Velohelmpflicht für Kinder von Verkehrskommission abgelehnt

03.11.2011 |  Von  |  Politik
Velohelmpflicht für Kinder von Verkehrskommission abgelehnt
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Sollen Kinder bis 14 Jahre in der Schweiz gesetzlich verplichtet werden, beim Velofahren einen Helm zu tragen? Der Ständerat hatte vor fünf Monaten ein solches Gesetz deutlich befürwortet. Doch die Verkehrskommission des Nationalrats sprach sich am Dienstag genauso klar dagegen aus.

Parteiübergreifend wandten sich Politiker damit gegen den gesetzlichen „Regulierungswahn“ bei der Unfallprävention. Stattdessen wollen sie lieber auf Aufklärung und Verantwortung setzen.

„Die zunehmenden Regulierungen waren sicher ein Aspekt, der zum Entscheid beigetragen hat“, sagte etwa die grüne Nationalrätin und Präsidentin des Verkehrsclubs Schweiz, Franziska Teuscher. Enttäuscht äusserte sich die Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) – seit Jahren treibende Kraft hinter dem Gesetzesvorhaben. „Damit sendet die Kommission das Signal an Eltern und Kindern, dass der Velohelm gar nicht wichtig ist“, kritisierte Daniel Menna von der Bfu.

Glücklich über den Entscheid äusserte sich der Verband Pro Velo Schweiz. „Ein Obligatorium wäre nicht praktikabel, ein bürokratischer Mehraufwand und würde viele Kinder vom Velofahren abhalten“, so Jean-François Steiert, SP-Nationalrat und Präsident des Verbands. Abzuwarten bleibt nun, ob der neue Nationalrat der Kommission folgen wird.

Was spricht tatsächlich für, was gegen eine Velohelmpflicht für Kinder? Hier ein paar Argumente beider Seiten.

PRO:

– Kinder müssen durch eine Velohelmpflicht im Strassenverkehr besser geschützt werden.

– Das Prinzip Eigenverantwortung greift bei Kindern noch nicht – die Verantwortung der Eltern reicht nicht aus, um den Schutz der Kinder im Strassenverkehr zu gewährleisten.

– Kinder dienen via Helmpflicht als Vorbilder für die Eltern – so kann auch bei Erwachsenen die Bereitschaft zum Tragen eines Velohelms erhöht werden.

– Unfälle können bei Kindern schwerwiegende gesundheitliche Folgen bis hin zur Notwendigkeit lebenslanger Pflege haben. Die Gemeinschaft hat ein Recht, Gesetze zu erlassen, um Unfall-Folgekosten zu mindern.

– Kompromisslösungen sind möglich, wie das Beispiel Österreich zeigt. Dort gibt es seit dem 1. Juni 2011 eine Helmpflicht für Radfahrer unter 12 Jahren – aber ohne Sanktionen für Eltern, wenn die Pflicht verletzt wird.

CONTRA:

– Eine Helmpflicht macht das Velofahren unattraktiver, wie auch Studien zeigen (siehe dazu den folgenden Bericht). Für Kinder vor allem ab der Pubertät gelten Velohelme als „uncool“ und lästig. Es ist verheerend, wenn Kinder vom Velofahren abgeschreckt werden, da sie ohnehin schon viel zu häufig vor dem Fernseher oder PC sitzen.

– Es gibt keinen eindeutigen Nachweis, dass Velohelme einen ausreichenden Schutz bei Unfällen liefern. Studien zeigen, dass der Rückgang der Kopfverletzungen in Ländern mit Helmobligatorium keineswegs signifikant ist (siehe dazu wiederum hier).

– Ein Obligatorium macht den Velohelm zum ständigen „Zankapfel“ zwischen Kindern und Eltern. Es ist besser, wenn Eltern ihre Kinder mit Argumenten überzeugen.

– Mehrbelastung für die Polizei: Polizisten hätten alle Hände voll zu tun, Kinder ohne Velohelm von der Strasse einzusammeln.

– Eine Helmpflicht setzt bei der Unfallprävention am falschen Hebel an. Sinnvoller sind verkehrsberuhigte Zonen und Temporeduktionen in Siedlungen, um ein velofreundliches Umfeld zu schaffen – so auch die IG Velo.

 

Titelbild: Paul-Georg Meister / pixelio.de

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2 Kommentare


  1. Nein, meiner Meinung nach soll keine Helmpflicht beim Velofahren für unter 14 jährige eingeführt werden. Ich selber bin als Kid sehr viel Velo gefahren und ich glaube, dass dies bei Helmpflicht nicht der Fall gewesen wäre. Es wäre für mich ein Grund gewesen, dass Velo zu meiden.

  2. @ lenebene
    …bin auch Deiner Meinung! Die einen anziehen wollen, können ja einen aufsetzen…

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