Karfreitag: Jerusalemer Erinnerungsstätten liegen meist nicht an Originalschauplätzen

18.04.2014 |  Von  |  Allgemein, Gesellschaft
Karfreitag: Jerusalemer Erinnerungsstätten liegen meist nicht an Originalschauplätzen
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[vc_row][vc_column][vc_column_text]Karfreitag ist einer der wichtigsten christlichen Feiertage. Viele Pilger suchen gerade heute am Schauplatz der Kreuzigung Jesu nach Vertiefung ihres Glaubens, indem sie Jesu Leidensweg auch räumlich mitverfolgen. Ein deutscher Archäologe macht jetzt darauf aufmerksam, dass sich die Erinnerungsstätten oft nicht mit den Originalschauplätzen decken.

Prof. Dieter Vieweger ist Direktor des Biblisch-Archäologischen Instituts Wuppertal und leitet das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jerusalem (Israel) und Amman (Jordanien). In einem Interview mit dem Deutschlandradio Kultur (Berlin) erklärte er zum Beispiel, warum Jesus wahrscheinlich nicht die jetzige Via Dolorosa entlangging.

Auch das Grab Jesu sei vermutlich nicht unter der heutigen Grabeskirche zu finden, so der Archäologe und evangelische Theologe. In deren Umfeld habe man antike Gräber gefunden, die allerdings zur Zeit Jesu keine Besonderheit darstellten. Auch der Garten Gethsemane lasse nicht nicht zweifelsfrei lokalisieren. Vieweger: „Wir laufen heute 14 Meter über dem Niveau, auf dem Jesus gelaufen ist.“ Die häufige Umgestaltung Jerusalems während seiner bewegten Geschichte mache archäologische Rekonstruktionen bisweilen sehr schwierig.

Relativ sicher könne man sich aber bei der Kreuzigungsstätte Golgatha sein, so Prof. Vieweger. Archäologen haben nach seinen Angaben unter der Grabeskirche eine Felsnase gefunden, der sich durch einen ehemaligen Steinbruch ziehe. Das könne und müsse man als Golgatha bezeichnen. Insgesamt, so Vieweger, können Gläubige aber dennoch ihren Glauben durch eine Pilgerreise nach Jerusalem vertiefen. Man könne auch die „falsche“ Via Dolorosa „mit Inbrunst“ laufen und dabei an Jesu Kreuzestod denken.

Ungewöhnlicher Jesus-Film für Juden

Jesus war Jude, das steht ausser Zweifel. Die meisten Juden sehen ihn jedoch nicht als Messias (Maschiach) an, sondern bestenfalls als gewöhnlichen Rabbi. Messianische Juden, das sind Juden, die an Jesus (Jeschua) als den Messias glauben, möchten die Osterzeit nutzen, ihren Volksgenossen den Opfertod Jesu am Kreuz nahezubringen. Die Organisation „Jews for Jesus“ hat dafür einen dreieinhalb Minuten langen Film produziert, der einen Bogen vom Holocaust (hebr. Shoa) zu Jesus hin schlägt. Jesus werde fälschlicherweise eher mit den „christlichen“ SS-Schergen in Verbindung gebracht als mit den Opfern – dabei sei er ebenfalls Jude gewesen und wäre genauso vergast worden, hätte er zur Nazizeit in Europa gelebt.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_video link=“https://www.youtube.com/watch?v=ZXmr_weg2ao#t=163″][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Unterdessen gedenken Christen auch ausserhalb Jerusalems des Kreuzestodes Jesu. In Rom wusch Papst Franziskus zwölf behinderten Menschen, darunter einem Muslim, die Füsse – eine Anspielung auf die Fusswaschung, die Jesus seinen Jüngern kurz vor der Kreuzigung angedeihen liess – und stellte die Bedeutung der Nächstenliebe heraus. Eine besonders blutige Art und Weise des Kreuzesgedenkens findet sich auf den Philippinen. Dort lassen sich Katholiken am Karfreitag tatsächlich an ein Holzkreuz nageln. Sie wollen dadurch die Leiden Jesu besser nachempfinden. Die Aktion wird von der Kirche missbilligt.

 

Titelbild: Die Via Dolorosa soll Jesus Christus das Kreuz entlanggetragen habe. (© Flik47 – shutterstock.com)[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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