Sollte der Religionsunterricht abgeschafft werden?

15.08.2011 |  Von  |  Gesellschaft
Sollte der Religionsunterricht abgeschafft werden?
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Der konfessionsgebundene Religionsunterricht ist nicht mehr zeitgemäss und gehört aus den Schulen verbannt. Diese Position vertreten 34 Kandidaten aus dem Kanton Zürich, die mit der parteiübergreifenden Liste „Konfessionslose.ch – Liste für die Trennung von Kirche und Staat“ erstmals für die Nationalratswahlen im Herbst antreten.

Die Gruppe will den Bedürfnissen der wachsenden Zahl nicht-religiöser Menschen in der Schweiz gerecht werden. Mit 25 Prozent Bevölkerungsanteil stellen Konfessionslose laut Studien des Nationalen Forschungsprogramm „Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft“ die „drittgrösste religiöse Gruppierung“ in der Schweiz dar.

„Wir wollen überall dort, wo eine konservative Haltung religiös begründet ist, Gegensteuer geben“, sagt Listenführer Andreas Kyriacou, Präsident der Zürcher Freidenker und Mitglied der Grünen Partei. Das betrifft Themen wie Adoptionsrecht für Homosexuelle und Präimplantationsdiagnostik ebenso wie Sterbehilfe oder Schwangerschaftsabbruch.

Aber eben auch die Forderung nach Abschaffung des Religionsunterrichts. „Es kann nicht sein, dass in unserer weitgehend säkularisierten Gesellschaft den Kindern der Eindruck vermittelt wird, dass Religion zwingend zum Leben des Einzelnen gehört“, so Kyriacou. Das Basiswissen über Religion solle stattdessen im Geschichtsunterricht vermittelt werden.

Die Gegner des Religionsunterrichts argumentieren, dass die Schweiz kein christliches Land sei, sondern ein säkularer Staat mit christlicher Tradition. Religion sei Privatsache und solle nicht mit öffentlichen Geldern gefördert werden. Das Schulfach Religion müsse durch den Philosophieunterricht ersetzt werden, wo Konfessionslose mit Religiösen gemeinsam diskutieren können.

Befürworter des Religionsunterrichts hingegen sehen die Schweiz sehr wohl als christliches Land. Es reiche nicht aus, religiöses Wissen im Geschichtsunterricht zu vermitteln. Die Vermittlung und Bewahrung christlicher Werte sei für die Gesellschaft unverzichtbar. Dem solle auch die Schule Rechnung tragen.

Dass viele Menschen in unseren Städten tatsächlich die christliche Tradition nicht mehr kennen, zeigt auch das folgende aufschlussreiche Video (gefunden auf Youtube, es stammt vom Blogger Christof Bauernfeind). Passanten werden gefragt, ob sie wissen, was an Ostern gefeiert wird und was das christliche Fest für sie persönlich bedeutet. Da kommen Antworten wie:  „Das ist ein Fest nur für Kinder“ oder „Keine Ahnung, ich bin nicht religiös“. Wäre es nicht auch Aufgabe der Schule, solche Wissenslücken zu füllen? Ich meine: Ja! Denn wer so wenig Ahnung von der christlichen Tradition hat, wird auch einen grossen Teil der abendländischen Geschichte nicht verstehen.



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Titelbild: Margot Kessler / pixelio.de

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11 Kommentare


  1. Religion kümmert an the geistige Teil in einem Mensch. Nur intellectuele Seite an die Jugend in die Schülen zubeschäftigen bringt einfach ein zukunftige Geschlecht der ohne Werte für Leben um zuschätzen für ihr Selbst, noch keine für andere Menschen. Religionsunterricht erhöht Gewissheit sittlichen Massstäbe und moralisch verantwortungen. Kinder und Jugend bloss lesen, schreiben, Zählen zulehren lehrt ihn konsumentieren. Mit Religionsunterricht lehrt ihn mehr als oberflächig das Leben zu handlen, zu führen. Sie lehrnen tiefere Perspectiven wie und warum verantwortung zuhaben für ihr eigenes Leben und den Andere Menschen mitzuleben.

  2. Eine bis zwei Stunden pro Woche während acht Jahren, um zu lernen, dass Ostern ein ursprünglich heidnisches Fest ist? Mal ehrlich, ist das nicht etwas übertrieben?

    Die Zürcher Erfindung, das obligatorische Selektionsfach «Religion und Kultur» kommt missionarisch und weltfremd daher und wird eine juristische Prüfung vor Bundesgericht nicht überstehen. Dutzende von Millionen an Steuerfranken wurden und werden mutwillig aus dem Fenster geschleudert. Wenn schon, wäre ein Ansatz wie im Kanton Graubünden zu wählen. Dort werden auch weltlich-humanistische Lebensanschauungen vermittelt. Die müssen in Zürich wegen den Fundis, die dort am Werk waren, aussen vor bleiben.

    • Guten Tag Herr Kyriacou,

      „Eine bis zwei Stunden pro Woche während acht Jahren, um zu lernen, dass Ostern ein ursprünglich heidnisches Fest ist? Mal ehrlich, ist das nicht etwas übertrieben?“

      Im Religionsunterricht sollte gelernt werden, warum Christen Ostern feiern. Der Religionsunterricht heisst so, weil in ihm Wissen über Religion(en) vermittelt wird. Glaubensinhalte, Riten und Gebräuche, Feiertage usw. – darüber sollen die Schüler Wissen erwerben. Warum? Weil Religion weltweit immer noch ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Realität ist.

      Wir müssen an dieser Stelle also nicht über Sinn oder Unsinn der Religion diskutieren, sondern eben nur zur Kenntnis nehmen, dass (wahrscheinlich) immer noch ein Grossteil der Menschheit sich irgendeiner Religion verbunden fühlt. Dem sollte auch die Schule Rechnung tragen, indem sie entsprechendes Wissen vermittelt.

      Und ich denke nicht, dass dieses Wissen „nebenbei“ im Geschichtsunterricht angemessen vermittelt werden kann. Dazu braucht es schon ein eigenes Unterrichtsfach, genannt Religionsunterricht.

      Das, was ich oben beschrieben habe, will eigentlich auch das Fach „Religion und Kultur“ im Kanton Zürich (soweit ich das sehe). Da das Fach nichtkonfessionell angelegt ist, halte ich es auch grundsätzlich nicht für falsch, das Fach obligatorisch zu machen.

      Ich stimme zu, dass auch „weltlich-humanistische Lebensanschauungen“ in einem Religionsunterricht thematisiert werden sollten. Aber: Das Fach heisst nun mal nicht „weltlich-humanistischer“ Unterricht, sondern Religionsunterricht. Die Kernaufgabe eines solchen Unterrichts ist die, die ich oben beschrieben habe: zu vermitteln, woran religiöse Menschen glauben. Selbstverständlich ohne zu missionieren.

  3. Das Fach «Religion und Kultur» ist eine Mogelpackung. Kultur kommt nur im religiösen Korsett daher, es zeigt Rosa-Wölkchen-Versionen der Religionen und es blendet weltlich-humanistische Werte aus. Es ist daher plumper Religionsunterricht. Als Zwangsfach hat es in der Volksschule nichts zu suchen – das sichert uns auch die Bundesverfassung zu.

  4. Es wäre doch viel schöner, Feste zu feiern, die allen Menschen wirklich etwas bedeuten. Im Falle von Ostern also wieder (wie schon vor der Christianisierung) den Frühlingsanfang. Hören wir auf damit, Fassaden aufrecht zu erhalten, die zu bedeutungslosen Hüllen verkommen sind. Das ist doch im Grunde nicht ehrlich und vermutlich geht uns dabei sogar mehr verloren, als wir meinen zu schützen.

  5. Dass die “ Vereinnahmung“ der Schüler durch dien Religionsuntericht statt findet, sollte aufhören. Getauft werden sollte erst, wenn man Erwachsen ist. Dies wäre für mich Religionsfreiheit

    • „Der Religionsuntericht sollte aus den Schulen verbannt werden.“

      Für mich gehört es zum Bildungsauftrag der Schule auch dazu, religiöses Wissen zu vermitteln. Am sinnvollsten geschieht das in einem eigenen Fach „Religion“. Ein Lehrer, der religiöses Wissen vermittelt, sollte dies fundiert tun und ein Experte auf dem Gebiet sein.

      „Getauft werden sollte erst wenn man erwachsen ist.“

      Da stimme ich zu.

      • Ja, stimme ich auch zu – erst wenn man erwachsen ist sollte man sich taufen lassen…

      • „Am sinnvollsten geschieht das in einem eigenen Fach Religion.“

        Haben Sie eine Ahnung wie viel Stundenmangel für deutlich wichtigere Fächer herrscht?
        Ich bin Schülerin an einem Gymnasium in Bayern, somit muss ich meinen Abschluss in 8 statt 9 Jahren absolvieren (d.h. ca. 1300 Unterrichtsstunden weniger). Dieses Schuljahr musste ich mir anhören wie meine Englischlehrerin sich beklagte weil sie ihren Stoff nicht schaffe da ihr Englischstunden gekürzt wurden. Auch zu erwähnen ist, dass ich zwei Stunden Religionsunterricht pro Woche habe.
        Jetzt stelle ich mir die Frage: Beschäftige ich mich 90 Minuten lang mit Religion oder benutze ich die Zeit lieber um die Weltsprache zu lernen?
        Meine Antwort: Natürlich Englisch! Wer darauf besteht Religionsunterricht gelehrt zu bekommen kann dies auch außerschulisch bei christlichen Gemeinden tun!

  6. „Humanistisch-weltanschaulich neutraler Unterricht“ ist eine Illusion und Augenwischerei. Es gibt keine weltanschauliche Neutralität. Der Humanismus nimmt genauso wie der dem Christentum zugrunde liegende Theismus einige nicht beweisbare Glaubenssätze zur Grundlage, z.B. dass die menschliche Vernunft das Mass aller Dinge sei (nach zwei Weltkriegen scheint die Annahme eher lächerlich denn realistisch).

    Den Fehler, Religionslehre in einem philosophischen Allerlei-Mischmasch zu verarbeiten, machen auch nur wir Westler. Deswegen verstehen wir auch die negative Dynamik islamischer Fanatiker nicht mehr. Wir brauchen christlichen Religionsunterricht nicht in erster Linie, um die richtige Antwort auf die Osterfrage zu geben. Das wäre wieder nur leeres Worthülsen-Pauken. Nein, wir brauchen ihn um wirklich zu verstehen warum unser Abendland so ist wie es ist. Denn das Christentum ist eben keine Privatsache. Es hat Europa nachhaltig (positiv!) geprägt. Diese Wechselwirkungen zwischen Religion und Kultur bzw. Gesellschaft aufzuspüren, zeichnet m.E. wirklich guten Religionsunterricht aus.

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