist dies normalerweise das Letzte, was sie in ihrem Leben tun. Paarungen sind für die ca. zwanzig Mal kleineren Männchen nicht einfach, da sie optimal ins Beuteschema der Weibchen passen. Männchen müssen, wenn sie sich den Weibchen in ihrem Netz nähern, die korrekten Vibrationen erzeugen, damit das Weibchen sie nicht als Beute wahrnimmt und auffrisst.

Schaffen es die Männchen bis zum Weibchen, brechen sie sich bei der Paarung ihren Geschlechtsapparat ab, welcher im Weibchen stecken bleibt und zukünftige Paarungen verunmöglicht. Das Männchen positioniert sich dabei so, dass das Weibchen beginnt, ihn aufzufressen. Dies ist nicht weiter schlimm, das Männchen hat seinen Teil erfüllt und kann sich sicher sein, dass es der einzige Vater der Nachkommen ist.


Die Rotrückenspinne (Bild: Zoo Basel)

Die Rotrückenspinne (Bild: Zoo Basel)


Ganz nach dem Vorbild der Mutter

Das Weibchen produziert nach der Paarung Kokons, in welche sie gegen hundert Eier ablegt. Je nach Ernährungszustand und Temperatur kann ein Weibchen zwischen sechs und neun Kokons produzieren. Bei geeigneter Temperatur (um die 30 °C) schlüpfen die Jungen nach vier bis fünf Wochen. In den ersten Tagen fressen sie nichts, und bereits in den ersten beiden Wochen nach dem Schlupf fangen die grösseren Jungen an, ihre kleineren Geschwister aufzufressen.

Deshalb fangen die Tierpfleger des Zoo Basel zu diesem Zeitpunkt an, die grössten „Spiderlings“ (so nennt man die Jungen) von ihren Geschwistern zu trennen – wenn man den Zeitpunkt verpasst, überleben nur die ältesten. Die Pfleger bieten ihnen nach der Trennung kleine, flugunfähige Fliegen als Nahrung an. Auch vor ihrer Mutter müssen sich die Jungen in Acht nehmen. Wenn sie sich nicht rasch genug entfernen, frisst sie die Mutter auf.

Weibchen und Männchen wachsen unterschiedlich schnell. Weibchen brauchen vier bis sechs Monate, bis sie ausgewachsen sind, bei Männchen tritt die Geschlechtsreife bereits mit vier bis sechs Wochen ein. Bei einer Zucht muss man darauf achten, dass man immer genug geschlechtsreife Tiere hat.

Vorsicht im Umgang mit Rotrückenspinnen

Bei der Arbeit mit Rotrückenspinnen müssen die Tierpfleger des Zoo Basel besonders vorsichtig und konzentriert sein. Rotrückenspinnen sind in der Lage, mit einem Biss die menschliche Haut zu durchdringen. Ihr Gift kann erhebliche Komplikationen hervorrufen und in schlimmen Fällen sogar zum Tod führen.

Bei der Arbeit mit den Spinnen, auch mit den Jungtieren, wird deshalb pingelig darauf geachtet, dass keine Tiere entweichen können. Grundsätzlich wird immer in einer weissen Plastikwanne gearbeitet, in welcher man die Tiere gut sieht und aus welcher sie nicht entweichen können.

Die Tiere werden nicht direkt mit den Fingern berührt, sondern immer mit Pinsel, Pinzette oder Stöckchen aus Holz. Nach der Arbeit wird alles benutzte Material mit kochendem Wasser übergossen, falls doch einmal eine kleine Spinne entweichen sollte. Dies überlebt sie nicht, und die Tierpfleger können so sicherstellen, dass die Rotrückenspinnen ausschliesslich in ihren Terrarien überleben.

 

Artikel von: Zoo Basel
Artikelbild: © Zoo Basel

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