„Love Life“-Kampagne des BAG: steuerfinanzierte Pornografie mit denkwürdiger Botschaft

23.05.2014 |  Von  |  Gesellschaft, Politik
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[vc_row][vc_column][vc_column_text]„Love Life“ – mit Plakaten von kopulierenden Paaren jeglicher Couleur überschwemmt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) derzeit die Schweiz. Das angebliche Ziel: AIDS-Prävention. Doch vieles deutet darauf hin, dass es damit nicht weit her ist.

Dass nackte Haut und Erotik zum Standardrepertoire von Werbemachern gehören, ist nicht neu. Dass das BAG mit fragwürdigen Kampagnen aufwartet, auch nicht. Doch was derzeit geschieht, toppt alles bisher Dagewesene.

„Das ist nur Pornografie.“ Dieser Satz über die aktuellen BAG-Plakate stammt nicht etwa von einem erzkonservativen Erzbischof, sondern von Oliviero Toscani. Der Mann sorgte in den 1990er Jahren mit seinen provokativen Benetton-Bildern für Aufsehen. Er zeigte Todeszellinsassen, nackte Magersüchtige und blutverschmierte Kleidung getöteter Soldaten. Einer, der etwas von Provokation versteht.

Nichts Provokantes, nur Banales

Doch Provokantes sieht der Italiener in den „Love Life“-Plakaten nicht. Er vermisse das Poetische, sagte er in einem Interview. Die Kampagne banalisiere das AIDS-Problem nur, da sie in lüsterner Weise den Sexualakt zeige, den ohnehin jeder als Übertragungsweg für HIV kenne. „Ich sehe nichts Originelles, nichts, was wirklich zum Denken anregt“, so der Fotograf weiter.

Betrachtet man die Auswirkungen der Kampagne, kann man ihm nur beipflichten. Wie viele Menschen neu zum Nachdenken über AIDS gebracht wurden, lässt sich schwer sagen, bekannt wurde allerdings, dass schon mindestens 50 Personen Interesse am Sex vor der Kamera gezeigt haben sollen. Wie bitte heissen nochmal die Leute, die freiwillig vor der Kamera Sex haben? Ach ja, Pornodarsteller. Und wenn sie es auch noch unentgeltlich machen und die halbe Welt daran teilhaben lassen, spricht man von „Sexting“.

Das alles ist schon grotesk genug. Doch hier wirbt nicht eine Plattenfirma oder ein Glacé-Produzent, sondern der Staat – finanziert durch Steuergelder. Zwei wichtige Punkte sollte man als Schweizer Bürger deshalb bedenken.

Konterkarierte pädagogische Bemühungen und verfehlte AIDS-Prävention

Der erste ist, dass durch die Kampagne die ethischen und erzieherischen Bemühungen unzähliger Pädagogen, Lehrer und staatlichen Stellen konterkariert, ja torpediert werden. Hier erzählt man den Jugendlichen etwas von Verantwortung und Zurückhaltung – etwa beim heissen Thema Sexting – dort setzt man ihnen Szenen vor, die selbst dem frivolsten Marketeer die Schamesröte ins Gesicht treiben. Die pornografischste aller Werbekampagnen – lanciert und finanziert vom Staat! Befremdlich wirkt in diesem Zusammenhang auch, dass eine Einrichtung wie Pro Juventute, dem Schutze der Jugend verpflichtet, einerseits vor Sexting warnt, andererseits aber die Porno-Kampagne des BAG unterstützt. Wirklich verstehen kann man das nicht.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Mit solch "unschuldigen" Plakaten warb das BAG in der Vergangenheit für mehr Sensibilität beim Thema AIDS.

Mit solch „unschuldigen“ Plakaten warb das BAG in der Vergangenheit für mehr Sensibilität beim Thema AIDS.

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Der zweite Einwand bezieht sich auf die verfehlte AIDS-Prävention. Denn diese ist und bleibt ein wichtiges Thema und ein staatlicher Auftrag. Auch dafür zahlen die Schweizerinnen und Schweizer Steuern. Sicherlich kommt AIDS durch die „Love Life“-Kampagne wieder mehr ins Gespräch. Doch wie will das BAG mit solchen Bildern zum Nachdenken anregen? Welche Werte werden hier überhaupt vertreten? Sind das die Werte, die die Mehrheit der Schweizer für sich selbst wünscht – und für ihre Kinder?

„Ich geniesse mein Leben, das bin ich mir schuldig.“ Der Wahlspruch ziert ein heterosexuelles Paar beim heissen Geschlechtsakt. Dass Sex zum Lebensgenuss gehört, ist ja unbestritten, aber was hat das mit AIDS zu tun? Letztlich läuft alles auf die banale Botschaft hinaus, die Oliviero Toscani mit seinen umstrittenen Kondom-Plakaten viel besser auf den Punkt brachte: Benutzt Gummis!

Widersprüchliche Wahlsprüche

Doch dafür braucht es keine solchen Szenen. Vor allem deswegen nicht, weil sie überall zu sehen sind, und damit Menschen beeinflussen, die noch gar nicht reif für eine solche Thematik sind: Kinder. Ausserdem widerspricht die Philosophie der Kampagne „Meist bereut man nicht, was man tut, sondern, was man lässt!“ Grundlagenuntersuchungen, die das BAG selber angestellt hat. Demnach bereuen 41 % der Frauen, das erste Mal mit dem falschen Partner Sex gehabt zu haben, 43 % bereuen, dass sie in einer Beziehung viel zu schnell aktiv geworden seien. Nur 27 % bereuen ungeschützten Sex.[/vc_column_text][vc_message color=“alert-info“ style=“rounded“]P.S.: Ich bringe es nicht übers Herz, die Bilder der BAG-Kampagne hier in den Artikel einzubauen. Wer sich von ihrer pornografischen Qualität überzeugen will: lovelife.ch. Übrigens: Wer der Promiskuitäts-Propaganda auf der Startseite nicht zustimmt, bekommt nicht alle Inhalte zu sehen. Ein weiteres interessantes Puzzlestück im Gesamtmosaik.[/vc_message][vc_column_text]Um es nochmal klar zu sagen: AIDS ist ein wichtiges Thema und muss laufend im Bewusstsein gehalten werden. Dabei darf man aber nicht die Proportionen verlieren. Jeder zehntausendste Schweizer – 0,01 % der Bevölkerung – steckt sich jedes Jahr neu mit dem HI-Virus an. 80 % der Schweizer hingegen leben monogam und sehen sich selbst dementsprechend nicht von AIDS bedroht. Warum dann alle Eidgenossen vom Kindergartenkind bis zum Opa mit Bildern belästigen, die man sonst nur in Pornomagazinen findet?

Es ist nicht das erste Mal, dass das BAG mit einem solchem Impetus auffällt. Die Pläne, durch die „AIDS-Hintertür“ verpflichtenden Sexualkundeunterricht vom Kindergarten ab zu implementieren, wurden vergangenen September noch gekippt. Die obszöne Broschüre „Hotnights“, ein Comic-Porno, ist immer noch als Lehrwerk für Schulen zugelassen, obwohl es mehr voyeuristische Lust als erzieherischen Gehalt verströmt. Ob da gewisse Leute von sich auf andere schliessen? Toscani hat eine These bezüglich der Genese der „Love Life“-Kampagne: „Ich habe den Eindruck, dass diese Idee von Leuten bewertet und entwickelt wurde, die keine Ahnung von Werbung haben – von Bürokraten.“

Ob die zuständigen Beamten die fotografierten Sex-Szenen auch so „geil“ und „lässig“ finden wie Roger Staub, der Leiter der „Love Life“-Kampagne? Er wohnte den Aufnahmen im Nebenstudio bei. Hochkant rausgeschmissen hätte ihn am liebsten Paolo Beltraminelli, CVP-Staatsrat: „Ich frage mich ob Roger Staub, der Verantwortliche einer solchen Schandtat, überhaupt noch seine Stelle hat.“ Beltraminelli plant einen parlamentarischen Vorstoss in Bern, damit „das nie wieder vorkommt“.

Wenn Sie mittlerweile auch an der Integrität des BAG zweifeln, wäre vielleicht diese Initiative etwas für Sie. Eine Pornoschwemme auf Kosten des Steuerzahlers muss man sich jedenfalls nicht zumuten lassen.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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5 Kommentare


  1. Bravo! Bravo! Bravo!
    Ich bin ganz Ihrer Meinung.
    Hab am 19.5.2014 eine Facebook Seite gegen diese unverschämte Kampagne eröffnet und freue mich Ihren Post weiterzuteilen.
    WER SCHÜTZT UNSEREN KINDERN????!!!

    Ckay
    http://www.facebook.com/tuttiassieme

    • Danke für das Lob und das Teilen!
      Ihre Facebook-Seite ist auch sehr gut! Hoffentlich kommt die Botschaft beim BAG an, künftige AIDS-Kampagnen anders zu gestalten.

      Alin

  2. Danke für Ihren Beitrag . Für mich stellen sich die Fragen: Was können wir konkret unternehmen, damit solche Kampagnen nie mehr vorkommen? Wie können wir verhindern, dass Menschen, die meiner Ansicht nach ein gestörtes und respektloses Verhältnis zu Sex haben, sich in die Pädagogik einmischen?

  3. Bin ganz deiner Meinung, dass sowas von Steuergelder bezahlt wird ist ungeheuerlich. Gibt es keine Kontrollstellen mehr für solchen Quatsch?

    • Soweit ich das überblicke, sollte eigentlich das BAG die „Kontrollstelle“ sein…aber da deren Personal nicht demokratisch gewählt wurde, hat der Wähler keinen direkten Zugriff darauf. Da hilft nur: Petitionen zeichnen und auf sonstigen Wegen den Abgeordneten klar machen, dass so etwas nicht geduldet wird!

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