Individuelle Sozialhilfe 2015: Kosten im Kanton Bern steigen um 1 Prozent

12.12.2016 |  Von  |  Gesellschaft, News, Politik
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Individuelle Sozialhilfe 2015: Kosten im Kanton Bern steigen um 1 Prozent
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Im Kanton Bern haben 2015 46‘900 Personen Sozialhilfeleistungen bezogen. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer minim tieferen Sozialhilfequote von 4,64 Prozent (- 0,04 Prozent). Insgesamt beliefen sich die Kosten auf 450 Millionen Franken. Damit sind sie gegenüber 2014 um knapp 1 Prozent gestiegen.

Das zeigen die Ergebnisse der Sozialhilferechnung der Gemeinden und die Sozialhilfestatistik des Bundes, welche die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) in einem Bericht zusammenfasst.

Insgesamt wurden 2015 im Kanton Bern 46‘900 Personen durch die Sozialhilfe unterstützt. Dies sind 122 Personen weniger als im Vorjahr. Die Sozialhilfequote des Kantons Bern verharrt damit im Vergleich zu den anderen Kantonen in einem weit überdurchschnittlichen Bereich, obwohl die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons in den letzten Jahren nicht durch ausserordentliche Schwierigkeiten gekennzeichnet gewesen wäre.

Allerdings ist die Höhe der Sozialhilfequote innerkantonal je nach Region und Höhe der Soziallast sehr unterschiedlich. Nach wie vor stellen die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt für gering qualifizierte Personen eine grosse Herausforderung dar. Es ist für diese Personengruppe schwierig eine Arbeitsstelle zu finden. Die Problematik verschärft sich aufgrund der hohen Asylzahlen, die zu einer Einwanderung von in der Regel gering qualifizierten Personen führt.

Eine weitere Herausforderung stellt die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt von über 50-jährigen Personen dar, welche ihre Arbeitsstelle verloren haben. Die Sozialhilfestatistik 2015 des Bundesamts für Statistik zeigt, dass der Anteil der Sozialhilfebeziehenden im Alter zwischen 46 und 64 Jahren in den letzten neun Jahren stetig gestiegen ist.

Kosten der Sozialhilfe bleiben stabil

Die Nettokosten in der individuellen Sozialhilfe sind 2015 leicht gestiegen (+1 Prozent), nachdem sie 2013 und 2014 rückläufig waren. Über die letzten Jahre betrachtet sind die Kosten in der Sozialhilfe im Kanton Bern jedoch mehr oder weniger stabil geblieben. Diese Kosten tragen der Kanton und die Gesamtheit der Gemeinden über den Lastenausgleich je zur Hälfte.

Zur Stabilisierung der Kosten haben die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen der GEF und der Sozialdienste zur Steigerung der Kosteneffizienz beigetragen (z.B. Einführung Bonus-Malus-System). Weitere Anstrengungen zur Begrenzung der hohen Kosten werden jedoch nötig sein.

Anders als die Kosten der wirtschaftlichen Hilfe, sind die Personalkosten der Sozialdienste in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2015 betrugen sie rund 84 Millionen Franken. Um diese Entwicklung zu bremsen hat der Regierungsrat per 1. Januar 2017 das Abgeltungssystem geändert. Neu werden nicht mehr Stellen abgegolten, sondern bearbeitete Fälle mittels Pauschalen.

Herausforderungen durch Migrationsbewegungen

Neben der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, der immer weniger Stellen für gering qualifizierte Personen zur Verfügung stellt, werden auch die aktuellen Migrationsbewegungen die Kantone mittel- bis langfristig vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Aufgrund der hohen Attraktivität der Schweiz werden viele der Zuwandernden voraussichtlich länger in der Schweiz bleiben.

Ein relativ grosser Teil von ihnen verfügt nicht über Sprachkenntnisse und ein Ausbildungsniveau, das für eine rasche Aufnahme in den regulären Arbeitsmarkt erforderlich wäre. Es ist zu befürchten, dass viele dieser Personen während Jahrzehnten auf finanzielle Sozialhilfeunterstützung und Hilfestellungen zur beruflichen und sozialen Integration angewiesen sein werden.

Kinder und Jugendliche

Der Bericht der GEF zeigt, dass im Jahr 2015 ungefähr ein Drittel der Sozialhilfebeziehenden Kinder und Jugendliche waren. Sie bilden die grösste Gruppe aller unterstützten Personen. 28,7 Prozent der Personen über 15 Jahre, die im Kanton Bern Sozialhilfe beziehen, sind erwerbstätig. Von diesen erwerbstätigen Sozialhilfebeziehenden arbeiten 16 Prozent Vollzeit, verdienen aber dennoch zu wenig, um den Lebensunterhalt selbständig zu finanzieren (Lehrlinge nicht eingerechnet).

Kanton Bern: Kostenentwicklung der Sozialhilfe im Jahre 2015. (Quelle: Katon Bern, Gesundheits- und Fürsorgedirektion)

 

Quelle: Kanton Bern, Gesundheits- und Fürsorgedirektion
Artikelbild: © AlexLMX – Shutterstock.com

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