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Auch ohne Mindestlohn haben die Schweizer mehr in der Tasche

16.07.2014 |  Von  |  Gesellschaft

[vc_row][vc_column width=”1/1″][vc_column_text]Der Schweizer Souverän hat sich klar gegen einen flächendeckenden Mindestlohn auf Rekordniveau ausgesprochen. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus. Dominierend ist die Auffassung, dass gesetzlich festgeschriebene Mindestlöhne der wirtschaftlichen Entwicklung schaden würden. Auch wenn die Initiative zum Mindestlohn durchgefallen ist, haben die Schweizer mehr in der Tasche.

Im Jahr 2013 erhielten die Schweizer durchschnittlich 1 % mehr Lohn. Und das ganz ohne Gesetzesänderung oder den Druck von der Strasse. Die Nominalerhöhung fiel mit 0,7 % zwar etwas schwächer als in den Vorjahren aus. Da sich jedoch die Teuerungsquote mit etwa –0,2 % im Negativbereich bewegte, errechnet sich so eine faktische Steigerung des verfügbaren Einkommens um 1 %. Das mag im ersten Anschein nicht unbedingt nach viel aussehen, setzt aber die Tendenz der kontinuierlichen Steigerung der Bezüge fort. Damit ist ein gutes Zeichen gesetzt, das einen Mindestlohn für alle Schweizer Beschäftigten vielleicht nicht überflüssig macht, zumindest aber die Arbeitgeber aus dem Schussfeld nimmt.

Woraus das Mehr an Lohn resultiert

Entscheidende Grundlage für steigende Löhne ist immer auch eine steigende Produktivität in der Wirtschaft. Entgegen spanischen Initiativen, wonach die Steuerbelastung der Bevölkerung trotz miserabler Wirtschaftslage um bis zu 12 % sinken soll, steht die Schweiz grundsolide dar. Auch ohne fragwürdige Steuergeschenke boomt der private Konsum genauso wie die Wirtschaft selbst.

Im Jahr 2013 konnte das Bruttoinlandsprodukt um circa 2 % gesteigert werden, viele Börsen bewegten sich zudem auf Rekordniveau. Damit weist die Schweiz nach, dass steigende Löhne immer nur das Ergebnis einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung mit stabilen Kennziffern sein können. Eine solide Wirtschaft und erfolgreiche Engagements im Binnenmarkt und im Aussenhandel bringen seit 2010 eine Steigerung des Nominallohnes um etwa 2,6 %, ausgehend vom Basiswert von 2010.

Industrielöhne unter den Bezügen im Dienstleistungssektor

Die Steigerung der Löhne im Jahr 2013 fällt nicht gleichmässig aus. Das ist nicht unnormal. Schon immer orientierte sich die Lohnentwicklung vor allem an den Erträgen im entsprechenden Segment der Gesamtwirtschaft. Auch wenn hier der eine oder andere ein Missverhältnis zulasten der produzierenden Bereiche entdecken mag, gestaltet sich die Wahrheit doch etwas anders. Die Industrielöhne sind im Jahr 2013 um durchschnittlich 0,7 % gestiegen, die Gehälter im Dienstleistungsbereich um 0,8 %.

Dabei ist die gesamtwirtschaftliche Lage unbedingt zu beachten. Diese resultiert nicht nur aus dem starken Segment der Dienstleistungen in der Schweiz, sondern durchaus auch aus der Entwicklung der Weltkonjunktur und der Inflationsrate im Land. Beachtenswert ist dabei, dass die meisten Lohnabschlüsse im Rahmen der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge bereits im Herbst 2012 auf den Weg gebracht worden sind.

Also in einer Zeit, in der sich die Weltkonjunktur seit dem Einbruch nach 2008 längst noch nicht nachhaltig erholt hatte. Das hat immer Auswirkungen auch auf die nationale Wirtschaft, die besonders in der Schweiz auch stark vom Aussenhandel abhängig ist. Hier sind die Prognosen im späten Jahr 2012 nicht sehr günstig gewesen, so dass die Gehaltsverhandlungen im Ergebnis eher im moderaten Bereich lagen. Im Regelfall war es also nicht der fehlende Wille der Arbeitgeber, sondern eher die weltwirtschaftliche Gesamtlage, die für die Zurückhaltung in der Lohnentwicklung sprach.

Auch die Aussicht auf die Inflationsrate war 2012 alles andere als berauschend. Die Planungskennziffern lagen hier bei 0,5 % Inflationsrate mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft.[/vc_column_text][vc_separator color=”grey”][vc_column_text]

Beschäftigten interessieren sicher auch weiterhin für die Lohnentwicklung, die Teuerungsraten und letztlich dafür, was sie an Plus in der Brieftasche haben könnten.. (Bild: Gopixa / Shutterstock.com)

Beschäftigten interessieren sicher auch weiterhin für die Lohnentwicklung, die Teuerungsraten und letztlich dafür, was sie an Plus in der Brieftasche haben könnten.. (Bild: Gopixa / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=”grey”][vc_column_text]Wie geht es weiter?

Selbstverständlich interessieren sich die Beschäftigten auch weiterhin für die Lohnentwicklung, die Teuerungsraten und letztlich dafür, was sie an Plus in der Brieftasche haben könnten. Hier sind die Szenarien unterschiedlich bewertet. Auf der einen Seite spricht der derzeitige Wirtschaftsboom durchaus für steigende Löhne, andererseits bereitet der überdurchschnittlich starke Franken vielen Experten Kopfzerbrechen.

Je stärker sich die nationale Währung gegenüber dem Euro und dem US-Dollar zeigt, desto komplizierter gestaltet sich letztlich auch der Aussenhandel. Diese Binsenwahrheit sollte zwar nicht dazu führen, dass der Franken künstlich abgewertet wird, dürfte aber auch Auswirkungen auf die Lohnentwicklung der kommenden Jahre haben. Dementsprechend wird die weitere Steigerung der Löhne und Gehälter als eher moderat eingeschätzt, sofern die durchweg positive Entwicklung der Schweizer Wirtschaft aufrechterhalten werden kann.

Wichtig ist die Wertentwicklung des Franken im internationalen Massstab auch in der für die Schweiz so wichtigen Tourismusbranche. Auch hier bremst ein übermässig starker Franken die Entwicklung aus, da besonders Feriengäste aus dem Euro-Raum schon sehr genau darauf achten, wie ihre Währung im Vergleich zum Franken dasteht. Ein Rückgang der Besucherzahlen würde hier auch zu Einschnitten in der Lohnentwicklung führen.

Wie bereits eingangs erwähnt, sind es aber vor allem die Produktivität und die Inflationsrate, die einen entscheidenden Einfluss auf die Lohnentwicklung haben werden. Hier gilt es also, angestrengt und zielstrebig weiterzuarbeiten. Gefordert ist dabei auch die Politik, die neben der Wirtschaft entscheidende Einflüsse auf die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen hat.

 

Oberstes Bild: © Phil Tinkler – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]