Schweizer Geiseln sollen sich künftig an Befreiungskosten beteiligen

07.05.2012 |  Von  |  News
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Seit dem 17. März sind die ehemaligen Taliban-Geiseln Daniela W. (29) und David O. (32) wieder zurück in der Schweiz. Doch immer noch stehen Fragen im Raum: Wie kamen die beiden bloss auf die abenteuerliche Idee, mitten durch gefährliches Taliban-Gebiet zu reisen? Und warum soll der Schweizer Steuerzahler für die Kosten aufkommen, die durch die Befreiungsbemühungen – womöglich in Millionenhöhe – entstanden sind?

Auf die erste Frage antwortet das Berner Polizistenpaar jetzt in einem aktuellen Interview mit der SonntagsZeitung. Die Antworten der beiden Ex-Geiseln sorgen allerdings eher für Kopfschütteln, als dass sie zur Klärung beitragen. Hinsichtlich der zweiten Frage will die Politik nun eine Lösung finden: Künftig sollen Schweizer Geiseln bei riskantem Verhalten an den Kosten für die Befreiungsversuche stärker beteiligt werden.

Die Erklärungen der beiden Berner für ihre Urlaubsreise durch pakistanisches Taliban-Gebiet gehen so: Sie hätten in Pakistan keine Ferien machen wollen, sondern möglichst rasch nach Indien gelangen wollen, erläutert Daniela W. Dabei sollte es offenbar nicht nur schnell, sondern auch möglichst billig gehen. „Verschiffen war zu kompliziert und zu teuer.“

Auch die Begründung, warum das Paar die Reise-Warnungen des Aussendepartements (EDA) ignorierte, vermag nicht zu überzeugen: „Das EDA hat nur vor nicht dringenden Touristenreisen abgeraten“, so David O. Ausserdem seien die EDA-Warnungen vor Afghanistan oder Mali viel eindeutiger gewesen, wobei ja auch Kolumbien und Mexiko wegen Entführungen heikel seien, meint Daniela W.


EDA-Reisewarnungen sollten nicht nur gelesen, sondern auch beachtet werden. (Screenshot der EDA-Homepage)


Wer Risiken bei Urlaubsreisen eingeht, soll entstehende Kosten mittragen

Doch kann das als Entschuldigung für das Ignorieren der EDA-Warnung herhalten? Nein, meint CVP-Nationalrätin Kathy Riklin. „Nur weil ein Land nicht das allergefährlichste aller Länder ist, bedeutet dies nicht, dass eine Reise ohne Risiko ist“, zitiert sie der Tages-Anzeiger.  Genauso sieht das SVP-Nationalrat Andreas Aebi, Präsident der Aussenpolitischen Kommission: „Die Warnung vor Pakistan ist eindeutig genug.“ Und er ergänzt: „Wer ein derartiges Risiko eingeht, soll einen verkraftbaren Teil der Kosten tragen.“

In welcher Form Schweizer Geiseln bei riskantem Verhalten künftig an den Befreiungskosten beteiligt werden sollen, will Aussenminister Didier Burkhalter klären. Nicht verraten will das EDA, ob bereits die Berner Polizisten zur Kasse gebeten werden. Unklar ist dabei immer noch, ob nicht doch Lösegeld geflossen ist, was offiziell abgestritten wird – aber von Experten für möglich und sogar wahrscheinlich gehalten wird.

Daniela W. und David O. beharren indessen auf ihrer bereits im März geäusserten Version, ohne fremde Hilfe aus den Fängen der pakistanischen Taliban geflohen zu sein. Im genannten Interview schildern die beiden ihre filmreife Flucht in allen Details. Denkbar ist auch, dass – wie der Tages-Anzeiger spekuliert – hinter dem Rücken des Paars Zahlungen an die Taliban flossen. Möglichweise überwachten die Entführer ihre Geiseln danach weniger streng, sodass die beiden leicht fliehen konnten.

 

Oberstes Bild: © aradaphotography – shutterstock.com

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