Hintergrund: Warum die EZB eine Billion Euro drucken will

22.05.2014 |  Von  |  Politik, Weltgeschehen
Hintergrund: Warum die EZB eine Billion Euro drucken will
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[vc_row][vc_column][vc_column_text]1’000’000’000’000 Euro – um diese unvorstellbar grosse Summe will die EZB (Europäische Zentralbank) die Geldsumme in Europa erhöhen, wenn nötig auch jährlich. Lesen Sie, was hinter dieser Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi angeblich steckt – und was tatsächlich.

Das Mandat der EZB sieht eigentlich vor, den Euro als stabile Währung zu konsolidieren. Dazu gehört auch, von Zeit zu Zeit die Druckerpresse anzuwerfen und die Inflation massvoll anzukurbeln. Doch was die EZB nun vorhat, kommt einer schleichenden Enteignung der Bürger gleich.

Nach Medienberichten hat die EZB vor, im grossen Umfang Staatsanleihen und Wertpapiere zu kaufen. Das kann sie als Zentralbank einfach dadurch tun, dass sie neues Geld „erschafft“, also entweder physisch auf Papier druckt oder zumindest digital ins Geldsystem einbucht.

Eine Billion Euro – um diese Summe geht es. Für diesen Betrag möchte also die EZB einkaufen gehen. Nach Medienberichten soll dies dazu dienen, die Inflation anzukurbeln. Denn Inflation ist in einem auf Wachstum ausgelegten Wirtschafssystem etwas ganz Normales: Wächst die Menge der vorhandenen Güter und Dienstleistungen, muss auch die Geldmenge wachsen. In der Regel spricht man hier – zumindest offiziell – von Inflationsraten zwischen ein und zwei Prozent jährlich.

Warum Inflation sein muss

Während Inflation entgegen ihrem schlechten Ruf also sein muss, ist ihr Gegenteil. die Deflation, ein gefürchtetes Phänomen. Hier wächst das Bruttoinlandsprodukt schneller als die Geldmenge, mit der Folge dass das Geld an Kaufkraft gewinnt. Dann setzt die menschliche Psyche ein. Eigentlich sollte man meinen, dass bei sinkenden Preisen mehr gekauft wird, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Investoren mit den grössten Volumina, allen voran grosse Unternehmen, Finanzhäuser und reiche Privatinvestoren, fangen zu zocken an und spekulieren auf weiterhin fallende Preise. Heisst: Sie verschieben ihre Investitionen auf später, weil sie dann eventuell noch günstiger wegkommen. Wenn jedoch weniger investiert wird, bedeutet das Abschwung, Arbeitslosigkeit, sinkende Steuern, höhere Staatsausgaben.

Dann lieber präventiv eine Deflation abwenden. Doch die drohe gar nicht, meint EZB-Präsident Mario Draghi: „Unsere Projektionen zeigen, dass unsere Inflationsraten nicht weiter sinken und schrittweise in Richtung zwei Prozent bis Ende 2016 steigen dürften.“ Warum aber will dann die EZB so massiv in den Geldkreislauf eingreifen?

Man sollte sich hierzu vor Augen führen, dass Draghi vor seiner Tätigkeit bei der EZB Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs war. In diesem Sinne ist er mit den Interessen eines privaten Geldhauses sehr gut vertraut. Die Investmentbanken sind denn auch die grössten Gewinner, wenn die EZB ihre Ankündigung in die Tat umsetzt.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_video link=“https://www.youtube.com/watch?v=0H_3dN7s1z8″][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Übermässige Inflation nützt Krisenstaaten

Denn wem nützt es, wenn die Inflation über das natürliche Mass hinaus gesteigert wird? Zunächst einmal den südeuropäischen Krisenstaaten. Durch Aufkauf ihrer Staatsanleihen durch die EZB schütteln sie einen Teil ihrer Schulden vorerst ab und können sich aufgrund ihres dadurch besseren Ratings wieder Geld am freien Kapitalmarkt besorgen – tatsächlich lauteten so einige der „Erfolgsmeldungen“ der letzten Wochen. Der Druck zu nachhaltigen Reformen sinkt, die eigentlich insolventen Länder werden am Tropf der EZB finanziell am Leben erhalten. Eine klassische Insolvenzverschleppung.

Griechenland ist uns allen noch als mahnendes Beispiel vor Augen, da ziehen am Horizont die nächsten, weitaus schlimmeren dunklen Schuldenwolken herauf. Ihre Namen: Frankreich und Italien. Während in Italien Reformen zur Stabilisierung von Wirtschaft und Finanzen halbwegs gut vorankommen, ist davon in Frankreich nichts zu spüren. 2013 lag die Neuverschuldung des Landes bei 90 Milliarden Euro. Hollande lebt, als hätte es nie eine Euro-Krise gegeben, und die starken Gewerkschaften des Landes blockieren jede Reform des Arbeits- und Rentenrechts.

Während so den Krisenstaaten der Biss in den sauren Apfel erspart bleibt, freuen sich die Spekulanten. Sie profitieren von den immer noch hohen Zinsen der südeuropäischen Staatsanleihen, haben aber eine praktisch unbeschränkte Einlagensicherung. Denn im Hintergrund haften alle Euro-Staaten, allen voran Deutschland, per ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) füreinander, mit einer Gesamtsumme von 780 Milliarden Euro. Geht einer pleite, springen die anderen ein.

Der ESM reicht nicht aus

Damit sollte doch alles klar sein? Warum dann die gezielte Stützung der Krisenstaaten durch das Gelddrucken? Die Antwort kann eigentlich nur lauten: weil die EZB das Scheitern des ESM bereits absieht. 780 Milliarden reichen nicht. 1000 Milliarden müssen her. Und zwar nicht auf dem semi-demokratischen Weg, auf dem der ESM beschlossen wurde. Dass die nationalen Parlamente einer weiteren Erhöhung der Haftungssumme zustimmen, ist ausgeschlossen. Also muss das Geld direkt gedruckt werden.

Für den kleinen Bürger bedeutet das: Verlust an Kaufkraft. Die Löhne werden entwertet. Ersparnisse schmelzen dahin. Es kommt einer schleichenden Enteignung gleich. Damit die Krisenstaaten ihre Schulden abbauen und gleichzeitig die Banken ihre Geschäfte weitertreiben können, muss der Bürger bluten. Einen ähnlichen Weg beschritt schon die deutsche Regierung während der Weimarer Republik. Der Husarenritt endete damals in einer Hyperinflation, zu deren Höhepunkt die Preise fast stündlich stiegen und ein Laib Brot mehr als eine Milliarde Mark kostete.

Aber auch wenn die Experimente der EZB nicht so eskalieren: Ihr Mandat hat sie längst verlassen, und mitsamt der europäischen Kommission und wirtschaftshörigen Regierungschefs einen Weg der Un-Demokratie beschritten. Die EU, und besonders Euroland, entwickelt sich immer mehr zu einer Polit-Oligarchie, in der die Bürger viele kleine Zuckerl bekommen, aber auch (nicht wenige) dicke Kröten schlucken müssen.

 

Titelbild: Die EZB-Zentrale in Frankfurt am Main. (Bild: Sara C. / pixelio.de)[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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