Macht Öko-Nahrung Menschen zu egoistischen Kotzbrocken?

25.05.2012 |  Von  |  Gesellschaft
Macht Öko-Nahrung Menschen zu egoistischen Kotzbrocken?
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Schon der Anblick von Öko-Nahrung genügt, um bei Probanden eine bemerkenswerte Verwandlung hervorzurufen: Menschen fühlen sich plötzlich moralisch als was Besseres, beginnen, sich als selbstgerechte Moralrichter aufzuspielen und neigen gegenüber hilfsbedürftigen Personen zu unsozialem, egoistischem Verhalten. 

Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist das Ergebnis einer neuen wissenschaftlichen Studie. Publiziert wurde sie letzte Woche im „Journal of Social Psychological and Personality Science“. Durchgeführt hat das Experiment Kendall Eskine von der Loyola Universität in New Orleans.

Zunächst ging Eskine von der Beobachtung aus, dass Öko-Produkte oft mit Hilfe moralischer Begriffe vermarktet werden. Eskine wollte wissen, ob Menschen, die man mit Öko-Nahrung konfrontiert, sich danach folglich moralisch besser fühlen. Ausserdem wollte er prüfen, ob diese Personen anschliessend altruistischer handeln oder nicht.

Eskine und sein Team teilten hierzu 60 Leute in drei Gruppen ein. Der Gruppe 1 wurden Bilder mit Nahrung gezeigt, die deutlich als Öko-Food gekennzeichnet war. Die Gruppe 2 schaute sich Bilder mit Süssigkeiten an, während die Gruppe 3 Bilder mit neutralem Essen wie Reis, Senf oder Haferflocken betrachtete.

Selbstgerechte Haltung durch Öko-Nahrung

Nach dem Anschauen der Bilder sollte jeder Testperson kurze Geschichten lesen, die von moralischen Übertretungen erzählen – etwa über Sex zwischen (entfernten) Verwandten oder einen Ladendiebstahl. Anschliessend sollte jede Gruppe das Verhalten moralisch auf einer Skala von 1 bis 7 bewerten.

Dabei erwies sich: Die Gruppe 1 mit den Ökobildern zeigte sich am ungnädigsten und neigte zu besonders harten moralischen Urteilen – gefolgt von der Gruppe 3 (neutrales Essen). Am mildesten gestimmt war die Gruppe 2, die sich vorher Süssigkeiten angeschaut hatte.

Schliesslich wollte Eskine das Mass an sozialem Verhalten der Probanden prüfen. Dazu testete er, wie viel Zeit die drei Gruppen einem hilfsbedürftigen Fremden zu opfern bereit waren. Auch hier schnitt die Öko-Gruppe schlecht ab: Sie zeigte sich am wenigsten hilfsbereit und opferte nur 13 Minuten – verglichen mit 19 Minuten der „neutralen“ Gruppe und 24 Minuten der Süssigkeiten-Gruppe.

Moralische Lizenz zur unethischen Tat

Eskine erklärt: „Öko-Nahrung führt wohl dazu, dass sich Menschen moralisch überlegen fühlen. Das macht sie ein Stück weit zu selbstgerechten Säcken.“ Und weiter erläutert der Forscher: „Nach dem Kauf von Öko-Produkten glauben die Menschen, eine gute Tat vollbracht zu haben. Nun meinen sie, die Lizenz zu haben, sich dafür später unethisch verhalten zu dürfen.“

Das sei so, wie wenn man ein paar Meilen joggt und anschliessend selbstzufrieden meint, sich jetzt auch einen Schoggiriegel gönnen zu dürfen. Eskine hofft, in weiteren Studien zeigen zu können, unter welchen Bedingungen dieser Effekt vermieden werden kann und wie man Leute dazu bringen kann, sich anders zu verhalten.

Die vollständige Studie: Wholesome Foods and Wholesome Morals? Organic Foods Reduce Prosocial Behavior and Harshen Moral Judgments

 

Quellen: msnbc.msn.com, gehirn-und-geist.de
Oberstes Bild: © ZerohundCC BY-SA 3.0



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