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Entführter Schweizer Lorenzo V.: Suche hält an

09.02.2012 |  Von  |  Beitrag

Noch immer gibt es keine Spur von dem Schweizer Lorenzo V. und seinem holländischen Begleiter Ewold H., die auf den Philippinen entführt wurden.

Eigentlich wollten die beiden Hobbyforscher im Tawi-Tawi-Archipel im Süden der Philippinen seltene Vögel beobachten. Doch nun befinden sie sich seit einer Woche in den Händen bewaffneter Geiselnehmer.

Inzwischen intensivierten das philippinische Militär und die Polizei die Suche. Hunderte von Marinesoldaten seien im Einsatz, so der Gouverneur Sadikul Sahali gegenüber dem „Philippine Daily Inquirer“. Er stehe ausserdem in ständigem Kontakt mit dem Eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) sowie mit den niederländischen Behörden. Aber auch diese Stellen hätten von den Geiseln noch nichts gehört.

Unklar ist, wer hinter der Entführung steckt. Es gebe bislang keine Forderungen, auch hätten die Entführer die Behörden bislang nicht kontaktiert, bestätigte Polizeichef Rodelio Jocson gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Es wird vermutet, dass die Entführung das Werk militanter Islamisten ist, die im Süden des Inselstaats aktiv sind. Als eine Hochburg der militanten Abu Sajaf gilt die Provinz Sulu. Den Entführern sei jedoch die Flucht dorthin durch die Marineblockade hindurch wahrscheinlich nicht gelungen, zeigte sich der Polizeichef zuversichtlich. Er vermutet die Geiseln irgendwo im Dschungel der rund 307 Inseln des Archipels. Auch zahlreiche Inselchefs seien an der Suche beteiligt.

(Urheber: Mike Gonzalez/TheCoffee / Wikimedia / GNU)

Lorenzo V. ist – wie sein holländischer Kollege – Tierpräparator von Beruf. Der 47-jährige Vater zweier Kinder aus St. Gallen arbeitet seit rund 30 Jahren in der Branche und zählt zu deren prominentesten Vertretern. Gemeinsam mit seinem Begleiter bereiste er die Philippinen, um seltene Nashornvögel zu fotografieren, wie sein Vorgesetzter bei einem Schweizer Museum berichtete.

Als sich die beiden am 1. Februar 2012 zusammen mit dem lokalen Führer Ivan Sarenas auf dem Wasserweg zur Provinzhauptstadt Bongao befanden, wurde die Gruppe plötzlich von bewaffneten Männer gestoppt und zum Umsteigen auf ein andere Boot gezwungen. Dabei konnte sich der philippinische Führer mit einem Sprung ins Wasser retten.

Der Nachrichtenagentur „AP“ schilderte Sarenas seine dramatische Flucht. Er habe die beiden Europäer zuvor informiert, diese hätten ihm viel Glück gewünscht. „Ich verdanke Ihnen mein Leben.“ Der Schweizer habe ihm ausserdem für die Flucht sein restliches Geld gegeben.

Aber auch Vorwürfe macht sich Sarenas. „Ich fühle mich schuldig und habe Bedenken wegen des Wohlergehens meiner Kameraden.“ Vorwürfe kommen auch vom Gouverneur Sahali. Sarenas habe fahrlässig gehandelt, als er die beiden in das Gebiet geführt habe, wo es bekanntlich bewaffnete Gruppen gebe. Zudem habe er keinen Schutz durch örtliche Behörden aufgeboten.

 

Titelbild: Kleomarlo / Wikimedia / Public Domain

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