Funkstille – das Schweigen der Handys

02.12.2014 |  Von  |  Neue Medien
Funkstille – das Schweigen der Handys
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Smartphone, Laptop, Tablet, mittlerweile sind die Schweizer fast überall vernetzt und jederzeit online – selbst in Zügen wird mobil gemailt, gesurft und per WhatsApp gechattet. Doch wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, den ganzen Technik-Kram in die Mülltonne zu werfen und irgendwohin zu gehen, wo absolute „Funkstille“ herrscht? 

In Amerika gibt es dieses Örtchen: Green Bank in West Virgina. Doch es sind nicht die tief greifenden philosophischen oder ideologischen Gründe, warum die Einwohner auf Handy & Co. verzichten, sondern die „National Radio Quiet Zone“, die hier von der amerikanischen Regierung eingerichtet wurde, sorgt für „Funkstille“. Denn in Green Bank steht das Robert C. Byrd Green Bank Telescope, das grösste vollbewegliche Radioteleskop der Welt – und es will nicht von Mobilfunksignalen gestört werden.

Stimmen aus dem All?

Mit dem Radioteleskop horchen die amerikanischen Wissenschaftler weit ins Weltall hinein. Sie können „hören“, wie Milliarden Kilometer entfernt Sterne geboren werden und wieder erlöschen – aber dafür müssen alle irdischen Störfaktoren wie Handy- oder WiFi-Wellen vollkommen entfernt werden.

Für 16 Kilometer rund um das Teleskop werden sämtliche potenziellen Störenfriede blockiert – und die Einwohner des nur 143 Seelen umfassenden Örtchens Green Bank können damit anscheinend ganz gut leben. In den letzten Jahren zogen sogar einige neue Familien freiwillig hierher, um der Technik zu entsagen.

Überempfindlichkeit gegen elektromagnetische Strahlung?

Je mehr Technik wir um uns herumscharen, desto höher werden auch die Strahlungsbelastungen, denen wir uns gewollt und ungewollt aussetzen. Immer mehr Menschen klagen dabei über eine Empfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Strahlungen, die von Handys oder Wireless-Routern abgegeben werden.

Auch wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO elektromagnetische Strahlung formal (noch) nicht als offiziellen Krankheitsauslöser gewertet sehen möchte, so wird doch auch nicht abgestritten, dass einige Menschen äusserst empfindlich darauf reagieren können. Die Symptome sind häufig ähnlich oder gleich gelagert: Herz-Rhythmus-Störungen, Kopfschmerzen, Beklemmungen. Deshalb wird auch oftmals fälschlich die Diagnose Depressionen oder Migräne gestellt.

Einige solcher Patienten haben nun den drastischen Weg gewählt und sind in das verschlafene Nest Green Banks gezogen, und das mit überraschenden Resultaten. Kopfschmerzen und Beklemmungen sind wie weggeblasen und die Symptome verschwinden dauerhaft.

Ausflugsziel für gestresste Business-Leute

Langsam hat sich herumgesprochen, dass man in Green Bank noch lebt wie vor unseren hoch technisierten Zeiten. Das Städtchen hat in den letzten Jahren mit einem steigenden Besucherandrang zu tun: Überarbeitete Ausflüger aus New York und anderen hektischen Metropolen der USA kamen in Scharen.

Allerdings wehrt sich Green Bank: Hier findet man nicht nur keine Funkmasten und kein kostenfreies WiFi, sondern auch keine luxuriösen Hotels und Resorts, sondern nur die freundlichen Einwohner, die meist schon ihr ganzes Leben lang im Schatten des grössten beweglichen Radioteleskops verbracht haben. Und die fühlen sich, bei aller Freundlichkeit, zunehmend von den Elektrosmog-Flüchtlingen gestört.

 

Oberstes Bild: © Straight 8 Photography – shutterstock.com

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