Lehrerverband: Pädophilen-Initiative „unverhältnismässig“

23.04.2014 |  Von  |  Gesellschaft, Kriminalität, Politik
Lehrerverband: Pädophilen-Initiative
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Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hat sich gegen die Pädophilen-Initiative ausgesprochen. Diese sei schwierig in der Umsetzung, unverhältnismässig und bringe keinen zusätzlichen Schutz.

Ein lebenslanges Berufsverbot für die Arbeit mit Kindern sieht die von Marche Blanche lancierte Initiative vor. Die Lehrerinnen und Lehrer sehen darin grosse Probleme für ihren Berufsalltag.

Das Hautproblem sieht der Lehrerverband darin begründet, dass an weiterführenden Schulen, insbesondere an Gymnasien, bereits viele Schüler volljährig seien. Falls sie sich pädosexuell vergingen, könnten sie nach dem Willen der Initiative weder Lehrer noch Erzieher werden. Die volle Härte der Strafe würde jeden Volljährigen, also bereits gerade 18 Jahre alt Gewordene, treffen. Ein 18-jähriger Schüler, der mit einer 15-jährigen Schülerin (einvernehmlichen) Sex hat, gilt nach dieser Definition bereits als Pädosexueller.

Lehrer als Anstandswauwau

In der Folge müssten die Lehrer zusehen, dass solche Beziehungen innerhalb ihres Einflussbereichs nicht zustande kommen. Schliesslich möchten die Pädagogen nicht, dass sich ihre Schützlinge durch eine „Jugendsünde“ das ganze Berufsleben vermasseln. Statt verantwortungsvolle Sexualität zu lehren, müssten die Lehrer – da sie sich quasi dazu gezwungen sähen – den Anstandswauwau spielen.

„Unverhältnismässig“ nennt deshalb der Lehrerverband die Pädophilen-Initiative. Sie bringe auch keinen zusätzlichen Schutz im Vergleich zur aktuellen Situation, da bereits jetzt pädokriminelle Lehrpersonen auf die schwarze Liste der Erziehungsdirektion gesetzt würden. Auch hier sei die Folge Berufsverbot.

Tatsächlich ist an der Pädophilen-Initiative als problematisch zu werten, dass sie keinerlei Ermessensspielraum lässt; der oben geschilderte Fall einer Jugendliebe verdeutlicht dies. Eine juristische Differenzierung der Fälle in verschiedene Schweregrade ist nicht möglich, und dementsprechend auch keine Abstufung des Berufsverbots. Der 18-jährige Mädchenschwarm würde dann genauso behandelt wie der 45-jährige Mann, der seine Stellung als Erzieher kontinuierlich und systematische ausnutzt, um Kinder zu missbrauchen.

Deutliches Zeichen an eine schwache Politik

Um die Initiative richtig zu verstehen, muss man sich ihre Entstehung vor Augen führen. Sie entstand aus dem Frust darüber, dass die Politik ausser grossen Worten nichts tut gegen Sexualstraftäter, die zum wiederholten Male straffällig werden. Dass ein Pädophiler nach Absitzen der Haftstrafe wieder in einem Beruf mit Kindern arbeiten kann, ist für die Initianten unfassbar. Ihr Anliegen mündete in ein deutliches Zeichen, das aber wohl in dieser Form über das Ziel hinausschiesst.

Gleichwohl geniesst die Pädophilen-Initiative hohes Ansehen in der Bevölkerung. Jüngst sprachen sich 74 Prozent dafür aus. Am 18. Mai wird darüber abgestimmt. In jedem Fall wird die Pädophilen-Initiative ein deutliches Zeichen gesetzt haben dafür, dass Pädophilie äusserst ernst genommen werden muss und die Straftäter nicht „in Watte gepackt“ werden dürfen – zum Schutze unserer Kinder. Die FDP beispielsweise hat sich im Zuge der Initiative um einen Gegenvorschlag bemüht. Es bewegt sich also was.

 

Titelbild: Photographee.eu / shutterstock.com

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