DE | FR | IT

Wenn Kinder Vater oder Mutter töten

13.05.2011 |  Von  |  Beitrag

Eigentlich wollte Jeff Hall (32), führender US-Neonazi, als Märtyrer für seine Hassideologie sterben – gestorben ist er aber durch die Hand seines kleinen Sohnes. Polizeibeamte hatten ihn am 1. Mai erschossen in seinem Haus im kalifornischen Riverside östlich von Los Angeles aufgefunden.

Zur Tat bekannte sich Halls erst 10-jähriger Sohn – die Polizei geht von Vorsatz aus. Inzwischen muss sich der blutjunge Täter für die Tötung seines Vaters vor Gericht verantworten.

Nazi-Erziehung und Verwahrlosung

Vor allem wird zu klären sein, ob der Junge überhaupt fähig war, ein Empfinden für Gut und Böse zu entwickeln – angesichts des familiären Umfelds eine nur allzu berechtigte Frage. Jahrelang muss der Junge durch die Hasspropaganda seines Nazi-Vaters indoktriniert worden sein. Dass Halls extremistische Aktivitäten mit seinem Familienleben eng verknüpft waren, beobachtete auch der „New York-Times“-Reporter McKinley, der Hall für eine Reportage zwei Monate lang begleitete. Offenbar diente das Haus der Familie zugleich als Regionalzentrale der Organisation National Socialist Movement (NSM), für die Hall als „Sergeant und Regionaldirektor“ tätig war.

Hinzu kommt, dass der Junge laut Gerichtsakten von früh an Gewalt, familiäre Zerrüttung und Verwahrlosung erleben musste. So tobte ein schmutziger Sorgerechtsstreit zwischen Hall und der leiblichen Mutter des Jungen – beide warfen sich gegenseitig vor, den Sohn zu misshandeln. Mehrfach entzog das Jugendamt den Jungen sowie ein weiteres Geschwisterkind der Obhut der Mutter, da die Kinder vernachlässigt waren.

14-Jährige tötete Mutter wegen Internetverbot

Fälle, in denen Kinder töten, sorgen immer wieder für Aufsehen. Während es vor allem als böse Ironie zu werten ist, wenn ein Sohn seinen Nazi-Vater tötet, sind andere Fälle wirklich schockierend. Fassungslos macht zum Beispiel der Fall der 14-jährigen Angelika D., die am 13. April 2010 in Wien ihre Mutter mit einem Küchenmesser tötete. Siebenmal stach die Tochter auf die Mutter ein, als sie ihr den Rücken zukehrte.

Der banale Auslöser: Die Mutter hatte dem Mädchen das Internet verboten. Im Gerichtsverfahren wurde aufgerollt, dass das Mädchen bereits jahrelang Hassphantasien gegen ihre Mutter hegte. Sogar ein eigenes Hass-Blog hatte das Mädchen eingerichtet. Gruselig lesen sich ihre Tagebucheinträge: Das Mädchen beschreibt, wie Streitereien wegen nichtiger Dinge, z. B. „Keine Lust auf Wäsche machen, will lieber im Internet surfen“, bei ihr Tötungsgedanken auslösten.

Pubertäre Streitereien und Tötungsphantasien

„Heute hab ich zu Hause wieder mit meiner Mutter gestritten. Sie wollte, dass ich meine Wäsche wasche, aber ich hatte keine Lust dazu. Ich wollte lieber im Internet surfen. Sie hat mich dauernd gefragt, wann ich endlich die Wäsche mache, und ich habe es immer um eine Stunde nach hinten verschoben. Später war sie schon so sauer, dass sie mir eine geschmiert hat und sie schrie mich wieder an … Dann habe auch ich angefangen, sie anzuschreien. Als ich sie angeschrien habe, riss sie mir mein Notebook aus den Händen, es fiel auf den Boden, sie machte es beinahe kaputt. Da wurde ich aggressiv und prügelte auf sie ein … lieber würde ich sie umbringen, wir haben uns dann „total“ gehauen, ich habe sogar auf sie gespuckt. Dafür hat sie mich total niedergeschlagen, während dessen habe ich sie „Hure“, „F**“ und so weiter geschimpft … Echt schade, dass ich kein Messer genommen habe, um ihren Hals aufzuschlitzen.“ (Eintrag vom 10. November 2009)

Verurteilt wurde Angelika D. am Ende  zu lächerlichen 5 Jahren. Wie es ihr im Gefängnis wohl ergeht? „Heute.at“ zitierte das Mädchen bei der Berichterstattung über das Gerichtsverfahren mit den Worten: „Im Gefängnis war’s 100 Mal besser als mit der Mutter.“

 

Titelbild: Stefanie Bernecker – Pfinztal / pixelio.de

[xcatlist name="beitrag" numberposts=24 thumbnail=yes]