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Depression: So beugen Sie der Volkskrankheit vor

23.08.2014 |  Von  |  Gesundheit

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Häufig bedarf es eines prominenten Falls, wie etwa des kürzlichen Suizids von Schauspieler Robin Williams, um das Thema “Depression” in jenen Mittelpunkt zu stellen, den es kontinuierlich verdienen würde. Denn nicht nur handelt es sich bei diesem vielschichtigen Symptom um eine ernst zu nehmende Krankheit, die bei Erkennen behandelt werden kann. Auch die Kosten, welche Depressionen für die Schweiz verursachen, sind schwindelerregend. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich schätzt die Summe auf zehn Milliarden Franken jährlich.

Dabei hat die Schweiz unter einem anthropologisch faszinierenden Paradox zu leiden, dessen Wurzeln immer noch nicht ganz aufgeklärt sind: Je höher das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes, desto mehr Einwohner leiden an Depressionen. Das hat eine Studie mit fast 90’000 Teilnehmern aus 18 Ländern ergeben. Für die reiche Schweiz würde dies rechnerisch bedeuten, dass jeder fünfte Einwohner mindestens einmal im Leben eine depressive Episode haben könnte. Längst nicht alle davon werden vom Erkrankten selbst ausreichend wahrgenommen oder gemeldet und können deshalb auch behandelt werden – die Dunkelziffer ist bei diesem psychischen Krankheitsbild erschreckend hoch.

Statistisch bekannt ist, dass 15 % aller Männer und 25 % aller Frauen in ihrem Leben eine Depression erleiden. Dabei unterscheidet sich die Selbstwahrnehmung der Schwere durchaus, wie die Schweizerische Gesundheitsbefragung Obsan 2013 ergab. Allerdings warnt die Obsan auch davor, leichte depressive Symptome zu bagatellisieren. Denn gerade diese Krankheit kann, wenn verdrängt, einen schnellen, negativen Verlauf nehmen. Die Lebensqualität leidet in jedem Fall, da meist schon zu Beginn Antriebslosigkeit und Rückzugstendenzen vorliegen und das soziale Umfeld dezimieren, welches sonst als Rückhalt fungieren könnte.

Das grösste Problem ist die nach wie vor hohe Stigmatisierung der Krankheit. Zwar werden Depressionen oft durch persönliche Negativerlebnisse wie plötzliche Arbeitslosigkeit oder den Verlust eines langjährigen Partners ausgelöst. Umfragen zeigen aber auch, dass es häufig nicht nur das Erleben selbst, sondern die Angst vor der Fremdwahrnehmung dieses scheinbaren “Versagens” ist, die den depressiven Schub auslöst. Deshalb sollten biografische Brüche gesellschaftlich und interpersonell normalisiert und vor allem kommunizierbar werden. In diesem Zusammenhang betonen viele Psychologen auch die häufig vernachlässigten gesellschaftlichen Elemente in der Depressionstherapie.

Denn noch zwei weitere, sozial bedingte Faktoren spielen in die Entstehung von Depression hinein. Zum einen steht hier die zunehmende Vereinsamung von Menschen im Fokus. Dies ist gerade bei Senioren ein Problem, betrifft aber grundsätzlich alle Altersklassen. Menschen pflegen ihre realen (also nicht im Internet stattfindenden) Kontakte zu wenig; vor allem der städtische Raum bietet aber auch immer weniger organische Wege für Sozialkontakt und Austausch.[/vc_column_text][vc_separator color=”grey”][vc_column_text]

Eine ausser Kontrolle geratene Work-Life-Balance, zu viel Stress, der Druck auf dem Arbeitsmarkt: All dies kann unvermutet schnell zum sogenannten Burn-out-Syndrom führen. (Bild: docstockmedia / Shutterstock.com)

Eine ausser Kontrolle geratene Work-Life-Balance, zu viel Stress, der Druck auf dem Arbeitsmarkt: All dies kann unvermutet schnell zum sogenannten Burn-out-Syndrom führen. (Bild: docstockmedia / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=”grey”][vc_column_text]Zum anderen nehmen die Herausforderungen am Arbeitsplatz kontinuierlich zu. Eine ausser Kontrolle geratene Work-Life-Balance, zu viel Stress, der Druck auf dem Arbeitsmarkt: All dies kann unvermutet schnell zum sogenannten Burn-out-Syndrom führen. Dieses geht fast immer mit Depressionen einher, die noch lange nach der Veränderung der akuten Situation anhalten können.

Diese Einsichten aber können auch dabei helfen, Depressionen präventiv zu verhindern. Die meisten Menschen beschäftigen sich mit der Gefahr einer entsprechenden Erkrankung nämlich erst, wenn es zu spät ist. Präventiv wird über Depressionen selten gesprochen, etwa im Vergleich mit den vielen Empfehlungen, die hinsichtlich einer Krebsprävention verfügbar sind. So sollte man sich auch bei leichten Verstimmungen, einer lang anhaltenden pessimistischen Grundeinstellung oder plötzlicher Antriebslosigkeit nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn viele depressiven Episoden haben zumindest teilweise hormonelle Ursachen, wie etwa die postnatale Depression oder Verstimmungen in den Wechseljahren (beides kann übrigens auch Männer betreffen!), oder gehen mit einer Unterversorgung des Stoffwechsels mit Vitalstoffen einher. Schon um diese rein somatischen Faktoren auszuschliessen, ist spezialisierte Beratung wichtig.

Ebenso entscheidend: ein fürsorglicher, pfleglicher, liebevoller Umgang mit dem Selbst. Diese Selbstpflege und mentale Fitness sollte so selbstverständlich werden wie Körperhygiene oder Wellness. Vor allem Selbstvorwürfe, Ressentiments, Stress durch intrinsischen oder externen Perfektionismus oder Angst vor beruflichem Misserfolg können schleichend in die Depression führen. Leider sind solche selbstzerstörerischen Muster bereits so lange eingeübt und passieren so reflexartig, dass sie von den potenziell Betroffenen oft nicht mehr erkannt werden. Auch hier hilft das Gespräch mit einem unbeteiligten, aber vorgebildeten Dritten. Dies muss kein Psychotherapeut sein: Viele Initiativen und Selbsthilfegruppen bieten einen einmaligen Erfahrungsaustausch an, der schon vieles klären und einer Verschlimmerung entgegenwirken kann.

Auch gute Freunde sind exzellente Ansprechpartner. Für viele ist es überraschend, wie viele Menschen aus dem eigenen sozialen Umfeld schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ohne je darüber zu sprechen. Zudem gibt es eine Reihe von Sofortmassnahmen, die keines Arztbesuches bedürfen. Dazu zählen vor allem regelmässige körperliche Bewegung und Meditation. Gerade regelmässiges Meditieren hat einen wissenschaftlich nachgewiesenen positiven Einfluss auf mentales Ungleichgewicht.

 

Oberstes Bild: © Themalni – Shutterstock.com[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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