.aawp .aawp-tb__row--highlight{background-color:#256aaf}.aawp .aawp-tb__row--highlight{color:#fff}.aawp .aawp-tb__row--highlight a{color:#fff}

Wie viel Zuwanderung verkraftet die Schweiz?

12.10.2013 |  Von  |  Gesellschaft, Politik
Täglich auf dem Laufenden mit dem polizei.news Newsletter!

Kürzlich hat Bundespräsident Ueli Maurer vor weiterhin starker Zuwanderung in die Schweiz gewarnt. Er spricht damit aus, was vielen Schweizern auf der Seele brennt: die Angst vor dem Verlust der Originalität und Eigenständigkeit ihres Landes.

Sind das nur die Befürchtungen von Traditionalisten und Xenophoben, oder stecken dahinter handfeste Argumente? Die Antwort fällt nicht leicht und hängt davon ab, was die Schweiz für ein Land werden will.

„Wir dürfen nicht die Augen davor verschliessen, dass die Zuwanderung, wie wir sie in den letzten Jahren hatten, weder mengenmässig noch kulturell auf Dauer zu verkraften ist“ sagte Maurer in einem Interview mit der „Schweiz am Sonntag“. Dabei beruft er sich auf symbolträchtige Aktionen der Schweizer Bevölkerung wie das Ja zum Burka-Verbot im Tessin Ende September. Sogar von traditionell liberal eingestellter grüner Seite gebe es deutliche Regungen gegen noch mehr Zuwanderung, so Maurer. Das beweise die Ecopop-Initiative.

Während die Ecopop-Initianten ökologisch argumentieren – ungeachtet der Tatsache, dass ein Zuwanderungsstopp für die Schweiz die Probleme nur verlagert – sieht Maurer die Schwierigkeit in der steigenden Überfremdung der Schweiz. Es geht also um die Kultur der Schweiz und wie viel „Fremdes“ sie verkraftet. Doch was ist eigentlich „Schweizer Kultur“? Und wie kann sie „überfremden“? Geht das überhaupt, oder ist das nur ein vorgeschobenes Argument, um sich nicht der Herausforderung der Integration zu stellen?

Die Schweiz ist ein besonderes Land. Entgegen jeder Erwartung hat sie sich durch die letzten 100 Jahre hindurch aussenpolitische Neutralität bewahrt – und das trotz des Drucks (oder Sogs?) einer immer mächtiger werdenden EU, von der die Schweiz komplett umgeben ist. Innenpolitisch ist das Schweizer Modell weiterhin beispiellos: Nirgendwo sonst in Europa haben die Bürger so viele Mitbestimmungsrechte und Möglichkeiten der Einflussnahme. Und das in einem Land, in dem auf der Grösse Bayerns vier verschiedene Sprachen gesprochen werden und dementsprechend unterschiedliche kulturelle (wie auch meteorologische) Klimata herrschen.

Um diesen Status Quo zu erreichen, musste die Schweiz einen langen, oft steinigen und manchmal blutigen Weg des Kampfes um Wahrheit und Freiheit gehen. Wer sich in der Schweiz integrieren will, muss diese Geschichte zu seiner machen – sonst versteht und wertschätzt er die Errungenschaften nicht, die er geniesst. Insofern hat Ueli Maurer recht: Würde die Schweiz von Einwanderern überschwemmt, die nur die Vorzüge des Landes sehen, aber nicht deren Grundlagen, hätte die Gesellschaft ein Problem. Aber muss das so kommen? In den USA hat die Integration von Menschen unterschiedlichsten Hintergrunds ja auch (weitgehend) geklappt – sie alle verband ein gewisser „American spirit“, ein Wissen um die Möglichkeiten, aber auch die Pflichten, die ein Leben in Amerika mit sich bringt. Könnte nicht die Schweiz ihre Swissness zur „Corporate Identity“ machen, zu der sich alle Immigranten bekennen und die sie verinnerlichen müssen?



Denn Zuwanderung per se ist nicht schlecht. Wie Thomas Rühl von der Crédit Suisse anmerkt, machen Migranten die Schweiz wortwörtlich schlauer. Im Raum Genf etwa stellen die Ausländer ein Viertel aller hochqualifizierten Fachkräfte, gesamtschweizerisch betrachtet immer noch 17 Prozent. Und genau hier liegt ein weiterer Knackpunkt. Wer in ein Land kommt, sollte ihm etwas zu geben haben, und nicht nur in einer Nehmerhaltung auftreten. Als Beispiel kann man hier wieder die USA anführen. Die meisten Einwanderer zeichneten sich durch harte und oft auch kreative Arbeit aus, die das ganze Land zu dem machten, was es heute ist. Dabei geht es nicht nur um High Potentials oder Young Professionals. Auch einfache Arbeiter haben ihren Platz. Wenn sie sich entsprechend einbringen wollen.

Die Schweiz hat es nicht leicht im Spannungsdreieck von Bürgerängsten, wirtschaftlichen Interessen und EU-Verträgen. Sie soll – sie muss – darin ihren eigenen Weg finden, der ihre Selbstständigkeit erhält und sie trotzdem nicht unnötig nach aussen hin abschottet. Sie sollte offen für Fremde sein, denn auch das ist Teil der Schweizer Kultur. Oder ist Xherdan Shaqiri, der jetzt die Nati zur WM geschossen hat, etwa nicht Schweizer? Auf der anderen Seite muss sie eine klare Bedingung an all jene stellen, die dauerhaft in ihr leben wollen: Unsere Nation hat etwas, das sie im Kern ausmacht. Wem das nicht gefällt, sucht sein Glück vielleicht besser woanders.

Titelbild: © Schlierner – Fotolia

Täglich auf dem Laufenden mit dem polizei.news Newsletter!


    Trackbacks

    1. Warum Masseneinwanderung der Schweiz nicht gut tut – Einwanderung in Massen aber schon | newsbloggers

    Ihr Kommentar zu:

    Wie viel Zuwanderung verkraftet die Schweiz?

    Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.