Hintergründe der Ukraine-Krise: was in den Medien kaum gesagt wird

18.04.2014 |  Von  |  Politik, Weltgeschehen
Hintergründe der Ukraine-Krise:  was in den Medien kaum gesagt wird
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[vc_row][vc_column][vc_column_text]Die Krise in der Ukraine wird in westlichen Medien generell als Tauziehen zwischen der „guten“, demokratischen EU mitsamt den Amerikanern und dem „bösen“, imperialistischen Russland dargestellt. Dass die Sache differenzierter zu betrachten ist, zeigen Aussagen Wladimir Putins und eines ehemaligen deutschen Verteidigungspolitikers sowie geopolitische Überlegungen.

Russland als systematisch gemobbter Staat, westliche Energie- und Saatgutkonzerne mit Interessen in der Ukraine und amerikanische Kriegstreiberei: solche Informationen sind selten in der Mainstream-Berichterstattung. Ohne Russland verteidigen zu wollen: die Selbstdarstellung des Westens in der Sache trägt einige Widersprüche in sich.

Bereits am 18. März 2014 hielt Russlands Präsident Wladimir Putin eine Rede vor politischen Vertretern Russlands und der neu ausgerufenen Republik Krim. Darin offenbarte er einige interessante politische Details.

Er stellte u.a. heraus, dass der Westen in Sachen Abspaltung unabhängiger Republiken aus einem Mutterstaat mit zweierlei Mass messe. So hatten die westlichen Staaten kein Problem damit, die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien anzuerkennen, obwohl diese Abspaltung willkürlich war. Anders bewerten die EU und die USA den Anschluss der Krim an Russland. Putin meint, dass diese Sichtweise ungerechtfertigt sei, da die Krim-Führer völkerrechtlich korrekt gehandelt hätten: „Bei der Unabhängigkeitserklärung und der Ausrufung eines Referendums hat der Oberste Rat der Krim sich auf die UN-Charta berufen, in der davon die Rede ist, dass eine Nation über Selbstbestimmungsrecht verfügt. Übrigens hat die Ukraine selbst sich textlich fast identisch darauf berufen, als sie aus der UdSSR ausschied – das sei angemerkt. Die Ukraine nahm dieses Recht für sich in Anspruch [ohne Volksabstimmung, d. Red.], und den Einwohnern der Krim wird es verwehrt. Aus welchem Grund…?“

Laut Putin habe Russland immer wieder versucht, mit dem Westen Kooperationen in weltpolitischen Fragen aufzubauen, doch: „Wir wurden Mal um Mal betrogen, es wurden Entscheidungen hinter unserem Rücken getroffen, man stellte uns vor vollendete Tatsachen. So war es mit der Nato-Osterweiterung, mit der Installation von militärischer Infrastruktur an unseren Grenzen. Uns wurde  immer ein und dasselbe erzählt: ‚Na, das hat mit euch nichts zu tun‘…Kurz: Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass die sprichwörtliche Eindämmungspolitik gegen Russland, die sowohl im 18., im 19. und im 20. Jahrhundert betrieben wurde, auch heute noch fortgeführt wird.“

Putin wehrte sich auch gegen den Vorwurf, Russland betreibe eine imperialistische Politik mit gleichzeitiger Kooperationsverweigerung: „Übrigens sind wir nicht gegen eine Zusammenarbeit mit der Nato, ganz und gar nicht. Wir sind dagegen, dass eine Militärallianz – und die Nato ist und bleibt bei allen internen Prozessen immer noch eine Militärallianz – vor unserem Zaun, an unserem Haus und auf unserem historischen Territorium das Sagen hätte.“

Öl, Gas und Schwarzerde: Interessen des Westens in der Ukraine

Nun mag man Putin Voreingenommenheit unterstellen und zu einem gewissen Grad auch Recht behalten (schliesslich muss und darf er als Landesvater die Interessen seiner Nation auch verteidigen). Den Fehler, seine Aussagen als blosse prorussische Propaganda abzutun, sollte man jedoch nicht machen.

Denn einige Fakten – wohlgemerkt, es handelt sich um nachprüfbare Tatsachen – sprechen dafür, dass der Westen in der Ukraine ganz andere Interessen verfolgt als die Bildung einer oligarchenfreien Demokratie.

Die Ukraine gehört nämlich aufgrund ihrer sogenannten „Schwarzerde“ zu den fruchtbarsten Ländern der Erde. Schwarzerde ist ein besonderer, dunkler Humus, der sehr nährstoffreich ist. Von den weltweiten Schwarzerde-Vorkommen hält die Ukraine etwa 30 Prozent. Aufgrund dieses hervorragenden Bodens geben ukrainische Äcker hohe Erträge (60 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr). Das weckt Begehrlichkeiten bei internationalen Agrar- und Saatgutkonzernen. Unternehmen wie Monsanto kaufen weltweit die fruchtbarsten Landstriche, um darauf ihre gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen. Die starken personellen Verflechtungen zwischen Monsanto und der US-Regierung machen es den Lobbyisten leicht, Einfluss auf den Kurs der US-Aussenpolitik zu nehmen.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_video link=“https://www.youtube.com/watch?v=uMo4ElEoubA“][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Zum anderen haben die geopolitischen Schachzüge der USA in den letzten Jahren immer mit fossilen Brennstoffen zu tun gehabt – eigentlich ein offenes Geheimnis. Da waren die zwei Irak-Kriege, der Einsatz in Libyen, da ist der Syrien-Bürgerkrieg und die fragwürdige Rolle des Westens darin. Auch die EU hat mit Griechenland in dieser Hinsicht „Dreck am Stecken“. Und nun die Ukraine. Sie selbst hat kaum Erdgas- und Erdölvorkommen (zumindest keine erschlossenen), ist aber Durchgangsland für Gaspipelines nach Europa. Überraschend klar heisst es in einem vom US-Aussenministerium geförderten Bericht: „Es wird immer deutlicher wahrgenommen, dass die Ukraine in dem entstehenden Kampf zur Vorherrschaft über die Energietransportkorridore, die die Öl- und Gasreserven des Kaspischen Beckens mit den europäischen Märkten verbinden, von entscheidender Bedeutung ist.“

Die Versorgung mit fossilen Brennstoffen bildet immer noch die Hauptschlagader der US-Wirtschaft, die im Grossen und Ganzen immer noch wie ein Moloch Ressourcen frisst und von Nachhaltigkeit nichts wissen will. Nun klinken sich nach und nach die US-Ölkonzerne in der Ukraine ein: Esso ist bereits dort, Chevron wird bald nachziehen. Durch die Erschliessung von Gasfeldern auf eigenem Territorium soll die Ukraine unabhängig von russischen Gasimporten gemacht und somit die Vormachtstellung Moskaus in der Region gebrochen werden.

Willy Wimmer: „USA bringen den Krieg nach Europa zurück“

Willy Wimmer (70) war von 1976 bis 2009 CDU-Abgeordneter im deutschen Bundestag und von 1988 bis 1992 unter Helmut Kohl Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium. In einem Interview mit dem deutschen Zweig des Iranischen Radios machte er Ende Februar auf hierzulande kaum bekannte Hintergründe des Ukraine-Konflikts aufmerksam.

Wimmer zufolge seien die USA nicht an einem vereinten und kooperierenden Europa interessiert, weil dies ihre Rolle als alleinige Supermacht gefährden könnte. Ihr Rezept: andere Staaten mit Krieg überziehen oder dazu anstacheln, um sie zu destabilisieren. Tatsächlich hatte Anfang der 90er Jahre Zbigniew Brzezinski, damals US-Sicherheitsberater, gefordert, es dürfe nur eine Supermacht geben: die USA. In dieses Schema der Destabilisierung passen laut Wimmer etwa der Jugoslawienkrieg von 1999 oder jetzt die Situation in der Ukraine. Diese sei eigentlich dank des Einsatzes von Schweizer Diplomaten schon gelöst gewesen, bevor möglicherweise durch die USA finanzierte NGOs (Nichtregierungsorganisationen) für eine Eskalation der Proteste auf dem Maidan in Kiew sorgten. Konkret führt Wimmer hier die Stiftung National Endowment for Democracy (NED) an. Auch die deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung mit ihrem „Agenten“ Wladimir Klitschko scheint involviert zu sein. Kein Wunder, dass im vergangenen Jahr Wladimir Putin eine Verschärfung im Umgang mit NGOs durchsetzte. Und natürlich vom Westen empörte Rügen über die „Demokratiefeindlichkeit“ des Landes kassierte.

 

Titelbild: Ol’ga Sabo – shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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2 Kommentare


  1. Klassische prorussische Propaganda. Die Russen brauchen Eure Unterstützung nicht, die können sich selber helfen. Und die Ukrainer sind Euch wohl Wurst.

    • Es geht aber nicht darum, dass die Ukraine keine Hilfe braucht. Natürlich braucht sie sie. Aber der Westen ist keineswegs so scheinheilig, wie er immer tut. Von wegen Demokratie und Menschenrechte. Wäre schön, wenn das dem Westen nicht Wurst wäre. Aber die Fakten deuten leider eher darauf hin, dass es um Rohstoffe und Geopolitik geht.
      Ich bin auch kein Russland-Fan und russische Propaganda liegt mir völlig fern.

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  1. business24 › Russland macht Druck mit Gas – jetzt antwortet der Westen

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