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Wird die Schweiz zum Eldorado für Kiffer?

08.08.2014 |  Von  |  Allgemein, Gesellschaft, Gesundheit

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Dass der Drogenkonsum der Schweizer einmal genügend Stoff für mehrere Schlagzeilen liefern würde, war vor wenigen Jahren kaum vorstellbar. Die Zeiten haben sich offensichtlich geändert. In der Alpenrepublik wird quer durch alle Kantone über die hiesige Drogenproblematik, die von den renommierten Zeitungen seit Monaten thematisiert wird, diskutiert.

Während Zürich dabei quasi als Kokser-Hochburg entlarvt wurde, ist Cannabis in der ganzen Schweiz weitverbreitet. Dessen Konsum und auch eine mögliche Suchtkultur haben dabei einen riesigen Schwarzmarkt entstehen lassen. Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang aber auch die oftmals anhängende Beschaffungskriminalität. Die Stadt Bern plant jetzt, mit entsprechenden Cannabis-Klubs dem Schwarzmarkt ein Schnippchen zu schlagen. Zuvor soll in Genf das Konzept getestet werden.

Kiffer-Klub: Ein entsprechendes Modellprojekt steht in Genf in den Startlöchern

Der Gemeinderat in Bern hat es sich diesbezüglich offiziell zum Ziel gesetzt, innerhalb des Massnahmenplans Suchtpolitik die Abgabe von Cannabis zu regulieren. Dies bedeutet, dass in Bern bald staatlich erlaubtes Kiffen an der Tagesordnung sein könnte. Und zwar in einem Cannabis-Klübli. Zwar werden die so bezeichneten Cannabis-Klubs nicht namentlich in dem entsprechenden Planungsbericht erwähnt, aber es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass es sich hier genau um diese Art von Klubs handelt. Die Idee dahinter: In einem solchen Klub können die Mitglieder Hanf bzw. Cannabis von lizenzierten Bauern kaufen.

Gespannt werden jetzt alle Augen auf Genf gerichtet, wo ein entsprechendes Pilotprojekt quasi in den Startlöchern steht. Diesbezüglich hat bereits vor einigen Monaten ein Projektteam unter der Leitung des bekannten Soziologieprofessors Sandro Cattacin einen Musterverein konzipiert. Dabei legte die Projektgruppe fest, dass jeder Erwachsene in diesem Klub Mitglied werden kann und insgesamt zehn Gramm Stoff pro Tag beziehen darf. Geraucht werden soll dann allerdings zu Hause. Da dieses Vorhaben von Anfang an sowohl vom Regierungsrat als auch von grossen Teilen der Bevölkerung begrüsst und unterstützt wurde, soll in Genf jetzt eben ein entsprechendes Pilotprojekt an den Start gehen.

Politik signalisiert Bereitschaft: Es werden Ausnahmebewilligungen des Bundesamtes benötigt

Dass der Startschuss für ein solches Projekt gerade in Genf fällt, liegt dabei vor allem in der Tatsache begründet, dass die Stadt durch den illegalen Drogenhandel ein nicht zu unterschätzendes Drogenproblem aufweist. Auch die Stadtberner Regierung hat sich jetzt für ein entsprechendes Pilotprojekt in der Stadt Bern stark gemacht und Bereitschaft für das Einführen eines expliziten Kiffer-Klubs signalisiert. Allerdings müssen erst einmal die diesbezüglichen Rechtsgrundlagen geschaffen werden. Denn eins ist klar: Bei aller Bereitschaft für ein Projekt dieser Art wird die Stadt Bern natürlich keinen rechtswidrigen Versuch generieren, wie Sozialdirektorin Franziska Teuscher unmissverständlich klarstellte.

In das gleiche Horn stösst der neue Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP), der eine kontrollierte Abgabe von Cannabis zwingend mit der Erteilung einer Ausnahmebewilligung des eidgenössischen Bundesamtes in Verbindung setzt. Das Genfer Modell sei aber sicherlich eine höchst interessante Idee, die einen diesbezüglich neuen Weg offenbart. Allerdings sieht der Gesundheitsdirektor auch noch viele Fragezeichen, die dieses Projekt umgeben. Zudem stelle sich die Sicherheitslage in Basel so dar, dass im Gegensatz zu den Verhältnissen in Genf aktuell keine Notwendigkeit zum Handeln bestehe.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Initiative forderte bereits 2008 die Legalisierung von Anbau, Erwerb und Besitz von Hanf. (Bild: Matthew Benoit / Shutterstock.com)

Initiative forderte bereits 2008 die Legalisierung von Anbau, Erwerb und Besitz von Hanf. (Bild: Matthew Benoit / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Initiative forderte bereits 2008 die Legalisierung von Anbau, Erwerb und Besitz von Hanf

Im Gegensatz zu Basel möchte Bern aber gerne zeitnah das Genfer Modell auch in der eigenen Stadt zur Anwendung bringen, wie der oben erwähnte Massnahmenplan offiziell bestätigt. Die grüne Sozialdirektorin Franziska Teuscher sieht die Einführung der sogenannten Kiffer-Klubs auch als eine hervorragende Möglichkeit an, dank der dann regulierten Abgabe von Cannabis eine tatsächlich zielführende Suchtpolitik in der Schweiz zu betreiben. In diesem Zusammenhang verweist die Politikerin auch auf die Hanfinitiative aus dem Jahr 2008, die eine Legalisierung von Anbau, Besitz und Erwerb von Hanf forderte. In der Stadt Bern wurde diese Initiative glatt angenommen.

Kritiker sehen allerdings gerade in einem möglichen Drogentourismus einen entscheidenden Grund, der gegen explizite Testprojekte dieser Art und natürlich eine letztendliche offizielle Einführung eines Vereins bzw. eines Klubs spreche. Zudem müssten erst einmal die rechtlichen Begründungen im Hinblick auf das Genfer Modellprojekt abgewartet werden, argumentieren sie. Dies scheint in der Tat auch nicht ganz einfach zu sein: Nicht umsonst hat sich diesbezüglich die Vorlage des von Cattacin bereits für Mai avisierten Gutachtens verzögert. Nunmehr soll es erst im Herbst zur Verfügung stehen. Erst dann kann auch das Pilotprojekt in Genf in Angriff genommen werden. Bis dahin müssen sich die Kiffer auch in Genf ihren Stoff weiter auf dem Schwarzmarkt besorgen.

Umstritten bleibt auch nach wie vor, ob solch ein legalisierendes Konzept überhaupt gut im Sinne der Suchtprävention und -bekämpfung ist. Genug Indizien deuten darauf hin, dass Cannabis eine schleichende Abhängigkeit und psychischen Abbau bis hin zu totalem Realitätsverlust bewirkt. Die kontrollierte Freigabe würde möglicherweise die Beschaffungskriminalität mildern; bei zehn Gramm am Tag (!) kann man allerdings davon ausgehen, dass die Nutzer des Pilotprojekts in Bälde nicht nur keine Einbrüche mehr zustande bringen. Lässt der Staat auch nur den angestrebten Test zu, gesteht er sich damit ein, in der Cannabis-Suchtprävention versagt zu haben. Im Grunde ist der Wunsch nach Freigabe der Droge eine Kapitulation vor der Wirklichkeit.

 

Oberstes Bild: © Asier Romero – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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