Handänderungssteuer im Kanton Bern teilweise abgeschafft

02.07.2014 |  Von  |  Gesellschaft, Politik
Handänderungssteuer im Kanton Bern teilweise abgeschafft
Täglich auf dem Laufenden mit dem polizei.news Newsletter!

Die Initiative des Hauseigentümerverbands (HEV) beabsichtigte die Abschaffung der Handänderungssteuer – stattdessen ist diese nun so verändert, dass sie nicht bei allen Immobilien- und Grundstückskäufen anfällt.

Die Reform tritt allerdings erst zum 1. Januar 2015 in Kraft. Rund 58% der Berner stimmten für die Reform.

Was ist die Handänderungssteuer?

Diese Steuer fällt an, wenn Immobilien den Besitzer wechseln. Jeder Kanton in der Schweiz darf sie selbst bestimmen; in den Kantonen Zürich und Schwyz gibt es beispielsweise diese Steuer gar nicht und Solothurn führte 2011 die Änderung ein, dass die Steuer wegfällt, sofern die Immobilie dauerhaft als Wohneigentum selbst genutzt wird. Die Steuer ist nicht mit dem Kaufvertrag fällig, sondern erst mit Änderung des Grundbucheintrags. Es liegt außerdem in den meisten Kantonen, so auch in Bern, am Käufer, den entsprechenden Betrag zu bezahlen. Dieser wird nach dem Kaufpreis berechnet; 1,8% davon ergeben die Handänderungssteuer.

Reform bedeutet Steuererleichterung

Die Reform, die nun verabschiedet wurde und ab 2015 gilt, besagt nun, dass Immobilien bis zu einem gewissen Kaufpreis von der Steuer ausgenommen sind – sofern die Käufer sie mindestens zwei Jahre als Hauptwohnsitz nutzen, beschreibt Immowelt. Die HEV wollte eigentlich die ganze Steuer abschaffen, stimmte aber dem Gegenvorschlag des Kantonparlaments zu, sodass über die generelle Abschaffung keine Abstimmung geführt wurde. Immobilien, die bis zu 800‘000 Franken kosten, sind von der Steuer ausgenommen. Allerdings wird auch nur der Differenzbetrag versteuert. Dies bedeutet: Wenn eine Immobilie 900‘000 Franken kostet, werden nur 100‘000 davon versteuert; der Käufer muss daher 1‘800 Franken nach der Grundbuchänderung bezahlen. Besonders in Zeiten der deutlich gestiegenen Baukosten kann diese Regelung von Vorteil sein: Es ist zwar unerschwinglich, ein Haus zu bauen. Durch die teilweise abgeschaffte Handänderungssteuer kann es aber für Familien wieder erschwinglicher werden, sich ein Haus zu kaufen und sich so den Traum vom Eigenheim zu erfüllen.


Der Staat kassiert mit beim Immobilienverkauf? Nicht mehr im Kanton Bern. (Bild: © xtock - Fotolia.com)

Der Staat kassiert mit beim Immobilienverkauf? Nicht mehr im Kanton Bern. (Bild: © xtock – Fotolia.com)


Die Liegenschaft ist schon in Aussicht – was tun?

Die Reform bedeutet für einige aber auch eine Zwickmühle: Wenn ein Haus schon ins Auge gefasst wurde und die Chancen gut stehen, es zu bekommen, stellt sich die Frage: Warten bis nächstes Jahr, oder lieber zuschlagen und die höhere Handänderungssteuer in Kauf nehmen? Die Hypothekarzinsen sind außerdem gerade relativ günstig, in einem Jahr kann dies schon wieder ganz anders aussehen. Hier gibt es einen Trick, den Peter Brand, SVP-Grossrat und Notar, laut der Berner Zeitung mitteilte: Die Handänderungssteuer fällt wie schon erwähnt erst an, wenn die Eintragung im Grundbuch geändert wird. Es ist daher durchaus möglich, den Kaufvertrag dieses Jahr abzuschließen und zu unterschreiben, aber erst nächstes Jahr die Änderung im Grundbuch vorzunehmen. Dies bedeutet aber einige Risiken:

  • Käufer oder Verkäufer kann in Konkurs gehen oder sterben
  • Das Haus könnte beschädigt werden – wer haftet in dem Fall?
  • Falls der Verkäufer eine Anzahlung will, zahlt der Käufer diese, ohne Eigentümer vom Haus zu werden; im Falle von Punkt 1 kann dies ärgerlich enden
  • Fixieren von Hypothekarzinsen bedeutet einen Aufpreis

Es liegt im Risiko des Käufers, ob er diesen Weg nimmt. Immerhin kann er in einem Punkt sicher sein: Sofern nicht Punkt 1 eintritt und eventuell eine andere Regelung gefunden werden muss, kann keine der beiden Parteien aus dem Kaufvertrag aussteigen, nur weil es von anderer Seite ein besseres Angebot gibt. Sobald der Vertrag unterzeichnet ist, gilt er – die Übertragung des Eigentums muss daher stattfinden, auch wenn sie ein paar Monate nach hinten verschoben wird.

Hauskäufe sollen 2015 steigen

Durch die Reform der Handänderungssteuer erwartet das Kanton Bern, dass die Hauskäufe in diesem Jahr geringer ausfallen als üblich; im Jahr 2015 sollen sie allerdings rapide ansteigen. Diese Erwartung haben sie aus dem Verlauf der Immobilienverkäufe im Kanton Solothurn gewonnen; 2011 wurde die Steuer dort für Selbstnutzer der Immobilie abgeschafft. Hier gab es allerdings in dem Jahr juristische Schwierigkeiten: Die Handänderung bei einigen Immobilien habe schon im Jahr 2010 stattgefunden, die Beurkundung wäre nur wegen der Steuerersparnis aufgeschoben worden; der Kanton deklarierte dies als Steuerumgehung. In Bern wird diese Problematik aber nicht erwartet; entscheidend für die Steuer sei immerhin der Zeitpunkt des Eigentumsübergangs, nicht des Kaufvertrags. Um sicher zu sein, nicht deswegen belangt zu werden, bietet es sich aber an, bis 2015 mit dem Hauskauf zu warten – wie dies auch mehrheitlich die Käufer im Kanton Solothurn gemacht haben.

Oberstes Bild: © Schlierner – Fotolia.com


Ihr Kommentar zu:

Handänderungssteuer im Kanton Bern teilweise abgeschafft

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.