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Wenn „Er“ nicht zuhört…

05.04.2011 |  Von  |  Gesellschaft

„Sag mal, das habe ich dir doch schon erzählt!“ Kennen Sie diesen Satz? Er könnte in der folgenden typischen Situation fallen:

SIE sagt zu IHM: „Wir müssen jetzt noch das Geschenk kaufen.“ Daraufhin fragt ER arglos: „Für wen denn?“ Ein verhängnisvoller Fehler. Denn SIE  hat ihm das tatsächlich alles schon erzählt. Nun muss ER sich das Hirn zermartern, wann: nämlich am Vortag beim Mittagstisch. Da war ER aber mit den Gedanken längst abgeschweift. Vielleicht hat ER auch an gar nichts gedacht und wollte einfach nur essen. Also: ER hat wieder mal nicht richtig zugehört – oder IHRE Worte längst vergessen.

Redselige Frauen, schweigsame Männer

Alles nur ein Klischee? Ist es wirklich so, dass Frauen mehr reden und eher wortkarge Männer irgendwann abschalten?

Forscher wollen das jedenfalls bestätigt haben. Kursierende Zahlen besagen, dass Frauen zwischen 7000 und 30’000 Wörter pro Tag sprechen, Männer hingegen nur zwischen 2’000 und 12’000. (Allerdings gibt es auch Untersuchungen, laut denen Frauen und Männer gleich viel reden.)

Klar ist doch, dass Männer es nicht böse meinen, wenn sie nicht zuzuhören scheinen. Es ist halt die schiere Menge an Informationen, bei der Männer nicht mehr mitkommen. Und irgendwann nehmen sie dann die Worte der Frauen nur noch als vertrautes Hintergrundrauschen wahr.

Forscher erklären es so: In der Urzeit sassen die Steinzeit-Frauen um die Feuerstelle herum, versorgten ihre Kinder und kochten Essen. Dabei plauderten sie munter miteinander und konnten so den sozialen Zusammenhalt pflegen. Das alles taten sie natürlich gleichzeitig: Die weibliche Multitasking-Fähigkeit war geboren.

Derweil hockten die Steinzeit-Männer im Gebüsch und lauerten dem Mammut auf. Viel reden war nicht möglich – das hätte auch tödlich enden können –, sondern nur der Austausch knapper Informationen: So entstand der männliche Tunnelblick.

Unterschiedliche Kommunikationsstile

Und hier haben wir auch den Ursprung für unterschiedliche Kommunikationsmuster bei Frauen und Männern. Während es Männern vornehmlich um Sachinformationen geht – Stichwort: „Wo ist das Mammut?“ –, geht es Frauen vor allem um die Beziehungsebene der Kommunikation.

Da sind Männer aber eben schnell überfordert. Sie haben schon Probleme, wenn es darum geht, den Überblick über die Freundschafts- und Bekanntschaftsverhältnisse ihrer Partnerin zu bekommen. Oder wissen Sie, lieber männlicher Leser – obwohl es Ihnen ihre Partnerin sicher schon oft erzählt hat –, im Detail, wer da mit wem liiert ist? Ob Gabi nun von Klaus ein Kind bekommen hat… oder doch von Werner? Oder ob Gabis Kleiner Josef heißt – oder vielleicht doch Kurt?

Und die Lösung?

Für Frauen gilt, es den Männern bei der Konversation so einfach wie möglich zu machen: Dann klappt’s auch mit der Kommunikation. Das heisst – möglichst eine Information pro Satz, und dahinter ein dicker Punkt. Also nicht:

„Schatz, bring doch bitte den Müll raus, und dann räum doch noch die Zeitung beiseite, ja?“ Denn dann wird der wohlerzogene Göttergatte Ihnen, liebe Leserin, stolz mitteilen, dass er das mit dem Müll erledigt hat. Aber die Zeitung wird immer noch auf dem Boden liegen. Wenn Sie, liebe Leserin, ihm dann sagen „ Aber, ich habe ich dir doch gesagt…“

tja, dann sind wir wieder so weit wie am Anfang.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,492546,00.html

Titelbild: A. Reinkober / pixelio.de

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