Immunsystem schützt durch Passivität

02.10.2016 |  Von  |  Gesundheit, News
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Immunsystem schützt durch Passivität
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Forscher der University of Oxford veröffentlichten in „Science Translational Medicine“ Ergebnisse einer Studie, die besagen, dass jedes zehnte Kind ein Immunsystem besitze, das eine Aids-Erkrankung verhindere. Dieses „affenähnliche“ Immunsystem würde nicht zerstört, weil es „ruhig“ bliebe.

Umdenken in der HIV-Therapie?

Eine unbehandelte HIV-Infektion tötet in der Regel 60 Prozent der Kinder innerhalb von zweieinhalb Jahren. Eine vergleichbare Infektion bei Affen endet jedoch nicht tödlich. Daher könnten die Erkenntnisse zu völlig neuen Behandlungsansätzen gegen HIV führen.

Die Forscher haben das Blut von 170 südafrikanischen Kindern mit HIV untersucht, die nie eine antiretrovirale Therapie erhalten hatten und nicht an Aids erkrankt waren.

Tests haben gezeigt, dass sie in jedem Milliliter ihres Blutes über Zehntausende HI-Viren verfügten. Normalerweise würde ihr Immunsystem darauf extrem reagieren und versuchen, die Infektion zu bekämpfen – oder sie würden einfach schwer krank werden. Das trat jedoch nicht ein.

Laut Studienautor Philip Goulder ignorierte das Immunsystem der Kinder die Viren so gut wie möglich. „Kriegführen gegen ein Virus ist in den meisten Fällen die falsche Alternative“, so der Experte. Das Nichtangreifen scheint das Immunsystem zu retten.


Baby receiving vaccine. Pediatrician giving a baby girl intramuscular injection in arm

Baby receiving vaccine. Pediatrician giving a baby girl intramuscular injection in arm


Erwachsene sind aussen vor

HIV tötet weisse Blutkörperchen. Reagieren die Abwehrmechanismen des Körpers extrem, können noch mehr davon durch chronische Infektionen zerstört werden. Laut Goulder zeigt die Studie, dass eine HIV-Erkrankung mehr mit der Reaktion des Körpers auf die Infektion als mit dem Virus zu tun hat. Die Art und Weise, wie zehn Prozent der Kinder auf das Virus reagieren, ist sehr ähnlich wie auch mehr als 40 Arten nichtmenschlicher Primaten mit SIV umgehen.

Diese Arten hatten Hunderttausende Jahre Zeit, um Möglichkeiten einer Abwehr der Infektion zu entwickeln. „Die natürliche Auslese hat in diesen Fällen funktioniert, und der Mechanismus ist dem der nicht erkrankten Kinder sehr ähnlich“, so Goulder. Diese Abwehr gegen Aids ist jedoch fast ausschliesslich auf Kinder beschränkt. Die Immunsysteme von Erwachsenen neigen dazu, bis zum Letzten gegen das Virus zu kämpfen und scheitern fast immer.

Kinder verfügen über ein relativ tolerantes Immunsystem, das erst mit zunehmendem Alter aggressiver wird. Daher verlaufen zum Beispiel auch Windpocken aufgrund der Reaktion des Immunsystems ganz anders und sind eine viel schwerere Erkrankung.

Das bedeutet aber auch, dass die durch ihr Immunsystem geschützten Kinder durch das Älterwerden einem Aids-Risiko ausgesetzt sind. Manche erkranken, andere jedoch nicht.

 

Artikel von: pressetext.redaktion
Artikelbild: © sapfirr – istockphoto.com



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