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Jeder Zehnte verlässt die Banken-Branche

04.12.2014 |  Von  |  Konsum

Die Finanzbranche litt in den letzten Jahren unter massivem Prestigeverlust. Im Zuge der Auswirkungen der Krise strukturierten viele Banken um. Für ihre Angestellten blieb diese Entwicklung nicht folgenlos. Viele leiden unter wachsendem Druck und sehen nur noch wenig Sinn in ihrer Arbeit. Das Resultat ist bei vielen Instituten ein Exodus der Mitarbeiter. Auf lange Sicht könnte dies im Bankensektor zu Problemen führen.

Noch bis weit nach der Jahrtausendwende sah die personelle Situation der Branche anders aus. Viele talentierte Berufsanfänger sahen eine Karriere als Banker als Traumjob an. Als Motiv spielten hohe Gehälter und teils noch höhere Boni nicht die grösste Rolle.

Eine Bankkarriere eröffnete den Kandidaten mit Auslandsjobs, spannenden Aufgaben und renommierten Kunden oft das Tor zur Welt. Die Trendwende kam unmerklich, bis das Prestige der Banker nach der Krise schliesslich völlig kippte.

Prestigeverlust und Desillusionierung

Die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse weisen das Debakel in ihren Geschäftsberichten aus: 2013 verliess jeder zehnte Angestellte freiwillig seinen Job. Mehrheitlich wechselten sie in andere Branchen. Unzufrieden mit der Arbeit ist offensichtlich eine deutlich grössere Zahl der Mitarbeiter. Eine Umfrage des Branchenportals „Finews“ ergab, dass 31 % der Schweizer Banker Berufsanfängern davon abraten würden, eine entsprechende Karriere anzustreben. Die Desillusionierung zieht sich über alle Ebenen der internen Hierarchien. Sicher spielen bei dem aktuellen Exodus der Bankangestellten teilweise auch individuelle Gründe eine Rolle. Vielen Mitarbeitern machen aber vor allem diverse Sparprogramme sowie der schlechte Ruf der Banken in der Öffentlichkeit zu schaffen.

Hoher Arbeitsdruck und Personalabbau

Die Situation bei UBS und Credit Suisse ist für die Branche exemplarisch sein. Offiziell sprechen die Institute zwar nicht darüber, inoffiziell sind jedoch durchaus kritische Stimmen zu vernehmen. Zum einen sind die Anforderungen in einigen Bereichen – beispielsweise im Investmentbanking, in der Vermögensverwaltung oder in der IT – bei insgesamt geringeren personellen Ressourcen deutlich angestiegen. Eine Analyse des Portals „Financial Careers“ kommt zu dem Schluss, dass viele Mitarbeiter unter zu hoher Arbeitsbelastung, geringeren Beförderungschancen, interner Konkurrenz sowie öffentlicher Gehässigkeiten zu leiden haben.

Gerade in der sicherheitsbewussten Schweiz gestaltet sich der Ausstieg für viele Wechselwillige schwierig. Der Berner Buchautor und Journalist Mathias Morgenthaler hat neben Vertretern anderer Berufe auch Ex-Banker während der Entscheidungsfindung und während des beruflichen Neustarts porträtiert. Dem „Mut, loszugehen“ standen oft massive Ängste – vor Statusverlust, finanzieller Unsicherheit und auch einem antizipierten Scheitern – gegenüber.

Studienabgänger bevorzugen andere Berufe

Für die Banken dürfte der Trend zum Ausstieg in einigen Bereichen langfristig problematisch werden. Die Baseler Dependance des Beratungsunternehmens Universum veröffentlicht jährlich ein Ranking der unter Studienabgängern beliebtesten Schweizer Arbeitgeber: Traditionell besetzen die UBS und Credit Suisse die beiden ersten Ränge dieser Liste, inzwischen liegen jedoch Nestlé und Google Switzerland vorn. Auch andere Arbeitgeber – beispielsweise die SBB, die Bundesverwaltung oder Strategieberatungen – holen gegenüber den Schweizer Banken auf, da sich laut Universum viele Hochschulabsolventen sowohl Arbeitsplatzsicherheit als auch eine gute Balance von Privatem und Arbeit wünschen.

 

Oberstes Bild: © Pinkyone – shutterstock.com