Schweizer Verleger wollen Tante Google abzocken

03.12.2012 |  Von  |  News

Während in Deutschland das sogenannte Leistungsschutzrecht bereits auf dem Weg ist, kommt die unsinnige Debatte nun auch in die Schweiz. Auch hierzulande wollen die Verleger von Suchmaschinen wie Google Geld absahnen, mag die Begründung dafür auch noch so hanebüchen sein. Den Schaden tragen die Internetnutzer, die um die Freiheit des Netzes fürchten müssen.

Die Sache mit dem Leistungsschutzrecht erinnert an die Geschichte eines Menschen, dem das Wasser finanziell bis zum Hals steht und der sich plötzlich an eine reiche Tante aus Übersee erinnert. Irgendwie, denkt sich der Mensch, muss ich doch an das Geld von der Alten rankommen. Nun zimmert sich die Person noch eine dubiose Begründung zurecht, warum die reiche Tante angeblich zur Zahlung verpflichtet ist, und setzt ihr mit der Forderung „Geld her“ die Pistole auf die Brust.

So ähnlich führen sich derzeit die Presseverlage auf. Ihr Ziel: Geld von Tante Google abzocken. Das Problem der Branche sind sinkende Werbeeinnahmen. Innerhalb von 10 Jahren seien die Werbeeinnahmen der Verleger um 1 Milliarde zurückgegangen, beklagt Daniel Hammer, Generalsekretär des Westschweizer Verlegerverbands Médias Suisses. Gleichzeitig seien die Werbeeinnahmen von Google in der Schweiz auf bis zu 500 Millionen Franken pro Jahr gestiegen.

Statt nun Versäumnisse und Fehler zuallererst bei sich selbst zu suchen, behaupten die Verleger einfach, dass Geld zu Unrecht von ihnen zu Google geflossen sei. Möglich mache dies angeblich eine „Lücke“ im Urheberrecht, die Google schamlos ausnutze: Bei der Auflistung von Suchergebnissen präsentiert Google nämlich kleine Textanrisse (Snippets) der Nachrichtenseiten. Genau dadurch beute Google angeblich journalistische Leistungen aus, empören sich die Verlage. Künftig wollen sie daher für die kommerzielle Nutzung dieser Leistungen von den Suchmaschinen Lizenzgebühren verlangen.

Dass diese Forderung komplett gaga ist, sollte spätestens dann einleuchten, wenn man sich fragt, wer hier eigentlich von wem profitiert: Es sind viel stärker die Presseportale, die von Google profitieren, als dies umgekehrt der Fall ist. Denn Google versorgt die Nachrichtenseiten mit wertvollem Traffic, ohne den die Portale aufgeschmissen wären. Lizenzgebühren von Google für die Indexierung von Webinhalten zu verlangen – das ist so, als würde ein Restaurantbesitzer Geld von einem Taxiunternehmen fordern, weil es ihm Kunden zuführt.

Dass die Situation widersinnig ist, gibt sogar Hanspeter Lebrument, Präsident des Verlegerverbandes Schweizer Medien, zu. „Es ist tatsächlich eine schizophrene Situation, dass uns Google auch den nötigen Traffic bringt.“ Den Beweis für die stark einseitige Abhängigkeit der Verlage von Google erbringt Lebrument schliesslich selbst. So hätten die Verleger vor einigen Jahren darüber diskutiert, freiwillig auf die Erfassung durch Google zu verzichten – die Idee aber verworfen. Warum, ist klar: Weil die Presseportale Google für den Traffic dringend brauchen und sich einen Verzicht auf die Erfassung durch die Suchmaschinen gar nicht leisten könnten.

Das Ansinnen der Verleger kommen demnach einem Schildbürgerstreich gleich, bei dem derjenige, der am meisten von einer Leistung profitiert, dafür auch noch Geld kassieren möchte. Das Nachsehen haben am Ende die Internetnutzer, die durch die installierte Internetmaut unter dem Namen „Leistungsschutzrecht“ nicht mehr frei nach Inhalten im Netz recherchieren dürfen.

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