Gegen den Trend – Schweizer Jugend liest offline

04.08.2014 |  Von  |  Gesellschaft, Literatur
Gegen den Trend – Schweizer Jugend liest offline
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[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Trotz der weiten Verbreitung internetfähiger mobiler Geräte wie etwa Smartphones, Tablets und Notebooks liest ein Grossteil der Schweizer Jugendlichen die Zeitung in Papierform. Das geht zumindest aus einer Studie der AG für Werbemedienforschung (Wemf) hervor, die das Leseverhalten von Personen im Alter von 14 bis 34 Jahren bezogen auf Presseerzeugnisse analysiert hat.

Damit geht die Schweiz derzeit noch an einem Trend vorbei, der besonders in den restlichen europäischen Ländern die Medienlandschaft, vor allem die Presseindustrie, stark unter Druck setzt. Dort schwinden die Leser gedruckter Zeitungen und Zeitschriften in schwindelerregendem Tempo und führen zu einem wahren Zeitungssterben. Bedroht von diesem Trend ist natürlich auch der Schweizer Pressemarkt, derzeit aber noch in einer völlig anderen Dimension.

Die Hälfte der Jugendlichen liest die gedruckte Zeitung

Folgt man der Veröffentlichung der AG für Werbemedienforschung, dann liest etwa die Hälfte der Pressekonsumenten ab dem 14. Lebensjahr bevorzugt die gedruckten Meldungen in der Zeitung. Warum das abweichend von der allgemeinen Entwicklung so ist, kann nur vermutet werden. Dabei liegt der Gedanke nahe, dass es vor allem die Vorbildrolle der Eltern und Grosseltern ist, die zu diesem Leseverhalten führt. Generell folgen ältere Menschen neuen Entwicklungen und Trends langsamer, sodass in vielen Schweizer Haushalten nach wie vor eine Tageszeitung verfügbar ist. Hier können dann auch die Jugendlichen blättern, nachschlagen und sich informieren. Das spart eventuell zusätzliche Datenkosten für die mobilen Geräte.

Ausserdem ist es wohl auch noch der gute alte Duft nach Papier und Druckerschwärze und die wahrhaft handlichen Informationen, die sich in der materiell greifbaren Form der Tageszeitung den jungen Menschen oftmals besser erschliessen. Förderlich wirkt sich ein solches Leseverhalten natürlich auch auf die Lesefähigkeit, die kritische Analyse von Informationen und auf das Zusammenhangsdenken aus. Während Informationen online oftmals nur einen Ausschnitt der Themenbreite bieten, kann in der Zeitung ausführlich nachgelesen und mit zusätzlichen Informationen auch ein Werte- und Informationsvergleich hergestellt werden.

Darüber hinaus haben bereits junge Leute erkannt, dass die News im Internet nicht immer verlässlich sind. Besonders anonyme Verlautbarungen spiegeln meist nur eine individuelle Meinung wider und haben mit seriöser Berichterstattung nicht immer viel gemein. Dazu wird im Internet oftmals nur auf oberflächliche Meldungen aus dem Showbiz abgestellt, was vielen Zeitungskonsumenten mittlerweile zu einseitig ist.

Werbemarkt behält deutliche Anteile im gedruckten Segment

Auch wenn das Internet immer wieder als angeblich beste Werbeplattform dargestellt wird, sind es vor allem regionale und grosse Unternehmen, die beständig an der Werbewirksamkeit von Anzeigen in der Zeitung festhalten. Zumindest ergänzend werden nach wie vor Inserate in Offline-Medien geschaltet und erhöhen damit die allgemeine Reichweite. Besonders bei regionalen Angeboten wird die Tagespresse sogar bevorzugt. Hier hat die Erkenntnis obsiegt, dass eine mögliche weltweite Verbreitung von Angeboten im Internet nicht immer den lokalen Ansprüchen und Bedürfnissen sowohl der Anbieter als auch der Konsumenten entspricht.

Eine faire Werbeberatung und professionelle PR-Arbeit lässt eben die Zeitung nicht aussen vor, sondern versteht sie als traditionellen und immer auch zusätzlichen Bestandteil zum Online-Auftritt. Warum auch sollte der Bäcker nebenan für sein Sonderangebot zu Ostern im Internet werben? Viel regionaler bezogen und entsprechend kundenwirksamer geht das in der Tagespresse oder mit anderen gedruckten Medien.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Im Personenkreis der jungen Menschen ab 14 Jahren verlassen sich lediglich um die 430'000 Empfänger ausschliesslich auf das Lesen von Online-Nachrichten. (Bild: Ammentorp Photography / Shutterstock.com)

Im Personenkreis der jungen Menschen ab 14 Jahren verlassen sich lediglich um die 430’000 Empfänger ausschliesslich auf das Lesen von Online-Nachrichten. (Bild: Ammentorp Photography / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Die Zahlen sprechen für sich

Im Personenkreis der jungen Menschen ab 14 Jahren verlassen sich lediglich um die 430’000 Empfänger ausschliesslich auf das Lesen von Online-Nachrichten. Über drei Millionen Schweizer lesen auch oder ausschliesslich Zeitung. Damit bleiben die gedruckten Presseerzeugnisse den Online-Informationen weiterhin überlegen.

Bezogen auf die Altersgruppen lässt sich feststellen, dass etwa die Hälfte der jungen Interessenten die gedruckte Zeitung liest. Mit zunehmendem Alter sinken die Zahlen der Online-Rezipienten zugunsten der gedruckten Zeitung, sodass in der Altersgruppe der über 55-Jährigen nur noch unter zehn % der Leser auf Online-Nachrichten zurückgreifen.

Aufgrund der Umstellung der Erhebungsmethoden seitens der Wemf kann leider nicht auf Vergleichszahlen aus dem jeweiligen Vorjahr zurückgegriffen werden. Das wird dann frühestens im kommenden Jahr wieder möglich sein. Festzustehen scheint indes, dass der Schweizer seiner Tageszeitung nach wie vor ein grosses Vertrauen entgegenbringt und auch junge Menschen bevorzugt die gedruckte Zeitung lesen. Das ist ein gutes Zeichen für alle, die die Medienvielfalt am Standort Schweiz als wichtig und unverzichtbar für eine umfassende und faire Information empfinden.

Dennoch kommen die Medienunternehmen nicht umhin, zunehmend auch Online-Angebote für Zeitungskonsumenten zur Verfügung zu stellen. Über die Formen, Preise und den Umfang darf dabei gern gestritten werden. Letzten Endes bleibt es aber ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen, traditionelle und moderne Medien ausgewogen miteinander zu verbinden, schon weil Information eben nicht nur online geht. Das wird spätestens dann klar, wenn aus verschiedenen Gründen eventuell das Netz auch einmal für längere Zeit nicht erreichbar ist. Auch dann wollen wir gut informiert sein.

 

Oberstes Bild: © gpointstudio – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]


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