Sanktionen gegen Russland können indirekt auch die Schweizer Wirtschaft treffen

05.08.2014 |  Von  |  Politik, Weltgeschehen
Sanktionen gegen Russland können indirekt auch die Schweizer Wirtschaft treffen
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[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Die Europäische Union und die USA haben Ende Juli weiter verschärfte Strafmassnahmen respektive Sanktionen gegen Russland verhängt. Einmal abgesehen von der politischen Brisanz, trifft dieser Schritt – zumindest teilweise – auch die Wirtschaft anderer Staaten. Gerade die vom Embargo direkt betroffenen Branchen werden diesbezüglich etwaig entgangenen Exporten nachtrauern. Würde sich auch die Schweiz den Sanktionen der EU und der USA anschliessen, wären allerdings die entsprechenden wirtschaftlichen Auswirkungen für das eigene Land eher begrenzter Natur. Aber: Auch die Schweizer Wirtschaft würde indirekt in Form von Zweit- und Drittrundeneffekten die entsprechenden Rückwirkungen mitunter deutlich spüren.

Schweiz generiert lediglich einen Exportanteil von knapp 1,7 % am russischen Markt

Direkte Effekte, die sowohl die Wirtschaft als auch die Konsumenten treffen könnten, würden in der Schweiz kein Drama auslösen. Dies liegt vor allem an dem Verhältnis zwischen Exportanteil und dem Markt in Russland. Laut Jan Atteslander, der als Leiter Aussenwirtschaft im eidgenössischen Wirtschaftsdachverband Economiesuisse fungiert, ist die hiesige Wirtschaft vom Exportgeschäft mit Russland keineswegs abhängig. Zwar sei der russische Markt im Hinblick auf den generierten Exportanteil sicherlich sehr wichtig für die Schweiz, aber keineswegs überlebenswichtig. Demgegenüber seien die Nachbarländer Österreich oder auch Deutschland weitaus stärker exponiert.

Auch Hans Hess befürchtet als Präsident des Branchenverbands der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem keinen tiefen Einschnitt in den entsprechenden Sparten. Mit einem Exportanteil von nicht einmal 1,7 % ist Russland aber sicherlich auch kein existenzieller Markt für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie in der Schweiz. Lediglich bei einer Handvoll Unternehmen könnten die Auswirkungen der Sanktionen für tatsächlich nennenswerte Umsatzeinbussen sorgen.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Wegfall der Exporte würde das Wirtschaftswachstum um nur 0,3 bis 0,4 % senken. (Bild: COSPV / Shutterstock.com)

Wegfall der Exporte würde das Wirtschaftswachstum um nur 0,3 bis 0,4 % senken. (Bild: COSPV / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Wegfall der Exporte würde das Wirtschaftswachstum um nur 0,3 bis 0,4 % senken

Ganz anders stellt sich die Sachlage allerdings in den Bereichen Energie und Hochtechnologie dar. Hier kann davon ausgegangen werden, dass – vor allem in der Werkzeugmaschinenbranche oder dem Anlagenbau für den Gas- und Ölsektor – die entsprechenden Unternehmen in der Schweiz von den wirtschaftlichen Strafmassnahmen der USA und der EU gegen Russland betroffen sind. So erwartet der Winterthurer Konzern Sulzer Umsatzeinbussen im Pumpengeschäft bei entsprechenden Sanktionen. Für Rüstungsgüter ist zudem vom Schweizer Bundesrat bereits ein Exportverbot für Russland verhängt worden. Demgegenüber wären so wichtige Schweizer Exportgüter wie zum Beispiel Bijouterie, Uhren und Pharmazeutika überhaupt nicht von entsprechenden Sanktionen betroffen. Waren dieser Art fallen nämlich erst gar nicht unter die verschärften Sanktionen.

Durch ein simples Zahlen- bzw. Rechenbeispiel kann diesbezüglich verdeutlicht werden, dass verschärfte Sanktionen auf direktem Wege keinen nennenswerten Einfluss auf die Wirtschaftskraft der Schweiz und auch nicht der eidgenössischen Bevölkerung ausüben. Selbst wenn die Exporte nach Russland komplett wegfallen würden, liesse dies das Wirtschaftswachstum in der Schweiz nur um 0,3, maximal 0,4 Prozentpunkte absinken. Das wäre im Vergleich zu anderen Staaten noch nicht einmal erwähnenswert, betont denn auch Jochen Hartwig, der als Leiter der Konjunkturforschungsstelle Internationale Wirtschaft an der ETH Zürich tätig ist.

Rückkoppelungseffekt: Schweiz erwartet schwächere Nachfrageimpulse aus Deutschland

Selbst bei diesen genannten Zahlen handelt es sich quasi um ein Extremszenario. Demgegenüber werden die möglichen indirekten Effekte respektive die Rückwirkungen der in Russland momentan vorherrschenden konjunkturellen Abkühlung weitaus deutlicher ins Gewicht fallen. Hier geben alleine die Daten und Zahlen aus dem zweiten Quartal dieses Jahres einen deutlichen Hinweis auf die diesbezüglich eher angespannte Wirtschaftslage. So sind die Exporte nach Russland um knapp 18 % im Vergleich zum Vorjahresquartal eingebrochen. Von diesem Einbruch sind insbesondere die Segmente Chemie und Pharma (minus 22 %) sowie Elektronik, Apparate und Maschinen (minus 26 %) betroffen.

Die momentan allgemein schwächelnde russische Wirtschaft birgt allerdings auch für andere Branchen in der Schweiz ein vergleichsweise hohes Risikopotenzial. Dies liegt an den sogenannten Rückkoppelungseffekten. Da die Wirtschaft der wichtigsten Handelspartner der Schweiz, wie zum Beispiel Deutschland, viel enger mit dem russischen Markt verflochten sind, spüren diese – gerade beim Ex- und Import – auch viel eher die Probleme der russischen Wirtschaft. Im Umkehrschluss bedeutet dies dann aber für die Schweiz, dass schwächere Nachfrageimpulse aus eben diesbezüglich involvierten Ländern wie etwa Deutschland zu erwarten sind.

Atteslander sieht zukünftig hier das grosse Problem für Schweizer Unternehmen. Sollte es sich bewahrheiten, dass die Investitionsfreudigkeit in der russischen Wirtschaft aufgrund der Sanktionen und der damit einhergehenden zunehmenden Verunsicherung weiter zurückgeht, kann dies die russische Nachfrage nach Importwaren noch stärker negativ beeinflussen. Atteslander ist sich diesbezüglich sicher, dass diese Entwicklung – früher oder später – auch die Branchen in der Schweiz erfassen wird, die direkt überhaupt keinen Sanktionen unterliegen.

 

Oberstes Bild: © Alexander Supertramp – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]


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