Zweite Trendumfrage: Wachsende Mehrheit gegen Gold-Initiative

21.11.2014 |  Von  |  Allgemein, Gesellschaft, Politik
Zweite Trendumfrage: Wachsende Mehrheit gegen Gold-Initiative
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[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Wie stehen die Schweizer zur Goldinitiative? Die Antwort wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn am 30. November werden die Schweizer Stimmbürger darüber abstimmen, ob die Forderungen der Volksinitiative „Rettet unser Schweizer Gold“ umgesetzt werden sollen oder nicht. Der Trend, den Meinungsforscher ausmachen, wird immer deutlicher, je näher der Termin rückt: Die Mehrheit dürfte dagegen stimmen.

Die Goldinitiative der SVP-Nationalräte Luzi Stamm und Lukas Reimann will erzielen, dass 20 Prozent der Reserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus Gold bestehen, dass diese Goldreserve unverkäuflich bleibt und dass sie in der Schweiz gelagert werden muss. Für die SNB bedeutete das erhebliche Beschränkungen ihrer Souveränität.

Rückhalt im Stimmvolk sinkt

Der Rückhalt der Initiative in der Politik und in der Finanzwelt ist denkbar gering, und er scheint nun auch in der Bevölkerung immer weiter zu sinken. Nur 38 Prozent der Schweizer haben sich letzte Woche in einer Umfrage dafür entschieden, fast die Hälfte (47 Prozent) dagegen, und 15 Prozent waren noch unentschieden. Das ist ein eindeutiger Trend; noch im Oktober stimmten 44 Prozent der Schweizer dafür. Und selbst im Lager der SVP-Anhänger bröckelt es: Während diese im Oktober die Initiative noch zu 70 Prozent befürworteten, waren es jetzt nur noch 62 Prozent.

Aber auch bei den Parteiungebundenen schrumpft die Zahl der Befürworter, von 50 Prozent im Oktober auf mittlerweile 29 Prozent, während gleichzeitig immer mehr Stimmberechtigte angeben, sich noch nicht zu einer Entscheidung durchgerungen zu haben. Die Wähler von SP, CVP, FDP und der Grünen sind in Mehrheit gegen die Initiative.

Die Meinungsforscher vom Meinungsforschungsinstitut gfs in Bern, die die Umfragen für die Schweizerische Rundfunk- und Fernsehanstalt (SRG) durchgeführt haben, halten weitere Verschiebungen nach wie vor für möglich, wobei sie eigentlich nur noch eine Richtung erkennen können: Die Ablehnung der Schweizer gegenüber der Goldinitiative wächst und wächst. Dass sich dieser Trend noch vor dem 30. November wieder umkehrt, ist nach allem, was man über das Volksabstimmungsverhalten der Schweizer aus der Vergangenheit weiss, geradezu auszuschliessen.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]

Die Umsetzung der Volksinitiative „Rettet unser Schweizer Gold“ würde für die SNB das erhebliche Beschränkungen ihrer Souveränität bedeuten. (Bild: ponsulak / Shutterstock.com)

Die Umsetzung der Volksinitiative „Rettet unser Schweizer Gold“ würde für die SNB das erhebliche Beschränkungen ihrer Souveränität bedeuten. (Bild: ponsulak / Shutterstock.com)

[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Spekulanten standen schon in den Startlöchern

Mit grosser Spannung wird das Ergebnis der Volksabstimmung vor allem in den Kapital- und den Edelmetallmärkten erwartet. Gerade Letztere hatten schon das grosse Geschäft gewittert, bevor die neuesten Umfrageergebnisse nun doch eher für Ernüchterung sorgten: Schon kurze Zeit nach ihrer Veröffentlichung sackte der Goldpreis ab und fiel um ein Prozent auf unter 1179 US-Dollar pro Feinunze Gold. Die Annahme der Initiative dagegen würde für den Goldhandel einhergehen mit einer enormen, vielleicht sogar mit einer nie dagewesenen Belebung.

Denn müssten die Forderungen der Initiative umgesetzt werden, so hiesse das für die Schweizer Nationalbank, dass sie massiv Gold zukaufen müsste – und für den Goldhandel, dass mit annähernd gleicher Sicherheit das Spekulationsfieber ausbrechen wird. Das könnte zu weitreichenden Verwerfungen der Schweizer Wirtschaft insgesamt führen.

Bemerkenswert der Umstand, dass die SRG, die die gfs-Umfrage in Auftrag gegeben hatte, deren Ergebnisse zunächst nur innerhalb eines kleinen Kreises bekannt gab. Zu gross war die Sorge, dass sie das befürchtete Spekulationsfieber mit auslösen könnten.[/vc_column_text][vc_separator color=“grey“][vc_video link=“https://www.youtube.com/watch?v=gZzJU0AiwDs“][vc_separator color=“grey“][vc_column_text]Der Mindestwechselkurs als Indikator

Die Ergebnisse der Umfrage sorgen bei der zunächst pessimistisch gestimmten SNB auch im Hinblick auf den Devisenmarkt für Entspannung. Der Wechselkurs von Euro und Schweizer Franken stieg im direkten Anschluss an die Veröffentlichung der Umfrageergebnisse, von 1,2014 auf 1,2019. Seit September 2011 hatte die SNB einen Euro-Mindestwechselkurs von 1,20 Franken garantiert, um die Schweizer Exporte zu stabilisieren. Doch diese Grenze wurde in jüngster Zeit mehrmals augetestet, weil die Schweizer Wirtschaft davon ausging, dass dieses Limit nicht zu halten sei, wenn die Goldinitiative sich durchsetzen sollte.

Gerade angelsächsische Investoren zweifelten die Stabilität der SBN an, so der Chefökonom der Basler Privatbank J. Safra Sarasin. So hatten sich zum Beispiel Analysten von der britischen Grossbank Barclays erst kürzlich entsprechend geäussert. Die meisten Geschäfte, mit denen der Franken abgesichert werden sollte, wurden daher auf den Termin der eidgenössischen Volksabstimmung datiert, so Junius weiter. Damit wollten sich Finanzinvestoren und Unternehmer gegenüber einer befürchteten Volatilität des Schweizer Franken schützen. Doch Junius beschwichtigt auch: Einerseits wird die SNB den Mindestwechselkurs seiner Einschätzung nach mit allen Mitteln halten, und andererseits sei der Wechselkurs wesentlich stärker von einem anderen, einem externen Faktor bestimmt: der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Dass die SNB selbst die Goldinitiative von Anfang an, gelinde gesagt, skeptisch beurteilte, liegt auf der Hand; sie erklärte für „unnötig und schädlich“, denn würde sie umgesetzt werden, so bedeutete das für die SNB eine massive Einschränkung ihrer Handlungsfähigkeit. Fritz Zurbrügge, Mitglied des Direktoriums, unterstrich noch einmal, was das Hauptaugenmerk der SNB-Anlagestrategie sei: die Geld- und Währungspolitik, wozu die Verteidigung des Mindestwechselkurses unabdingbar dazugehöre. An geeigneten Massnahmemöglichkeiten fehle es ihr nicht.

Und dennoch: Die Vorgaben der Goldinitiative erschweren die Arbeit der SNB, und das war ja auch ihr erklärtes Ziel. Was den Initiatoren wie ein Segen erscheint, ist in den Augen ihrer nationalen und internationalen Kritiker jedoch ein Fluch. Am 30. November wird sich zeigen, welches Lager sich durchgesetzt hat. Die Chancen der Kritiker stehen den neuesten Umfrageergebnissen nach gut.

 

Oberstes Bild: Am 30.11.2014 haben die Schweizer darüber abgestimmten, ob 20 Prozent der Reserven der SNB aus Gold bestehen soll oder nicht. (© Timur Vildanov / Shutterstock.com)[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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