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Essen zum Geniessen – das ist Slow Food

08.12.2014 |  Von  |  Gesundheit

Restaurants, die ihre Lebensmittel regional einkaufen, das Fleisch, Gemüse und Salat von Bauern beziehen, die ihre Produkte in nachhaltiger biologischer Landwirtschaft herstellen, und die diese Produkte dann nach althergebrachten Rezepten zubereiten, haben sich wahrscheinlich der Slow-Food-Idee verschrieben.

Das kommt vielen Schweizern entgegen, die grossen Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel legen und sich den Traditionen der Region, in der sie leben, verbunden fühlen. Hinzu kommt der Wunsch, Fleisch und Fleischprodukte –wenn überhaupt –, nur von artgerecht gehaltenen Tieren, die mit regionalem Futter aufgezogen wurden, zu verspeisen.

Slow Food – wie alles anfing

Carlo Petrini, ein italienischer Journalist und Publizist, war es leid, gepanschten Rotwein trinken zu müssen. 1980 gründete er deshalb die „Gesellschaft der Freunde des Barolo“. 1986 folgte die Gründung der Vereinigung „Arcigola“, die sich zuerst gegen die Eröffnung einer McDonalds-Filiale in Rom richtete und dann generell für die traditionelle italienische Küche eintrat und das Leben „entschleunigen“ wollte. Diese Ideen breiteten sich international aus, sodass sich im Dezember 1989 Vertreter aus aller Welt in Paris trafen, um eine Gegenbewegung gegen das Überhandnehmen des eintönigen und schnellen Fast Food aufzubauen. Slow Food war geboren und ist heute in über 150 Ländern der Welt vertreten. Bis heute ist Carlo Petrini aktiv dabei und hat weitere kulinarische Initiativen, wie den „Salone del Gusto“ (den Salon des Geschmacks) in Turin und die „Università degli Studi di Scienze Gastronomiche“ (die Universität für Studien der gastronomischen Wissenschaften) in Pollenzo im Piemont, ins Leben gerufen. 2013 erhielt er vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) den Titel „Champion of the Earth“ verliehen.

Der Begriff „Slow Food“ ist markenrechtlich geschützt und die Weinbergschnecke ist das Wappentier der Bewegung, die sich nicht nur für Nahrungsmittel einsetzt, die in Ruhe gewachsen sind und mit Musse verzehrt werden, sondern die auch über den Tellerrand hinausschaut und sich für die Biodiversität und den Erhalt kulinarischer Kulturen engagiert. Der Genuss am Essen und am Trinken steht allerdings im Zentrum der Bemühungen. Durch Besuche in Kindergärten und Schulen, Kochkurse für Kinder und Erwachsene, Workshops und Konferenzen wird die Idee vom Geschmack und der Wertschätzung hochwertiger Nahrungsmittel in die Öffentlichkeit getragen. Aber Genuss heisst nicht nur kulinarisches Erleben, sondern erstreckt sich auch auf historische, soziale und ökonomische Aspekte des Zusammenlebens.

Ein weiterer zentraler Begriff der Slow-Food-Bewegung ist die „Convivialität“ oder Gastlichkeit. Auf regionaler und lokaler Ebene haben sich die Mitglieder in Gruppen, sogenannten Convivien, zusammengeschlossen. Bisher gibt es über 1.500 Convivien weltweit, die Aktivitäten und Veranstaltungen in ihrem Umfeld organisieren und so die Slow-Food-Philosophie lebendig werden lassen, durch gemeinsame Mahlzeiten, Besuche bei den Produzenten, Diskussionen oder indem Bauernmärkte organisiert werden, auf denen die regionalen Produkte angeboten werden können.

Die Schweizer Slow-Food-Bewegung

Slow Food CH wurde 1993 gegründet und hat zurzeit 3.000 Mitglieder, die sich in 20 Convivien zusammengefunden haben. Das Internationale Büro in Bra in Italien kümmert sich um die Verwaltung und Koordination der Schweizer Mitglieder. Eine besondere Spezialität der Schweizer Convivien sind die „Presidi“, Projekte, die sich um kleine regionale Produzenten kümmern, die Lebensmittel in traditioneller und handwerklicher Art herstellen. Die Bewahrung solcher Traditionen gerade in der Schweiz und die Verbindung zu Absatzmärkten sind von grosser Bedeutung auch für den Erhalt bestimmter Pflanzensorten, Tierrassen und Kulturlandschaften.



Deswegen nimmt Slow Food CH auch regelmässig an verschiedenen Messen teil, zum Beispiel am „Slow Food Market“ in Zürich, an der Messe „Goûts et Terroirs“ in Bulle oder an der „Semaine du Goût“, die einmal im Jahr in der gesamten Schweiz stattfindet.

 

Oberstes Bild: © Thomas Bethge – shutterstock.com