Studie: Singles neigen viel stärker zu Depressionen

30.03.2012 |  Von  |  Gesellschaft
Studie: Singles neigen viel stärker zu Depressionen
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Singles haben ein um 80 Prozent erhöhtes Risiko, depressiv zu werden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen finnischen Studie, die in der Zeitschrift BMC Public Health veröffentlicht wurde.

Für ihre Untersuchung nahmen die Forscher eine repräsentative Gruppe von Finnen (1695 Männer und 1776 Frauen) im besten, arbeitsfähigen Alter zwischen 30 und 65 Jahren über sieben Jahre unter die Lupe.

Den Ausgangspunkt bildeten für die Wissenschaftler zwei Phänomene – zum einen die stetige und historisch einzigartige Zunahme der Einpersonenhaushalte, zum anderen der gleichzeitige dramatische Anstieg bei der Einnahme von Antidepressiva. Gibt es zwischen beiden Phänomenen etwa einen Zusammenhang? Und wenn ja – lässt sich dieser Zusammenhang mit sozioökonomischen und psychosozialen Faktoren erklären?

Zahl der Single-Haushalte nimmt zu – Antidepressiva-Konsum auch

Das Ergebnis der Studie lautet: Der besagte Zusammenhang existiert. Denn im Vergleich zu Menschen, die mit einem Partner zusammenleben, wiesen Alleinlebende im beobachteten Zeitraum ein zu 80 Prozent erhöhtes Risiko auf, zu Antidepressiva zu greifen. Wie es bei den Singles zur depressiven Gemütslage kommt, konnten die Forscher mittels diverser Einflussfaktoren teilweise erklären.

Dabei spielen etliche sozioökonomische sowie psychosoziale Nachteile eine Rolle, welche Singles – im Vergleich zu Menschen mit Partner – zu tragen haben. Materiell gesehen sind Alleinlebende eher mit finanziellen Engpässen, allgemein schlechteren Lebensumständen und einem erhöhten Armutsrisiko konfrontiert. Auch psychologisch birgt das Single-Leben Frustpotenzial: Alleinlebenden fehlt der emotionale Rückhalt, und es stellt sich bei ihnen eher das Gefühl der sozialen Isolation ein.

All diese negativen Einflussfaktoren trugen laut den Forschern dazu bei, dass die frustrierten Dauersingles schliesslich Antidepressiva einnahmen. Dabei fanden die Wissenschaftler auch geschlechtsspezifische Unterschiede.

Single-Frauen plagen vor allem materielle Nachteile

So schlagen den Single-Frauen eher die sozioökonomischen Nachteile (z. B. geringes Einkommen, schlechte Jobaussichten) aufs Gemüt. Single-Männer hingegen werden eher durch psychosoziale Defizite (z. B. mangelnde soziale Unterstützung, das Gefühl der Isolation) für Depressionen anfällig. Speziell bei den männlichen Singles kommt als Einflussfaktor auch der Alkoholmissbrauch hinzu.

Freut sich am Ende also über den Trend zur Single-Gesellschaft nur die Pharmaindustrie, weil depressive Dauersingles für eine satte Nachfrage nach Antidepressiva und Psychopharmaka sorgen? Folgt man den finnischen Forschern, lautet die Antwort: Ja.

Zum vollständigen Forschungsbericht

 

Titelbild: © Evgeny Atamanenko – shutterstock.com


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