Kampf um Buchpreisbindung: Kampagne „JA zum Buch“ lanciert

12.01.2012 |  Von  |  Gesellschaft, Politik
Kampf um Buchpreisbindung: Kampagne „JA zum Buch“ lanciert
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Am 11. März 2012 darf das Schweizer Stimmvolk darüber abstimmen, ob die Buchpreisbindung wieder eingeführt werden soll. Betroffen von der beabsichtigten Neuregulierung des Schweizer Buchmarkts ist nicht nur der stationäre, sondern auch der Online-Buchhandel.

Unter dem Slogan „JA zum Buch“ haben Buchhändler, Autoren und Verleger nun den Abstimmungskampf eröffnet. Auf einer Medienkonferenz in Bern trugen sie ihre Argumente für fixe statt freie Buchpreise vor.

Bücher seien keine Produkte wie andere. Das Buch sei Wirtschafts- und Kulturgut zugleich, das einen besonderen Schutz verlange. Ein regulierter Buchmarkt sei im Interesse der Konsumenten, der Buchbranche und der kulturellen Vielfalt der Schweiz. Die Preisbindung sei ein effektives Werkzeug, um ein breites Sortiment ohne einen einzigen Steuerfranken zu ermöglichen. Kleine Schweizer Verlage und noch unbekannte Autoren hätten so erst eine Chance, ihre Werke zu publizieren.

Von einem deregulierten Buchmarkt würden nur Mediendiscounter und branchenfremde Detailhändler profitieren. Deren Interesse sei aber kein breites Sortiment, sondern wenige Bestsellertitel zu Dumpingpreisen anzubieten. Dagegen halte die Preisbindung die Preise über das gesamte Buchsortiment tief. Die in Folge des tiefen Euros gesenkten Listenpreise – sprich die von den Verlagen empfohlenen Preise – würden für alle Händler verbindlich. Somit würden die Preisunterschiede zum Ausland verringert, was Einkaufstourismus verhindere.

Die Nachbarländer hätten gezeigt, dass die Buchpreisbindung erfolgreich funktioniert. Enttäuschend seien hingegen die Erfahrungen in der Romandie oder auch in England, wo der deregulierte Buchmarkt nicht für Qualität und Vielfalt, sondern für hohe Preise und Monokultur gesorgt habe.

Die Befürworter der Kampagne verweisen auf eine breite politische Unterstützung durch Vertreter aus BDP, CVP, FDP, Grünen, SP und SVP. Aber auch die Stiftung für Konsumentenschutz SKS, der Verband der Autorinnen und Autoren AdS oder Gewerkschaften beteiligen sich an der Allianz.

Den Gegnern werfen die Kampagnenbefürworter vor, am Buchhandel ein neoliberales ordnungspolitisches Exempel statuieren zu wollen. Sie würden ihre Vision vom freien Markt auf dem Rücken einer soliden Schweizer KMU-Branche mit qualifizierten Arbeitskräften austragen.

Gemeint sind die Kreise, die das Referendum zustande brachten, nachdem der National- und Ständerat im Frühjahr 2011 für die Wiedereinführung der (im März 2007 aufgehobenen) Buchpreisbindung gestimmt hatten. Die Unterschriften waren durch ein überparteiliches Komitee von JSVP, Jungfreisinnigen, Piratenpartei, FDP, Exponenten der SVP, CVP und GLP gesammelt worden. Unterstützt wurde die Sammlung von der Migros und deren Tochter, dem Online-Buchhändler ex libris.

Das Hauptargument der Gegner, die unter dem Slogan „NEIN zu überteuerten Büchern“ antreten: Statt den Buchmarkt zu schützen, zementiere eine Preisbindung zu hohe Preise und schotte den Markt ab. Ein besonderer Dorn im Auge ist den Gegnern die Online-Preisbindung. Den Online-Handel mit einer Preisbarriere einengen zu wollen, sei sinnlos und bestrafe innovative Schweizer Online-Shops, so etwa Brenda Mäder, Präsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz.

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Titelbild: © Mikael Damkier – Fotolia.com



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