Cybermobbing: Wo der Internet-Spass aufhört

11.04.2011 |  Von  |  Kriminalität

Das World Wide Web bietet nicht nur Spass an grenzenloser Kommunikation und ungeahnte Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen. Genauso erhalten Internet-Nutzer neue Mittel, Menschen, zu mobben, zu verleumden, an den Pranger zu stellen und psychisch fertig zu machen: Cybermobbing ist auf dem Vormarsch! Täter und Opfer sind vor allem junge Nutzer zwischen acht und 18 Jahren, aber auch Erwachsene.

Treffen kann es jeden, denn das typische Opfer gibt es nicht. Virtuelles Mobbing geschieht unter anderem in Netzwerken wie Facebook, Netlog und Myspace, in den VZ-Gruppen, in Chat-Räumen oder auf Video-Portalen. Da wird über Personen aus dem Umfeld gelästert, werden peinliche Videos und Fotos verbreitet, Gerüchte in die Welt gesetzt. Mit üblen Folgen für den Ruf des Opfers, denn was einmal im Netz steht, kann nicht oder nur schwer gelöscht werden.

Das neueste Phänomen sind fiese Webseiten, die gezielt auf Mobbing ausgerichtet sind. Für Schlagzeilen sorgte jüngst eine in den USA registrierte, in Schweden gehostete und wahrscheinlich von Berlin aus betriebene derartige Seite (ihr Name soll hier bewusst nicht genannt werden). Inzwischen ist die Plattform als jugendgefährdend indiziert und über die grossen Suchmaschinen nicht mehr auffindbar. Kritiker monieren, dass diese Massnahme die Bekanntheit der Seite nur gesteigert habe und nicht verhindern konnte, dass sie weiter aufrufbar ist. Die virtuellen Lästereien auf dieser Seite endeten bereits in handfesten Schlägereien – zum Beispiel wurde ein 17-Jähriger, der Mobbing-Täter zur Rede stellen wollte, in Berlin krankenhausreif geprügelt.

Das virtuelle Mobbing greift somit in die Welt der Betroffenen ganz real ein. In den USA und in GB gab es bereits mehrfach Fälle, in denen Opfer von Cybermobbing Suizid begangen. Spätestens hier wird deutlich, dass es sich nicht um üblen Spass, sondern um ein Feld der Netzkriminalität handelt, mit dem sich Staatsanwaltschaft und Polizei beschäftigen müssen.

Wie kann ich mich oder mein Kind gegen Cybermobbing schützen?

Im Folgenden werden Tipps und Ratschläge zusammengefasst, die Experten zum Schutz vor Cybermobbing geben:

– Möglichst wenige persönliche Daten im Netz preisgeben (am besten gar keine)

– möglichst wenige private Bilder und Videos von sich ins eigene Profil stellen (am besten gar keine); auf gar keinen Fall verfängliche Fotos öffentlich zugänglich machen

– nicht von Fremden fotografieren oder filmen lassen

– den Privatbereich des eigenen Profils schützen und nur Freunden zugänglich machen

– in sozialen Netzwerken niemals die vollständige Adresse oder die Handynummer angeben

– genau überlegen, wem man seine E-Mail-Adresse oder Handynummer gibt

– keine PINs oder Passwörter weitergeben

– vorsichtig sein gegenüber unbekannten Chattern

– im Chatroom bei Beleidigungen die Ignore- und/oder Meldefunktion nutzen

– nicht auf Mobbing-Attacken antworten

– den Internetbetreiber auffordern, diffamierende Einträge zu löschen

– belästigende Nachrichten blockieren

– den Handy-Anbieter im Notfall wechseln und einen neuen Account anlegen

– Beweismaterial (E-Mails, SMS, Videos, Einträge usw.) sammeln und sichern (z.B. per Screenshot)

– als Eltern sich für die Online-Aktivitäten Ihres Kindes interessieren

– Ihr Kind ermutigen, mit Ihnen über Probleme zu sprechen und sich Ihnen als Vertrauensperson zu öffnen

– die Schule Ihres Kindes informieren, falls Mitschüler an Mobbing-Attacken beteiligt sind

– als Jugendlicher die Eltern über Cybermobbing informieren, Erwachsene ins Vertrauen ziehen

– als betroffener Jugendlicher beim Jugendtelefon Nr. 147 der pro juventute anonym professionellen Rat holen.

– Hilfe suchen bei der kantonalen Opferhilfestelle (http://www.opferhilfe-schweiz.ch), wo auch eine Anzeige bei der Polizei angegangen werden kann.

Quellen und weiterführende Links:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,752572,00.html

http://www.20min.ch/digital/webpage/story/13545803

http://www.cyber-mobbing.ch/cyber-mobbing.html

http://www.schmid-federer.ch/pdf/Punkt.pdf

http://www.kleinreport.ch/news/poebel-plattform-soll-abgeschaltet-werden-64421.html

http://www.intern.de/internet-news/9048-isharegossipcom-erhaelt-von-der-bundespruefstelle-den-online-ritterschlag.html

http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=13895&title=Hilflose+Politik+setzt+Isharegossip+auf+den+Index&storyid=1001301063538

http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/web-mobbing-so-schuetzen-sie-ihr-kind-article1148470.html

http://www.medieninfo.bayern.de/download.asp?DownloadFileID=6d1c8239889cb09239ba0a913f6f371f

http://www.147.ch/

 

Titelbild: Marcos Mesa Sam Wordley  / shutterstock.com

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