Streit um neue Strassenzölle in der Schweiz – ein Mautvergleich der Alpenländer

04.08.2014 |  Von  |  Allgemein
Streit um neue Strassenzölle in der Schweiz – ein Mautvergleich der Alpenländer
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[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Strassenmaut an allen Alpenübergängen, die zum nationalen Strassennetz der Schweiz gehören: Über dieses Szenario diskutierte die Verkehrskommission (KFV) Ende Juni auf Grundlage eines Papiers des Bundesamtes für Strassen (Astra), in Auftrag gegeben von BDP-Präsident Martin Landolt.

Die mögliche Einführung neuer Strassenzölle sorgt in der Schweiz immer wieder für hitzige Diskussionen. Im benachbarten Ausland sind jene allerdings auf vielen Strecken schon lange Realität. Für seinen Bericht hat sich das Astra verschiedene dieser ausländischen Systeme genauer angesehen und kommt zu dem Schluss, dass sie sich in ihrer Ausgestaltung deutlich voneinander unterscheiden. Besonders bei der Anzahl der Tarifklassen, dem Preis für eine einfache Fahrt sowie den Vergünstigungen für Vielfahrer sind laut Astra grosse Unterschiede zu finden.

Arlberg-Tunnel bietet günstigste Durchfahrt

Beim Fréjus-, Mont-Blanc- und Arlbergtunnel sowie der Brennerautobahn werden die Tarife nach den Fahrzeugkategorien Motorwagen, Personenwagen, Lieferwagen und Lastwagen differenziert. Spitzenreiter ist dabei der Fréjus-Tunnel mit neun Tarifklassen, gefolgt vom Mont-Blanc-Tunnel mit sieben und der Brennerautobahn mit lediglich vier. Von den untersuchten Tunneln ist der Arlbergtunnel mit elf Franken pro Durchfahrt am günstigsten. Am teuersten ist die Durchfahrt bei den beiden Tunneln Mont Blanc und Fréjus, denn hier zahlt man stolze 52 Franken pro Personenwagen.

Im Mont-Blanc- und Fréjus-Tunnel haben Fahrer von Personenwagen und Motorrädern allerdings zusätzlich die Möglichkeit, 10, 20 oder 50 Fahrten auf einmal zu erwerben. Je höher die Zahl gleichzeitig erworbener Fahrten, desto grösser ist auch die Ermässigung. So spart man beim Kauf von 20 Fahrten durch den Mont-Blanc-Tunnel 73 % und beim Fréjus-Tunnel sogar 76 % gegenüber dem Einzelkauf. Auf diese Weise ist eine einzelne Durchfahrt dann fast genauso günstig wie beim Arlbergtunnel.

Auch wenn Autos, Motorräder und andere Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen in Österreich für die Benutzung von Autobahnen und Schnellstrassen bereits eine Vignette erwerben müssen, so wird für die Alpenübergänge noch einmal zusätzlich eine Sondermaut erhoben. Begründet wird dies mit den besonders hohen Baukosten dieser Strecken. Neben einer Einzelfahrt können hier aber auch Jahreskarten oder eine sogenannte Pendlerkarte erworben werden, welche allerdings an strikte Bedingungen geknüpft ist. Wenn man beispielsweise eine Jahreskarte für Pendler für den Arlbergtunnel kauft, so zahlt man dafür nur 47 Franken und fährt ab dem sechsten Mal sozusagen gratis durch den Tunnel. Zudem gibt es in Österreich die sogenannten Anrainerkarten, welche die Bewohner der 18 Gemeinden entlang der Brennerautobahn kostenlos erhalten, wenn sie bereits eine Autobahnvignette gelöst haben.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Tunnelmaut in der Schweiz nur in Ausnahmefällen. (Bild: Natali Glado / Shutterstock.com)

Tunnelmaut in der Schweiz nur in Ausnahmefällen. (Bild: Natali Glado / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Tunnelmaut in der Schweiz nur in Ausnahmefällen

Auch in der Schweiz gibt es gebührenpflichtige Alpenübergänge wie die Autoverladen Furka, Vereina und Lötschberg. Die Preise für die Überfahrten variieren hier nach Jahreszeit und teilweise auch nach Wochentagen. Allerdings können auch hier sogenannte „Punktekarten“ erworben werden, bei denen es sich um reduzierte Mehrfachkarten handelt. Die günstigste Einzelfahrt bietet der Autoverlad Lötschberg mit 27 Franken, gefolgt vom Grossen Sankt Bernhard mit 31 und Vereina mit 42 Franken. Löst man 20 Fahrten auf einmal, beträgt die Ermässigung 73 %.

Der Strassentunnel am Grossen Sankt Bernhard ist ebenfalls gebührenpflichtig, da die Betreibergesellschaft über eine Ausnahmegenehmigung der Bundesversammlung verfügt. Allerdings können solche Ausnahmegenehmigungen nicht pauschal für alle Alpenübergänge im nationalen Strassennetz der Schweiz erteilt werden, weil dafür eine Anpassung der Bundesverfassung nötig wäre.

Maut auch am Gotthard möglich

Laut dem Bericht der Astra wären auch beim Gotthard-Tunnel alle Bedingungen für eine Ausnahmegenehmigung wie am Grossen Sankt Bernhard erfüllt. Anhand der Vergleiche der Tunnelmautsysteme wurde vom Astra sogar schon eine modellhafte Skizze für die Tarifgestaltung ausgearbeitet. Auch wenn der Bundesrat noch im September 2013 nicht an einer Tunnelgebühr zur Finanzierung der umstrittenen zweiten Tunnelröhre am Gotthard interessiert war, so liegt das Thema damit jetzt wieder auf dem Tisch. Damals lehnte der Bundesrat den Vorschlag mit dem Argument ab, dass die Benutzung der öffentlichen Strassen gebührenfrei bleiben müsse. Ob sich diese Meinung durch das Papier der Astra ändern wird, ist noch unklar – allerdings käme eine Maut für den Gotthard-Tunnel der Verkehrsministerin Leuthar sehr gelegen.

Ausländer an den Kosten der Infrastruktur beteiligen

Auch wenn es im Bericht des Astra nicht explizit erwähnt wird, so würden durch eine Strassenmaut an allen Alpenübergängen ausländische Autofahrer stärker an den Kosten der Strasseninfrastruktur beteiligt werden. Aus dem Papier geht nämlich hervor, dass im Jahr 2007 im Schnitt mehr als 70’000 Personen täglich die Schweizer Alpen auf Motorrädern, in Personenwagen und in Reisebussen durchquerten. Von diesen Fahrzeugen stammte knapp die Hälfte aus dem Ausland. Allerdings handle es sich bei über 70 % aller Fahrten um Freizeitverkehr, bei dem durch die Einführung einer Strassenmaut mit einer erhöhten Ausweichrate zu rechnen sei.

 

Oberstes Bild: © Patricia Hofmeester – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]


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